Gmerkigs

Gmerkigs

„Besch es Gmerkigs“ sagen wir Schweizer, wenn wir jemandem etwas scherzhaft zugestehen, er oder sie hätte etwas entdeckt, was für andere schon längstens selbstverständlich sei. Alternativ kann man sowas über sich selber aussagen: „Be halt scho es Gmerkigs.“😉

Dasselbe Wort kann aber auch bewundernd verwendet werden: „Er isch e rächt e Gmerkige!“ Er merkt sich Dinge schnell, ist zum Beispiel ein intelligenter, aufgeweckter, spürender, gut beobachtender, aufmerksamer Schüler.

In meinem Blog möchte ich gmerkige Gedanken, Erlebnisse, Fragen, Bilder von mir (Schwarzweissfotos auf Leinwand mit handgemalten Farbtupfern)  und einige meiner Fotos sammeln, festhalten und für das weltweite Netz freigeben. Ich bin überzeugt davon, dass dieser Blog ein buntes Sammelsurium wird, als Abbild meines Lebens.

Ich bin 52 Jahre alt, Familienmanagerin, Mutter von drei Kindern, welche teilweise bereits erwachsen sind, seit  28 Jahren glücklich verheiratet mit Andy, überzeugte Christin, Hobbyfotografin, Testkundin, freie Autorin des SCM Bundes-Verlags (Schweiz) http://www.scm-bundes-verlag.ch/, Katzenbesitzerin, Mitarbeiterin für Kindergottesdienste der ref. Kirche Buochs (ohne reformiertes Kirchenmitglied zu sein).

In der Hochsensibilität erkenne ich Wesenszüge von mir wieder. Eben – bin manchmal „übergmerkig“, mit allen Vor- und Nachteilen. http://de.wikipedia.org/wiki/Hochsensibilit%C3%A4t

Altweibersommer oder Indian Summer

Altweibersommer oder Indian Summer

„Altweibersommer“ – Hand aufs Herz, was kommt Ihnen spontan in den Sinn, wenn Sie diesen Ausdruck hören? Geht es Ihnen wie mir? „Weiber“, was für ein frauenfeindlicher Ausdruck. Aber er klingt gleichzeitig sehr altertümlich und deshalb gehen wir Frauen lachend darüber hinweg, könnte man jedenfalls meinen. Nicht alle sind jedoch dazu imstande.

Eine 78 jährige Darmstädterin fand diesen Begriff in den Lokalmedien derart diskriminierend gegen Geschlecht und ihr Alter, dass sie 1989 dagegen eine Klage einreichte. Sie hatte keinen Erfolg. Das Landgericht befand, der “Altweibersommer“ dürfe seinen Namen behalten. Die Begründung war, dass der Begriff aus einer Zeit stamme, in der die beleidigte Klägerin noch gar nicht geboren war und bei dessen Verwendung keine Persönlichkeitsrechte älterer Damen verletzt würden.

Woher stammt der Ausdruck „Altweibersommer“?
Mitte September bis Mitte Oktober wird unser Wetter oft durch ein Festlandhoch über Osteuropa bestimmt. In Wetterstatistiken ist dieses Wetterphänomen seit rund 200 Jahren nachweislich festgehalten. Dieses Hoch erlaubt eine wunderbar gute Fernsicht. Es färbt das Laub schön und lässt uns kurzzeitig fühlen, als ob der Sommer nochmals zurückkehren würde, denn es bringt trockene Luft nach Mitteleuropa.

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Auf dem Schächentaler Höhenweg bei Urigen. (Kt. Uri) Der Blick geht Richtung Klausenpass.

Doch warum wird diese Schönwetterperiode „Altweibersommer“ genannt? Wenn Spinnen ihre Netze knüpfen, so nannte man das altdeutsch „weiben“ (entspricht dem heutigen „weben“). Der laue Wind des Hochdruckphänomens lässt Spinnen an ihren zarten Fäden durch die Luft fliegen und besonders weitflächige Netze bauen. Die Nächte im Frühherbst sind kühl und bilden Tau. In klaren Nächten sind taubenetzte Spinnweben besonders gut zu erkennen. Diese glitzernden Fäden erinnerten unsere Vorfahren an lange, silbergraue Haare älterer Frauen. Damals war Weib noch kein Schimpfwort für Damen. „Alt“ ist in diesem Zusammenhang mit «spät» gleich zu setzen. Der Altweibersommer ist demnach der Spätsommer oder Nachsommer. So kam es im 19. Jahrhundert dazu, dass der Frühling „Junger Weibersommer“ und der Herbst entsprechend „Alter Weibersommer“ genannt wurde.

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Auf dem Bürgenstock, Kanton Nidwalden

Ist der „Indian Summer“ dasselbe wie der „Altweibersommer“?

In anderen Ländern werden im Frühherbst ähnliche Wetterphänomene wie bei uns beobachtet. In Amerika heißen diese Tage “Indian Summer“ (Indianer-Sommer). Wer denkt dabei nicht sofort an Bilder von prächtig gefärbten Laubbaumwälder Kanadas! Die Herkunft dieses Begriffes ist umstritten. Eine mögliche Deutung sagt, „Indian Summer“ erinnere daran, wie die Weissen nach Westen zogen und indianische Gebiete zu erobern begannen. Manchmal wussten sich Ureinwohner nicht anders zu wehren, als dass sie Zugeständnisse machten, welche sie nie wirklich einzuhalten gedachten. Die Weissen warfen ihnen vor, Geschenke nur in heuchlerischer Absicht zu übergeben. Deshalb wurden diese Tage im Frühherbst, welche ausgaben, sie seien wie der Sommer, gleichgesetzt mit dem, was die Pioniere als „indianische Mogelpackung“ empfanden. Die Tage mögen warm sein, die Nächte sind aber oft bereits empfindlich kalt. Wir wissen es, der Spätsommer ist ein letztes Aufbäumen vor dem unaufhaltsamen, kälteren Herbst. Doch nichts desto trotz, lasst uns diese Tage geniessen!

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Auf der Wanderung in der Aaschlucht ab Engelberg

Zu diesem Thema habe ich mich gewagt, etwas zu dichten.😉

Sind die Tage im September erstaunlich warm,

webt die Spinne ihr Netz mit silbrigem Garn,

färbt das Laub der Bäume sich herrlich schön

und die Weitsicht in den Bergen ist klar dank Föhn,

dann nennt man das hierzulande Altweibersommer

und in Amerika ist es der Indian Summer.

Regula Aeppli

 

Altwiber und Indian Summer, isch das s gliche?

Ja, das isch denn, wenn dä Summer nid wett wiche

und es Hochdruckgebiät tuet schalte und walte.

Das isch sitt 200 Jahr i dä Schtatistike feschtghalte.

Diä Tag sind im Septämber, Oktober gläge.

Ich meinti, uf ihne liggt ä bsundrige Säge.

Denn diä Tag sind warm, s Laub bunt, d Sicht wyt.

Aber s isch halt glich so: bald chunnt ä chalti Zyt.

Regula Aeppli

 

Bauernregeln:

September warm und klar, verheißt ein gutes nächstes Jahr.

Wenn im September viele Spinnen kriechen, sie einen harten Winter riechen.

Ist der Oktober warm und fein, kommt ein scharfer Winter drein. Ist er aber nass und kühl, mild der Winter werden will.

Warmer Oktober bringt fürwahr, stets einen kalten Februar.

Hilft der Oktober nicht mit Sonne, hat der Winzer keine Wonne.

 

P.S. Dieser Artikel habe ich für den Nidwaldner Blitz verfasst. Er erschien zusammen mit diesen, meinen Fotos am 22. September 2016.

 

Der Traum vom Fliegen – ich hob ab.

Der Traum vom Fliegen – ich hob ab.

Facebook hat die nette Angewohnheit, mich an Erlebnisse zu erinnern, welche punktgenau am selben Tag vor einem oder mehr Jahren geschah. Vor 5 Jahren durfte ich mit SRF1 abheben. Da ich damals noch keinen Blog führte, kopiere ich das, was ich damals in den Facebooknotizen teilte, hier hinein:


Weit unten entdecke ich winkende, aufgeregte Menschen. Bereits im Landeanflug bemerke ich, dass sie zur Landebahn unseres Doppeldeckers Bücker laufen, Fotokameras und Mikrophon bereit. Wie kann ich ihnen meine emotionalen Empfindungen, das wunderbare Flugerlebnis schildern, so dass es auch für die Zuhörer zuhause nachvollziehbar und spannend klingt? Ich fühle mich wie eine VIP (very important person) und kann kaum fassen, dass ich für drei einmalige Flugerlebnisse ausgewählt worden bin. Sowohl der Flug im Doppeldecker, wie im Segelflugzeug und im Heissluftballons werden für mich Premieren sein.

Über Facebook konnte man sich bewerben und ich habe das grosse Los gezogen. Zur Vorfreude mischt sich aber gleichzeitig meine Flug- und Höhenangst. Doch ich entscheide mich, keinen Ängsten Raum zu geben, sondern die Gelegenheit am Schopf zu packen, sie zu überwinden.

Für den Doppeldeckerflug darf ich ein schönes, originales Lederkombi der Flugwaffe mit Lederhelm und Fliegerbrille anziehen. Ich fühle mich wie eine Zeitreisende.

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Pilotiert wird der orange Bücker von einem der besten Schweizer Berufsmilitärpiloten, Fredy Ramseier. Er ist Leader der Patrouille Suisse, Ausbildungschef des Zentrums von Locarno. DRS 1

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Moderator Thomy Scherrer hat mir im Vorfeld nicht zuviel versprochen, als er meinte, ich würde mich unter seiner Leitung wie „in Abrahams Schoss“ fühlen. Jede Angst ist von Anfang an wie weggeblasen, ich fühle mich im Sitz vor ihm sicher. Vor mir sehe ich ein paar Fluginstrumente und links und rechts von mir werden bis auf Schulterhöhe kleine Metalltüren hochgeklappt.

Der Flug verläuft sehr ruhig. Der Motorlärm wird durch die Lederkappe und die Kopfhörer gedämmt. Ich freue mich über die schneebedeckten Alpen im Hintergrund, den Blick auf den Zürcher- und Pfäffikersee. Unter mir erkenne ich Menschen. Später höre ich, dass ein DRS 1 Hörer freudig ein Mail ins Studio schickt: „Ich sehe grad Frau Aeppli über mir im Doppeldecker!“ Mutig strecke ich meine Nase in den herrlichen Fahrtwind, knipse viele Bilder und geniesse den Flug mit allen Sinnen.

Nach ein paar Minuten fragt mich Herr Ramseier, ob ich bereit wäre für einen Looping. Ich funke ein mutiges „Ja“ und bin freudig nervös. Dieses Manöver drückt mich stark in den Sitz und ich fühle gleichzeitig Euphorie, Überraschung und Stolz, dass ich’s geschafft habe. Dieses Erlebnis ist zu vergleichen mit einer Achterbahnfahrt. Herr Ramseier möchte den Schwung ausnutzen und zu einem anderen Manöver ansetzen. Freundlicherweise sieht er davon ab, als ich ihn darum bitte. Ich genoss zwar den Looping, aber das ungewohnte Körpergefühl reicht mir für einmal – ich muss mich davon erholen.

Bei der sanften Landung spüre ich doch etwas Spucke im Hals – doch nach ein paar Interviewfragen geht’s bereits weiter ins nächste Abenteuer: ein Segelflug wartet auf mich.

Als mir ein Fallschirm am Rücken montiert wird, zusammen mit Erklärungen, wie er zu ziehen wäre, wird es mir mulmig zumute. Gäbe es einen Zwischenfall und müssten wir aus dem Segelflugzeug in der Luft aussteigen, sollte ich mit gekreuzten Armen an den Hebeln links und rechts stossen. Äusserlich, für alle Fotokameras lächle ich, innerlich denke ich: falls es soweit wäre: adé du schöne Welt, denn das wäre mir zu kompliziert, das würde ich nicht schaffen….

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Das Hochziehen des Segelflugzeugs mittels eines Sportflugzeugs geschieht gleichmässig, in weiten Bögen und ich kann die Panoramasicht geniessen. Ich fühle mich fast wie zuvorderst in einer Luftkabinenbahn. Da ich vor dem Pilot sitze, habe ich eine Rundumsicht – alles „offen“ vor mir. Fast wird mir etwas schwindlig..Doch wirklich übel wird mir, als der Pilot nach dem Ausklicken des Schleppflugzeugs eine starke Rechtskurve dreht. Gleichzeitig in den Sitz gedrückt und rechts abgekippt zu werden, die räumliche Orientierung etwas zu verlieren – das ertrage ich weniger gut, als vorher der weiträumig geflogene Doppeldecker-Looping.

Ich fühle mich nicht wirklich wohl, als ich das Steuer kurz übernehmen kann. Der Flieger reagiert derart sensibel auf kleinste Berührungen des Knüppels, dass mich diese Erkenntnis fast erstarren lässt. Vor dem Start wurde mir gesagt, ich sollte nicht zu stark daran und an die Fusspedalen stossen, wenn der Pilot fliegt, denn der stärkere Impuls würde halt „siegen“. Ich sitze sehr eng, fast platzangstauslösend. Stolz kann ich aber später dem Radiomoderator und den Zuhörern zuhause mitteilen, dass ich es geschafft habe, einen 360 Grad Kreis ganz allein zu fliegen!

Die Landung verläuft zwar sanft, aber da ich eben alles so klar siehe und fast das Gefühl habe, ich sei die Pilotin, ist dies für mich ein eher angsteinflössendes Erlebnis.

Mir bleibt keine Zeit, mich zu erholen, denn schon werde ich aufgefordert, in den Heissluftballonkorb zu steigen. Es wird bloss eine kurze Schnupperfahrt. Ich kann sie nicht wirklich mit allen Sinnen aufnehmen, denn immer wieder fragt Thomy Scherrer etwas und ich kann ihn kaum verstehen, weil noch und noch heisse Luft in die Ballonhülle hochgeblasen wird.

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Scheinbar entsteht aufgrund der Thermik eine etwas heikle Situation, welche ich aber gar nicht mitbekomme, da ich mich auf die Berichterstattung des DRS 1 Moderators konzentrierte, um ja keine an mich gerichtete Frage zu verpassen. Die Radiozuhörer werden im Ungewissen gelassen, ob wir gut landen können. Doch kaum ist die Ansage für den Ratgeber vorbei, landen wir auch schon problemlos und ohne Schlag.

Die zwei Stunden Livesendung verfliegen im Flug😉 und ich freue mich auf die Führung durch die Radiostudios und auf einen Besuch bei einer guten Bekannten, welche in der Agglomeration Zürich wohnt.

Zuhause wartet auf mich die Teilnahme an der GV der Sport Union Beckenried. Ein perfektes Abschlusserlebnis für einen perfekten Tag! Es war ein happy Day für mich und wirklich gelandet bin ich noch nicht. Die Reaktionen aus meinem Bekanntenkreis sind durchwegs positiv und reichen von Beckenried, über die Schweiz hinaus bis nach Deutschland und gar unsere Bekannten aus Russland konnten die Sendung über den Webstream hören!


Die Sendung kann man hier immer noch nachhören. Auf Facebook habe ich ein Album darüber auf öffentlich geschaltet. Es kann auch ohne Facebookaccount angeschaut werden. Ich denke heute noch gerne an diesen einmaligen Tag zurück, ich werde ihn nie vergessen. Danke, SRF1 – ihr habt mir einen Happy Day verschafft, obwohl es ja nicht offiziell zu diesem Sendeporträt gehörte, was ich erleben durfte.

Flussabenteuer Reuss

Flussabenteuer Reuss

Ich gebe es zu: ich habe gehofft, es würde regnen. Deshalb war dann wohl das Wetter am Sonntag, 21. August schlechter, als es meteo.ch versprochen hatte. Dieses verkündete nämlich am Tag zuvor, dass am Sonntagvormittag noch Restbewölkung vorhanden sein werde. Sie sollte sich im Verlauf des Tages restlos auflösen und sowieso würde es am Sonntag trocken sein. So sah es denn auch aus, als wir uns mit zwei Autos, zwei Schlauchbooten und 5 Personen auf den Weg nach Gisikon machten. In Ebikon schien noch die Sonne – in Gisikon regnete es wie aus Kübeln und die dicke, dunkle Wolke hing schwer drohend über uns. Doch 4/5 von uns liessen sich nicht beirren und der letzte Fünftel murmelte was von: „Morgen gibt es eine schöne Schlagzeile bei 20 Minuten – Leichtfertige wagten sich trotz Schlechtwetter auf die Reuss und bezahlten es leider mit dem Leben.“ Doch auch dieses Fünftel beugte sich der Mehrheit – und es war nicht ich, obwohl ich wie gesagt, auf Regen hoffte. Denn ich bin nicht besonders abenteuerlustig und auch ich beugte mich bloss den Wünschen der Familie und wollte keine Spielverderberin sein. Diese Wünsche lauteten: auf der Reuss zu „böötlen“. Das erste und letzte Mal, als ich eine Schlauchbootfahrt auf der Reuss erlebte, lag rund 30 Jahre zurück. Wir wagten dieses Abenteuer mit der Jugendgruppe der Markuskirche Luzern – und alles ging optimal. Ich hatte es in guter Erinnerung, aber fliessendes Gewässer flösst mir einfach Respekt ein. Ah – eine geführte Kanutour auf einem Fluss kommt mir noch in den Sinn – das war vor etwa 14 Jahren im Jura. Auch da hatte ich zuerst ein mulmiges Gefühl, aber auch damals verlief alles super.

Vor ein paar Jahren waren wir mal als Familie mit zwei Gummibooten auf der Aare und erlebten diese Fahrt gut – nur das Holen des Autos nachher war etwas umständlich: mein Mann und ich liessen die Schlauchboote samt Familie in der Badi zurück, bei der wir landeten und fuhren per Bus und Zug zum Ausgangsort zurück. Nur – bis wir per Auto dann wieder bei der Familie waren, vergingen etwa 2 Stunden. Leider befand sich das Portemonnaie der Zurückgelassenen bei uns und so verdursteten und verhungerten die Armen während der Wartezeit fast. Dieses Mal organisierten wir das Ganze anders: wir hatten mit Tobias Götti abgemacht, dass er uns zu unserem Auto zurückbringen werde und anschliessend waren wir bei ihnen zum Grillieren eingeladen. Sie wohnen in der Reussgegend. Vorweg: das hat tiptop geklappt.

Nachdem uns also der heftige Regen in Gisikon nicht aufzuhalten vermochte, beschlossen wir, die Tour in Sins zu starten. Dort angekommen, klarte das Wetter tatsächlich auf. Wir wasserten beim Restaurant Zoll-Huus ein, kritisch beobachtet von einer Familie. Ich kann mir vorstellen, dass diese den Kindern später rieten, sowas ja nie zu wagen. Das Einsteigen war eine wacklige Angelegenheit, aber niemand von uns fiel ins Wasser.

Und dann begann ich mich zu entspannen! Und auch der Kritiker, welche Schlagzeilen über uns befürchtete, begann, die Fahrt zu geniessen. Entgegen meiner Befürchtungen ist die Reuss kein reissender Fluss – jedenfalls nicht auf diesem Abschnitt. Im Gegenteil: das Wasser lässt einen gemütlich dahintreiben. Das Ufer war baumgesäumt.

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Teamgeist erforderte das Unterqueren der zwei Brücken bei Mühlau und Rickenbach. Hier hätte unser Team von Punkterichtern bewertet, nicht sehr gut abgeschnitten. Wir haben eindeutig noch Übungsbedarf – aber obwohl wir nicht die goldene Mitte trafen, gelang es uns, den Pfeilern  und den gefährlichen Wellen um den Pfeilern herum, erfolgreich auszuweichen. Wir wussten um diese Gefahren – man darf nicht leichtsinnig sein, sondern sollte bei Brücken wirklich aufpassen, dass man schön mittig untendurch fährt. Aber die Brücken sind von Weitem erkennbar und man muss halt frühzeitig in die Mitte des Flusses einspuren.

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Wir rechneten mit 2 Stunden Fahrzeit Sins-Rickenbach, waren dann aber erstaunt, bereits nach etwa 1.5 Stunden die Brücke bei Rickenbach zu entdecken. In unserem Gummibootführer, welcher uns einen sehr guten Dienst erwies, war da die Rede von einer „breiten, rechtsufrigen Kiesbank“, bei der man gut aussteigen könne. Diese erwies sich als schmaler, kaum erkennbarer Sandstreifen. Wahrscheinlich führt die Reuss üblicherweise eine viel geringere Wassermenge. Nachdem wir die Brücke Rickenbach mittig unterquerten, stellte es eine ziemlich grosse Herausforderung dar, sofort nach rechts zu paddeln, um diesen Sandstreifen zu erreichen. Glücklicherweise gelang dies sowohl unserem Team, wie dem Schlauchboot, welches unsere Tochter und ihr Freund steuerten.

Von mir aus gesehen, hätte die Tour ruhig länger dauern dürfen. Doch wir hatten eben den Abholdienst abgemacht und unsere Freunde wohnen 5 Autominuten von dieser Ausstiegstelle entfernt.

Im voraus habe ich zu mir selber gesagt, dass ich sowas nur noch einmal mitmachen würde, dann sei ich definitiv zu alt für derartige Abenteuer. Nun, nachdem ich diese Strecke aber selber erlebt habe, kann ich mir gut vorstellen, ein nächstes Mal in Gisikon  zu wassern und dieselbe Strecke noch einmal zu geniessen. Aber die Umfahrung des Kleinkraftwerkes in Ottenbach traue ich unserem Team noch nicht zu und von daher werde ich wieder den Ausstieg nach der Rickenbach-Brücke empfehlen.

Wir hatten sowohl Wetterglück, wie auch das Glück, dass wir fast die einzigen an diesem Tag waren, welche sich auf eine solche Tour wagten. Hinter uns fuhr eine Gruppe mit mehreren Booten, aber sie kamen uns nie zu nahe.

An dieser Stelle danke ich Eva und Dudley, dass wir euer supergutes Boot ausleihen durften. Und meiner Familie danke ich, dass sie mich immer wieder zu Abenteuern ermutigen und herausfordern. Es sind jeweils nicht zu gewagte Unternehmungen, mit Risiken, welche sich gut abschätzen und absichern lassen.

Es war ein unvergesslich schönes Erlebnis!

Mein Griechenland-, Mazedonienabenteuer

Zuerst verbrachten wir einfach nur „normale“ Strandferien in der Nähe von Thessaloniki – Griechenland. Wir logierten zwischen dem 16. bis 30. Juli 16 in Hotel Marias House direkt am Meer. Per Mietauto erkundigten wir die drei „Finger“ Chalkidikis, genossen die Hitze nach unserem durchzogenen Schweizer Sommer, das Schwimmen im meist wellenlosen, türkisblauen, glasklaren Meer und planschten und spielten im Pool ausgelassen. Jeden Abend assen wir in einem anderen Restaurant. Die Küche Griechenlands ist wirklich fein. Was mich bei Erkundigungen etwas enttäuschte war, dass diese Gegend Griechenlands einen anderen Baustil hat, als das, was bei uns assoziiert wird mit griechischen Häusern. Mir gefallen halt die weissen Häuser mit blauen Kuppeln, welche ich von früheren Reisen aus Paros, Naxos, Mykonos und Santorini her kenne. Solche sah man hier nur auf Postkarten, welche in Souvenirläden wohl schon Jahre auf Käufer warten. Die Häuser Chalkidikis sind oft viereckige, schnörkellose Bauten, einige erinnerten mich an den mexikanischen Baustil oder auch an gewisse Tessinerhäuser. Wenn sie schön restauriert wären, wie die Beispiele auf dieser Seite, würde mir dieser Baustil gefallen. Aber man merkt es schon, dass die Griechen momentan nicht gerade finanzkräftig genug sind, Häuser und auch Strassen auszubessern. Strassen waren selbst in grösseren Orten oft in bedenkenswertem Zustand.

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Die zwei letzten Ferientage verbrachten wir zusammen mit einem Ehepaar, welches wir vom Café Pizzeria Piccadilly Buochs, unserem Nachbarort her kennen. Toni und Suzana konnten sich ein paar Tage Auszeit nehmen von ihrem strengen Beruf in der Gastromenie. Später trafen wir sie an der Hochzeitsfeier in Mazedonien, da sie mit den Familien des Bräutigams und der Braut befreundet sind.

Und das ist das Stichwort zu meinem eigentlichen Abenteuer – jedenfalls empfand ich das so. Ich glaube, mein Mann und unser Sohn empfanden es nicht ganz genau so aufregend wie ich.

Wir begaben uns am Samstag, 30. Juli auf unsere Reise von Griechenland nach Mazedonien, weil wir erstens die Familie des Freundes unserer Tochter besuchen wollten und weil wir zweitens zur Hochzeitsfeier des Bruders dieses Freundes eingeladen waren. Eine mazedonische Hochzeitsfeier! Ich freute mich bereits im Oktober 2015 darauf, als wir die Zivilhochzeit dieses Paares in der Rosenburg in Stans mitfeiern durften.

Das Abenteuer begann am Flughafen Thessaloniki, nachdem wir unser Mietauto abgegeben hatten. Wir sollten von einem Bekannten der Braut abgeholt und chauffiert werden. Im Vorfeld schilderten wir unser Aussehen der Mutter des Bräutigams, welche diesen Transport für uns organisierte und auch bezahlte. Der Chauffeur selber sollte ein Schild mit „Aeppli“ hochhalten. Abgemacht war, am Ausgang des Flughafens einander zu begegnen. Nur stellten wir dort fest, dass es 8 Ausgänge gab und dass auf der unteren Strassenzufahrt bloss offizielle Taxis ein Durchfahrtsrecht besitzen. Es gab ein paar aufgeregte Telefongespräche mit unserem zukünftigen Chauffeur, bei dem weder er noch ich wirklich etwas anderes verstanden als „Chauffeur“ – „Aeppli“ – „Wo?“ – „Problem“ oder so ähnlich. Nach einem Telefongespräch mit dem Bräutigam, klappte dann unser Zusammentreffen doch noch.

Es folgte ein spannendes 3.5 stündiges Unterwegs-Sein mit einem Chauffeur, welcher kaum ein Wort Englisch, sondern nur Mazedonisch sprechen konnte, uns aber als seine  Gäste so gut es ihm möglich war, verwöhnte. Er fragte, welchen Musikstil wir liebten, gab über die Gegend ein bisschen Auskunft, fragte, ob es mit der Temperatur im Auto ok sei, fuhr sehr regelmässig und angenehm, bezahlte bei einer Rast unsere Getränke – und half uns, als mein Mann ein bisschen Probleme am Zoll bekam, weil er zuerst seine abgelaufene ID zeigte, statt sofort den Notfallpass heraus zu kramen, welcher halt im Rucksack steckte. Mein Mann meinte, die würden bestimmt nicht so genau schauen. Denkste, der Zoll kontrollierte sehr genau. Zum Glück bescherte uns diese Bequemlichkeit nicht grösseren Ärger, sondern ging glimpflich aus. Unterwegs telefonierte unser Chauffeur ein paarmal mit der Braut, welche sich regelmässig erkundigte, wie es um unsere Fahrt stünde.

Als er bei der Familie des Bräutigams vorfuhr, wurde er zu seiner vollen Zufriedenheit bezahlt. Er verdiente wahrscheinlich an diesem Tag einen halben, dort üblichen Monatslohn. Und nun begann das Vorfest der Hochzeitsfeier: wir wurden anderen Gästen vorgestellt, welche Freunde des Bräutigams aus der Schweiz waren und der Familie und Verwandtschaft des Bräutigams. Auch unsere Tochter und ihr Freund begrüssten uns. Sie reisten ein paar Tage vorher nach Mazedonien an. Ein paar Schweizer Gäste kannten wir von der Zivilhochzeit in Stans her.Von der Familie des Bräutigams aber kannten wir bis dahin nur die Eltern und natürlich den Bräutigam selber. Wir wurden aufs herzlichste willkommen geheissen, bald wurde grilliert und ein paar typische mazedonische Tanzschritte eingeübt. Wann wir denn die Braut treffen würden, fragte ich. „Erst morgen, am Hochzeitstag selber“, erhielt ich zur Antwort.Am Abend vorher feiert die Braut mit Familie und Freunden bei ihrem Elternhaus und der Bräutigam mit seinen Gästen in seinem. Braut und Bräutigam dürfen sich erst am Hochzeitstag treffen. Unser Sohn meinte: „Dabei sind sie ja seit Oktober 2015 verheiratet.“😉 Aber sie wollten es halt alles so handhaben und feiern, wie es der Tradition ihres Volkes entspricht. Mit der einen Ausnahme: sie kürzten den Festablauf um einige Tage ab.😉

Wir mussten uns übrigens noch persönlich bei der mazedonischen Polizei anmelden. Das ist scheinbar nicht allen bekannt, welche nicht in einem Hotel, sondern privat logieren. Wenn man sich nicht innert 48 Std. nach Ankunft bei der mazedonischen Polizei meldet, könnte es Probleme bei der Ausreise geben.

Mein Mann, unser Sohn und ich begaben uns im Verlauf des Abends auf einen Dorfrundgang. Viele Bewohner kamen auf uns zu und fragten uns freundlich, nach dem Woher- und Wohin. (Auf Mazedonisch, Englisch, Italienisch und sogar Deutsch) Wir entdeckten ein Schwyzer-Autonummernschild, kamen mit dem Besitzer ins Gespräch und erfuhren, dass er in der Schweiz arbeite und hier wie so viele im Sommer auf Besuch bei seiner Familie und Verwandtschaft wäre. Sofort wurden wir eingeladen an den Tisch im Garten. Wir lehnten dankend ab, waren wir doch schon zu Gast an einem anderen langen Festtisch.Bei dieser Gelegenheit will ich erwähnen, dass im Sommer in dieser Gegend jeden Tag mindestens ein Hochzeitsfest stattfindet. Weil dann jeweils alle Menschen, welche im Ausland arbeiten, in ihrem Heimatdorf zusammenkommen, also Nachbarn, Freunde, Verwandte, Bekannte sich treffen, werden auch die grossen Feste auf diese Jahreszeit verlegt. Am Vorabend des Hochzeitsfestes, zu dem wir eingeladen waren, war die Familie eigentlich noch zum Hochzeitsfest eines Verwandten (Bräutigams Cousin) eingeladen. Die Bräutigameltern verschwanden dann auch für ein paar Stunden, um dort wenigstens ein bisschen mitzufeiern. Jeden Tag während unseres Aufenthaltes hörte man Autogehupe, weil wieder eine Hochzeitsgesellschaft unterwegs war und das Restaurant, in dem wir am Abend feierten, war jeden Tag ausgebucht für Hochzeitsessen.

Der Tag des Hochzeitsfestes begann für die Brautleute und deren Gäste ebenfalls wie am Vorabend getrennt. Das heisst: sowohl im Elternhaus der Braut, wie im Elternhaus des Bräutigams wurde gebruncht. Viele der Hochzeitsgesellschaft im Hause des Bräutigams begaben sich über die Strasse zum Coiffeur (Frisör). Die Brautmutter bezahlte allen eine Festfrisur.

Ich kann nicht sagen, wie es bei der Braut war, aber im Bräutigamhaus wurde ab 9.30 Uhr ausgiebig per Liveblasmusik getanzt und vom herrlichen Buffet gekostet. Ich dachte, dass der Bräutigam seine ganze Energie bereits am Vormittag aufgebraucht hätte, derart gab er sich dem Tanz hin. Doch ich sollte mich täuschen – er war zu noch viel grösserer Tanzausdauer fähig. Und dies bei ca. 40 Grad Celsius!

Irgendwann begab sich die Festgesellschaft des Bräutigams zum Haus der Braut. Die Autos wurden parkiert und die letzten Meter tanzte man zum Elternhaus der Braut. Natürlich immer begleitet mit der Roma Blaskapelle. Allen voraus der Bräutigam mit seinen Eltern, welche Geschenke trugen. Apropos Blaskapelle: diese spielte zwischen 9.30 bis ca. 17 Uhr, unterbrochen nur während des orthodoxen Trauungsgottesdienstes. Die Leute tanzten die ganze Zeit – habe ich schon erwähnt, wie heiss es war? Wir Schweizer fielen im Schatten überhaupt nicht auf, denn alle Einheimischen waren in der prallen Sonne mit Tanzen beschäftigt. grins Die Musiker bespielten manchmal extra einen Gast, d.h. kamen ihm derart aufdringlich nah, bis dieser nachgab und ihm einen Geldschein auf die schweissnasse Stirn klatschte, oder einen Schein ins Musikinstrument steckte, wo es halt grad Platz fand. Ich fand es ja im Grunde genommen lustig, aber als sie einem Baby die Trompete ins Ohr bliesen, hatte ich doch meine Bedenken.

Wir hatten doch keine Ahnung! Eigentlich wären wir erst dann in den Vorhof der Braut eingelassen worden von den Brautjungfern, wenn wir einen Geldbetrag hinterlassen hätten. Doch wir Touristen erhielten die Anstecker umsonst und bemerkten erst im Nachhinein den Geldteller. Ich erinnerte mich an die Schilderungen unseres Reiseleiters in der Türkei. Er erzählte, wie eine türkische Hochzeit abläuft – und es kam mir genauso vor, was ich hier alles erlebte.

Mir kam während des Tages viel die Bibel in den Sinn und ich verstand einzelne Passagen besser:

Matthaeus 25:1-13 / LUT

Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. …

Die meisten Gäste wurden im Garten draussen bewirtet und tanzten dort. Wir aber erfuhren, dass wir zum engeren Kreis der Gäste gehörten, was uns vorher nicht bewusst war. Wir waren, wie es mein Sohn ausdrückte, VIP’s.😉 Als diese wurden wir an den grossen Festtisch in der Stube geleitet, dort der Familie und den Eltern der Braut vorgestellt und verköstigt. Währenddem wir assen, erlebte unsere Tochter als Freundin des Brautführers etwas, was sich sonst allen Blicken entzog: der Bräutigam wurde ins Brautzimmer geführt, musste dort der Braut einen Kranz geben und dann wurden auch andere, symbolische Handlungen ausgeführt, welche ich vergessen habe, weil ich selber dort nicht dabei war.

An unserem Tisch sassen wir nicht lange, sondern als die Blasmusik eintrat, standen alle auf und tanzten, wie wenn es zum ersten Mal an diesem Tag und nicht derart stickig heiss im Raum gewesen wäre. Auch wir versuchten es natürlich darin. Hilfreich erwiesen sich den ganzen Tag über die Tücher, welche uns zu Tagesbeginn gereicht wurden. Sie dienten dazu, sie beim Tanzen rhythmisch zu schwenken, aber noch viel praktischer waren sie einsetzbar als Fächer und zum Schweiss abwischen.

Und plötzlich trat das Brautpaar ein und wir sahen zum ersten Mal die Braut! Auch das Brautpaar tanzte zuerst eine Weile ausgelassen und dann begann eine Reihe symbolischer Handlungen, deren Sinn wir erahnen konnten und teilweise erklärt bekamen vom Pate des Bräutigams, welcher wie er uns erklärte, die wichtigste Rolle an diesem Tag inne hatte, nebst dem Brautpaar natürlich. Vor allem war er der „Hauptsponsor“, wie er uns augenzwinkernd verriet. Er ist mazedonischer Herkunft, wohnt und arbeitet aber schon manche Jahre zusammen mit seiner Familie in München.

Brautvater- und Bräutigamvater tranken zusammen aus einer Schüssel Wein, in der die Eheringe des Brautpaares waren und bissen miteinander von einem grossen Stück Brot ab, welches uns allen dann gereicht wurde. Es kam mir wie ein Abendmahl vor, oder als Handlung der Verbrüderung. Dem Bräutigam wurde ein ganzes Poulet vorgesetzt, von dem er zuerst selber essen und dann seine Braut verköstigen musste. Er sei nun der Ernährer der Familie, wurde mir erklärt. (Obwohl die Braut selber ja studiert hat und auf eigenen Füssen stehen kann.)😉 Die Braut verteilte ein paar Geschenke und jeder, welcher eines erhielt, drückte der Braut wiederum ein paar Geldscheine in die Hand. Wie gesagt: wir hatten keine Ahnung, auf was wir uns einliessen und wussten von daher nicht, dass auch unsere Tochter als Freundin des Brautführers beschenkt würde. Geld für ihr Geschenk erhielt sie von der Mutter ihres Freundes.😉 Als weiter getanzt wurde und es war ziemlich laut dabei – wollten wir uns mal im Schatten draussen ausruhen. Kaum setzte ich mich erschöpft auf einen Plastikstuhl im Garten neben eine ältere Dame, dachte diese wohl, ich würde mich langweilen und forderte mich zu einem Tänzchen auf. Es wurde ein wunderschönes Erlebnis. Diese Frau war so herzlich zu mir und wir verstanden uns tanzend, ohne Worte. Mir wurde erklärt, sie sei die Schwester der Brautmutter.

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Irgendwann fuhren wir zur schön gelegenen Kirche und erlebten unseren ersten orthodoxen Gottesdienst. Der Pope sang, schwenkte Weihrauch und alle standen ums Brautpaar und die engsten Familienangehörigen herum. Es gab keine Sitzgelegenheiten, bzw. nur eine lange Bank, auf welche sofort ein paar junge Damen sassen. Später klagte mir eine Frau, sie hätte sich darüber gewundert, denn eigentlich dürften nur kranke oder alte Leute sitzen. Der Freund unserer Tochter musste sich bei der Braut einhängen und auch während des Gottesdienstes konnten wir viele Symbolhandlungen miterleben. So wurde um die Arme des Brautpaares zum Beispiel neue T-Shirts des Paares geschlungen (ich glaube, die wurden anschliessend der Kirche zum Weiterverkauf gespendet) Der Pate des Bräutigams erklärte mir später, dies bedeute, dass die zwei nun Zeit ihrer Lebtage miteinander verbunden seien. Ich beobachtete, wie die Braut langsam hin- und her zu schwanken begann und ihre Augen verdrehte. „Oh – oh, sie wird ohnmächtig, bei dieser Hitze“, dachte ich. Zum Glück erhielten sie in diesem Moment Brot und Wein des Abendmahls. Später gestand mir die Braut, das Abendmahl wäre ihre Rettung gewesen.😉 Auch im orthodoxen Gottesdienst wird das „Jawort“ gegeben und die Ringe getauscht. Und dann wurde dreimal um den Altar gelaufen – währenddem das Brautpaar ihre Kronen, welche sie erhalten hatten, ein paarmal vor dem Altar zogen.

Nach der kirchlichen Trauuung wurde natürlich wieder getanzt, es gab Apéro und dann begab man sich zum Haus des Bräutigams. Die letzten paar Meter – ab dem Dorfplatz bis zum Haus – begleitete man die Braut tanzend zum Elternhaus ihres Mannes. Ihr am nächsten tanzten immer die Brautjungfern. Dann wurde die Braut über die Türschwelle des Elternhauses ihres Mannes getragen. Draussen wurde wieder gegessen und getrunken, die Musiker verabschiedeten sich. Und so nach und nach verabschiedete sich auch die Gästeschar. Endlich konnten wir duschen, uns umziehen und für die Abendfeier im Restaurant bereit machen. By the way: die Frisur hielt den ganzen Tag – und Abend!😉

Am Abend standen unsere Tochter und ihr Freund etwa 1.5 Std. beim Eingang des Restaurants und nahmen die Geschenke fürs Brautpaar entgegen. Im Gegenzug zu ihrem Geschenk erhielten die Gäste ein Raffaello und wurden zusammen mit dem Brautpaar fotografiert. Oben wurden die Gäste von den Eltern beider Seiten begrüsst und man ass und trank bereits. Zu unserem Tisch gesellten sich Toni und Suzana – ihr erinnert euch – das Paar, welches wir von Buochs kennen und mit denen wir zwei Tage in Griechenland genossen. Als die Brautpaar eintrat, überraschte es alle Gäste mit einem wunderschön einstudierten Brauttanz. So romantisch! Und dann wurde getanzt, getanzt, getanzt. Ohne erwähnenswerten Unterbruch. Von ca. 20.30 Uhr bis um 1 Uhr früh! Und das Brautpaar feierte anschliessend mit ihren jugendlichen Freunden weiter bis um 6 Uhr! Ich muss gestehen: wir tanzten zwar auch viel – und die mazedonischen Tanzschritte wurden uns sehr gastfreundlich und geduldig gelehrt – learning by doing – aber wir pausierten auch oft. Im Gegensatz zum Brautpaar – dieses tanzte stuuuundenlaaang! Ich staune einfach heute noch darüber! Die Band, welche spielte und der Sänger der Gruppe sind in Mazedonien sehr bekannt. Im Verlauf des Abends wurde ich immer wieder mit Komplimenten bedacht, wie gut ich tanzen würde und oft gefragt, ob ich mich wohl fühlen würde, mir auch ja nichts fehle. Auch unsere ganze Familie wurde liebevoll ins Fest mit einbezogen.

Müde und voller Eindrücke gingen wir nach 1 Uhr schlafen. Anschliessend durften wir im Elternhaus des Bräutigams noch ein paar Tage ihre Gastfreundschaft geniessen. Der Brautvater chauffierte unsere Tochter, ihren Freund, meinen Mann, unseren Sohn und mich am Dienstag, 2. August nach Skopje an den Flughafen. Ein paar Tage später wütete in dieser Gegend ein heftiges Unwetter und es gab leider auch Tote. Wir haben die Gastfreundschaft dieser Menschen erlebt – ihre Herzlichkeit und deshalb ging mir diese Schreckensnachricht nah. Gerne kehre ich wieder mal nach Mazedonien zurück und ich möchte die Sprache lernen, um mich mit den Grosseltern und Verwandten dort unterhalten zu können.

 

 

 

Vom Säen und Ernten – Holzbauwelt

Vom Säen und Ernten – Holzbauwelt

Auch diesen Montag und Dienstag (8./9. August 16) werden Andy, Tobias und ich hier wieder aktiv sein.

Gmerkigs

„Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen.“
Bibel, Galater 6,9

Es ist sehr befriedigend, sich in der Gesellschaft sinnvoll einzusetzen. Besonders viel Spass bereitet es mir, wenn wir als ganze Familie Aktionen organisieren wie zum Beispiel die Weihnachtspäckliaktion oder unser jährliches Engagement für den Ferienpass Nidwalden.

Einige Jahre lang organisierte mein Mann die Legostadt für den Ferienpass und dieses Jahr das erste Mal die Holzbauwelt des Bibellesebundes Schweiz. Im Vorfeld galt es, terminliche Absprachen zu tätigen, die Räumlichkeiten mit dem Bibellesebund- Verwantwortlichen Stephan Böhi, zu besichtigen, Leitern und Gestelle zu organisieren und transportieren, immer wieder im Gespräch zu sein mit dem Ferienpass OK, einen Übernachtungsplatz und Geschenk für den ehrenamtlichen Mitarbeiter zu suchen, welcher die Holzbauwelt transportierte und betreute, einen Einladungszettel für die Besichtigung der Holzbauwelt zu gestalten, die Presse einzuladen, Mitarbeiter für die…

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Gmerk-würdiger Tag

Gmerk-würdiger Tag

Was für eine gmerk-würdig-e  Zeit, der Donnerstag, 7. Juli und Freitag, 8. Juli 2016.

15 Jahre lang ging ich in der Beckenrieder Schule ein- und aus. Als Mami von Schulkindern. 10 Tage vor der Geburt unseres Jüngsten, zogen wir von Ennetbürgen nach Beckenried um. Unsere beiden Mädchen absolvierten in Ennetbürgen  den Kindergarten und die EK (Einführungsklasse – das Kind absolviert die 1. Klasse innerhalb von 2 Jahren). Im Geburtsjahr von Tobias – 2001 – starteten unsere Mädchen in der 2. und 4. Klasse in Beckenried. Muki-Turnen (Mutter-Kind), Elternabende, Elterngespräche, Schulveranstaltungen gehörten von da an zu unserem normalen Familienalltag. 15 Jahre lang. Und ab heute ist alles anders. Ich wurde zusammen mit dem Jüngsten aus der Schule „entlassen“. Dies ist nicht nur für ihn ein neuer Lebensabschnitt, sondern auch für mich als Mutter, denn wieder einmal gilt es, ein Stück weiter loszulassen. Ich habe heute gehört, wie wehmütig Eltern von Spielgruppenkindern oder Kindergärtnern sind, dass sie nach den Sommerferien ein „Level“ höher steigen. Genauso ging es mir damals auch – und heute erst recht. Es wird einem als Mutter bewusst, wie schnell die Kinder gross werden und man denkt mit Wehmut an gemeinsam Erlebtes zurück, das für immer der Vergangenheit angehört.

Nach den Sommerferien gehts für die Schüler der Abschlussklasse ein „Level up“, wie sie ihr Motto nennen. Tobias gestaltete das T-Shirt für seine Klasse. „Level up“, lehnt sich an das PC Spiel „Mario“ an, bei dem es, nachdem man etliche Herausforderungen erfolgreich gemeistert hat, ein Level höher geht.

Gestern, am Donnerstagmorgen um 3 Uhr fanden sich diese Schüler tatsächlich schon in der Schule ein, um gemeinsam ein paar Streiche für die anderen Schüler vorzubereiten. Was mich erstaunte dabei: alles musste „abgesegnet“ und abgesprochen sein. An der Pinnwand der Schule mussten sie im Vorfeld eine Notiz anbringen, dass empfohlen würde, am Donnerstag Ersatzkleider in die Schule mitzunehmen. Jedes Kind, das in einen Pool gedrückt wurde, musste vorher um Erlaubnis gebeten werden. Nach diesem freiwilligen Bad mussten alle Schulkinder des ORS Schulhauses durch einen Sägemehlteppich laufen und herausfinden, wie sie die Treppen wohl hochsteigen könnten, welche über und über mit Trinkbechern überstellt waren, welche natürlich mit Wasser gefüllt waren.😉 Irgendwann verbrannten dann die Schüler der Abschlussklasse (AK 16) ihre Hefte und Arbeitsblätter in einem feuerfesten Behälter. Dies musste vorher der Feuerwehr und Polizei angekündigt werden.

Das war eine unruhige Zeit für mich: um 3 Uhr hörte ich, wie Sohnemann aufstand und ab 5 – 8 Uhr vernahmen wir insgesamt 10 Böllerschüsse. Als um 7.30 Uhr die Feuerwehr und die Polizei zu vernehmen waren und zudem eine Art Alarm, wurde es mir doch etwas „gschmuch“ (unheimlich) und ich kontaktierte unseren Sohn per Handy. Umgehend erhielt ich die Entwarnung: alles ok. Der Feuerwehreinsatz hatte nichts mit der Schule zu tun, aber galt leider einer befreundeten Familie, deren Stalldach niederbrannte! Der Alarm war tatsächlich von der Klasse erzeugt (durch eine spezielle Maschine) und musste auch der Polizei vorangekündigt worden.

Gestern Abend waren wir Eltern der AK 16 an einen ganz feierlichen Abschlussabend eingeladen. Die Schüler tischten ein feines, selbstkreiertes Essen auf. Wir Eltern steuerten Desserts bei.

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Es wurde vorgestellt, was jeder Abschluss-Schüler nun vorhat: wie sein nächstes Level aussieht und mit Fotos und in Reimversen wurde Rückschau über die Schulzeit gehalten. Wir konnten alle Abschlussarbeiten durchblättern (unser Sohn thematisierte „Drohnen im Arbeitsbereich“) und die zwei Werkbeiträge – das Bänkli unseres Sohnes und ein Boot (!) bestaunen. Die Schüler schrieben auf Zettel zusammen mit Mutter/Vater persönliche Zukunftswünsche und liessen sie an Ballonen in den Himmel fliegen. Das Fest dauerte bis Mitternacht.

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Dieses Bänkli hat Tobias im Werkunterricht hergestellt.

Heute Freitagmorgen um 6.30 Uhr trafen sich die Burschen bereits wieder zum Tricheln.  (Jetzt gelten sie übrigens beim Samichlauseinzug zu den erwachsenen Männern). Und heute Abend geht für sie das Fest weiter. Sie haben das Jugendlokal für sich gemietet. Ich hoffe, dass dort alles gut geht und muss wieder ein Stück weit loslassen. Denn was wir hörten, hätten vorherige Jahre ortsfremde Jugendliche Ärger bereitet mit mitgebrachtem Alkohol und leichten Drogen. Ich bin froh, wenn unser Junge irgendwann im Verlauf des morgigen Tages dann hoffentlich von einem gelungenen Fest erzählen kann.

Am Freitagvormittag fand im Alten Schützenhaus die offizielle Schulverabschiedung der AK 16 statt, zusammen mit Lehrern, ORS-Schülern der unteren Klassen und interessierten Eltern. Noch einmal hörten wir die Verse von gestern Abend, lachten über ein Lehrerspiel und erlebten mit, wie den Schülern die Zeugnisse feierlich übergeben wurden. Bei dieser Gelegenheit: ich bin ein stolzes Mami von einem Jungen, welcher sehr gut im Stellwerktest abgeschnitten hat!

Heute Mittag erhielt ich Post von einem meiner Arbeitgeber. Ich habe mehrere Teilzeitjobs in Minipensen. An einem Arbeitsort bin ich seit genau 10 Jahren angestellt und ich habe zu diesem Jubiläum eine Urkunde und ein Büchlein erhalten. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Wie schön!

Am Nachmittag nahm ich einen Telefonanruf entgegen. Ich habe mich beim Nidwaldner Blitz auf eine Ausschreibung als „Redaktionelle Mitarbeiterin auf Freelance-Basis“ beworben.

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Im Telefongespräch wurde ich eingeladen, mich nächste Woche vorstellen zu gehen! Ich bin sehr aufgeregt und hoffe, dass ich diese Stelle erhalten werde. Das wäre für mich ein „Level up“.😉

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So muss ich am heutigen Tag nicht bloss wehmütig zurückschauen und Vergangenem nachtrauern, sondern es wird mir bewusst, dass das Leben dynamisch bleibt. Für mich persönlich, für unsere Familie und auch für euch.😉 Das Leben ist spannend, herausfordernd – immer wieder gilt es, neue „Level“ zu entdecken. Ich freue mich darauf.


Nachtrag: das Klassenfest im Jugendlokal Lieli verlief, so wie ich gehört habe, gut. Unser Sohn kehrte bereits um 00.30 Uhr heim.

50 Jahre und ein Stückchen weiser

Bin heute auf diese Carte blanche gestossen, welche ich vor 3 Jahren auf Zoras Blog veröffentlichen durfte.

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Eine Carte blanche für Regula Aeppli In Anlehnung an einen tollen Song Vor einer Woche wurde ich ein halbes Jahrhundert alt. So ausgedrückt fühlt es sich alt an. Ich fühle mich aber weder jung noch…

Quelle: 50 Jahre und ein Stückchen weiser