Gmerkigs

Gmerkigs

„Besch es Gmerkigs“ sagen wir Schweizer, wenn wir jemandem etwas scherzhaft zugestehen, er oder sie hätte etwas entdeckt, was für andere schon längstens selbstverständlich sei. Alternativ kann man sowas über sich selber aussagen: „Be halt scho es Gmerkigs.“ 😉

Dasselbe Wort kann aber auch bewundernd verwendet werden: „Er isch e rächt e Gmerkige!“ Er merkt sich Dinge schnell, ist zum Beispiel ein intelligenter, aufgeweckter, spürender, gut beobachtender, aufmerksamer Schüler.

In meinem Blog möchte ich gmerkige Gedanken, Erlebnisse, Fragen, Bilder von mir (Schwarzweissfotos auf Leinwand mit handgemalten Farbtupfern)  und Fotos sammeln, festhalten und für das weltweite Netz freigeben. Ich bin überzeugt davon, dass dieser Blog ein buntes Sammelsurium wird, als Abbild meines Lebens.

Ich bin eine Jahrgang 63 igerin, Familienmanagerin, Mutter von drei Kindern, welche teilweise bereits erwachsen sind, seit 1987 glücklich verheiratet mit Andy, überzeugte Christin, Hobbyfotografin, Testkundin, freie Autorin des SCM Bundes-Verlags (Schweiz) und des Nidwaldner Blitz , Katzenbesitzerin, Mitarbeiterin für Kindergottesdienste der ref. Kirche Buochs (ohne reformiertes Kirchenmitglied zu sein).

In der Hochsensibilität erkenne ich Wesenszüge von mir wieder. Eben – bin manchmal „übergmerkig“, mit allen Vor- und Nachteilen.

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Mein facettenreicher, geliebter Vater

Mein facettenreicher, geliebter Vater

Bald jährt sich der Todestag meines Vaters zum 2. Mal. Wir sind immer noch am Sichten/Räumen von seinen vielen Sammlungen (Briefmarken, Münzen, Nostalgisches…) Letzte Woche haben meine mittlere Tochter und ich beim Durchstöbern von Ordnern ein paar interessante Sachen aus dem Leben meines Vaters erfahren. Zum Beispiel, dass er sogar weltweit eine Kapazität war, was Wärmebehandlung von Metall betrifft. Er ging an Konferenzen als Delegierter der Schweiz, offiziell aufgeboten seitens des Bundesrates, war Dozent an der Fachhochschule Zürich und bildete Lehrlinge aus. Das war mir bis heute nicht bewusst. Ich wusste, dass mein Vater geschäftlich mehrmals in Paris war, aber nicht, dass dies einmal kurz vor meiner Geburt noch der Fall war. Meine Schwester erzählte mir gestern, dass er einmal ein Raketenteil, das für die NASA produziert wurde, persönlich in die USA begleiten musste. Unter grössten Sicherheitsauflagen. Mein Vater war massgeblich an der Produktion dieses Stücks beteiligt gewesen. Damals sprach er noch nicht Englisch. Er hat dies erst später gelernt und mit mir lange Zeit brieflich in Englisch korrespondiert, um es zu lernen und praktizieren.

Und noch was habe ich in diesen Ordnern gelesen: dass er an einem Wettbewerb künstlerischer Natur, mitgemacht hat. Im Ordner ist seine Arbeit beschrieben. Später am Tag habe ich diese kleine Eisenskulptur in einem Zimmer des Hauses meiner Eltern zufällig entdeckt. Lustig – sie ist mir bisher nie aufgefallen. Da lese ich was in einem Ordner, vom Vater angelegt und sehe dieses künstlerische Werk daraufhin sofort.  Meine Mutter wusste nicht mehr in welchem Zusammenhang er dieses Stück erstellt hat. Sie meinte aber, er wäre wohl glücklicher gewesen, wenn er als Künstler hätte leben können statt als Mechaniker. Nur hätte er halt damit nicht eine Familie ernähren können. Meine Schwester hat mir gestern auch über diese künstlerische Ader meines Vaters die Augen geöffnet. Ja, es stimmt: bei jeder Gelegenheit hat er sich mit uns Kindern und später mit den Enkelkindern hingesetzt und uns ermutigt, zu malen, was wir sehen würden. Meine Schwester ist bis heute am Aktivsten von uns künstlerisch tätig. Ich versuche mich hie und da ebenfalls im Malen. Ich kombiniere es mit der Fotografie…. Auch die Schreiblust habe ich von meinem Vater geerbt. Ich habe in besagen Ordnern Gedichte und andere Schreiberzeugnisse gefunden.

Berufliche Kapazität, Künstler, Religionslehrer – und gemobbt

Diese Entdeckungen über meinen Vater begeisterten mich. Aber sie stimmten mich auch nachdenklich und erinnerten mich an Mobbingzeiten. Das kam so: mein Vater war seitens seines Arbeitgebers, zeitlebens unter Druck gesetzt worden. Er musste sich weiterbilden, an Konferenzen gehen weltweit – nicht aus freien Stücken, sondern unter Androhung des Arbeitsplatzverlustes,. Ich erinnere mich nicht daran, dass mir mein Vater irgendwann gefehlt hätte als Kind. In meiner Erinnerung war er nie lange weg. Obwohl er nebst seinem Beruf auch noch in der reformierten Kirche ehrenamtlich engagiert war und auch dort verantwortungsvolle Posten inne hatte (Sonntagsschule: Teamleiter, Religionsunterricht, Besuchsdienst, zeitweise nebenberuflich Sigrist). Aber ich erinnere mich lebhaft daran, dass unsere Familie oft unter Existenzängsten litt. Damals, vor rund 50 Jahren war es noch viel schlimmer als heute, wenn ein Vater arbeitslos wurde. Die Ehefrauen arbeiteten oftmals noch nicht auswärts. Die Familie war auf dieses eine Einkommen dringend angewiesen. Oft herrschte „dicke, bedrückende Luft“ am Familienesstisch, weil mein Vater trotz seiner Kapazität um seinen Arbeitsstelle bangte. Er wurde zur Karriere gezwungen, wurde x mal intern in eine andere Abteilung versetzt, hatte es aber überall schwer. Er klagte oft, er fühle sich „zwischen Stuhl und Bänken“. Er, der von der „Picke auf“ lernte, was es heisst, als einfacher Mechaniker zu arbeiten, war später gezwungen, unrealistische Vorstellungen und Vorschriften umzusetzen, welche ETH Studenten in den Betrieb hinein brachten. Ein Beispiel der „Plagerei“ (Quälerei) war, dass im Grossraumbüro, in dem er arbeitete, Stumpen und Zigaretten geraucht wurden – obwohl bekannt war, dass mein Vater eine Schwächung auf der Lunge hatte.

Mehrmals meinten wir, wir müssten berufsbedingt umziehen. Wir waren oft wie „auf dem Sprung“. Diese Pläne des Arbeitgebers wurden dann jedes Mal aufgegeben, aber sie prägten unsere Familienathmosphäre. Einmal hat sich gar meine Mutter gewagt zu wehren. Denn wir hätten nach Altdorf umziehen müssen. Bekannt für Föhnwetter. Für meine Mutter, welche ab und zu unter Migräne litt, eine Horrorvorstellung. Und ein anderes Mal – wir hätten nach Bern umziehen wollen – hat sich mein 6. Klass-Primarschullehrer für uns beim Chef meines Vaters persönlich eingesetzt! Wo gäbe es das heute noch??!! Damals kannte man im Bernbiet bereits das Frühfranzösisch in den Schulen. Mir hätte bei einem Umzug 2 Jahre Französisch gefehlt. Mein Lehrer meinte, dass ich unter diesen Umständen die Sekundarschule nicht schaffen würde. Er wäre aber sonst, wenn es soweit gekommen wäre, bereit gewesen, mir kostenlos Privatunterricht in Französisch zu erteilen.

Wir wohnten in einem Hochhaus, das hauptsächlich von Mitarbeitern des Betriebes bewohnt war, in dem mein Vater ebenfalls Angestellter war. Ich glaube, wir waren an die 30 Familien in diesem Haus. Jedesmal, wenn es hiess, „dr Fankhuser“ wird wahrscheinlich auswärts versetzt, gab es solche, welche mit dem internen Umzug in unsere Wohnung liebäugelten. Als der Umzug nach Bern drohte, war es ganz schlimm für mich: mein Zimmer wurde von einer Frau, welche mit ihrer Familie eine nicht so schöne Wohnung im selben Hochhaus bewohnte, vermessen und laut dachte sie vor mir, wie sie das Zimmer für ihre Tochter, welche mit mir befreundet war, einrichten würde. Als es dann nichts wurde mit dem Umzug nach Bern, zettelte diese Familie einen Kleinkrieg an gegen uns und spürte ich am eigenen Leib, was vorher nur mein Vater am Arbeitsplatz erlebte: Ausgrenzung, Isolation. Meinen besten Freundinnen wurde seitens ihrer Eltern verboten, mit mir Kontakt zu haben. Einmal habe ich ein Gespräch der vielen Hochhauskinder im Treppenhaus belauscht. Sie erzählten, meine Mutter sei eine Hexe (sie hatte damals einen Kropf am Hals). Ihre Eltern hätten gewarnt vor uns und gesagt, sie müssten uns meiden. Wir hätten sowieso nicht den richtigen Glauben. (Wir waren in der Hochburg der Katholiken einige der wenigen Reformierten.) Heulend lief ich in die Wohnung und erzählte meiner Mutter schluchzend, was ich gehört hatte. „Du musst deine Feinde lieben und vergeben. Tu ihnen überraschend Gutes, statt dich zu rächen“, war ihre Antwort, welche ich aber überhaupt nicht verstand damals. Fortan hatte keine einzige Freundin mehr, war total einsam, hatte nur noch mein Meerschweinchen und mein Tagebuch. Meinen Eltern erzählte ich nichts mehr von meiner Not. Ich sah, wie sie litten und ich wollte sie nicht noch mehr belasten. Doch wahrscheinlich war diese dunkle Zeit für mich Wegbereiter, damit ich zum lebendigen Glauben an Jesus Christus fand. Ohne diese schwere Zeit, wäre ich wohl nicht offen für das Evangelium gewesen.

Bevor im Gemeinschafts-Büro mit der Arbeit begonnen wurde, lasen laut Berichten meines Vaters alle seine Arbeitskollegen die Zeitung. So nahm er sich die Freiheit, in dieser Zeit in der Bibel zu lesen. Nie länger als die anderen Zeitung lasen. Dennoch wurde ihm auch das jeweils „angekreidet“. Die Tageslosung las er in Englisch und manchmal schrieb er mir ein paar Zeilen (habe den Arbeitsort/Unternehmung wegretuschiert):

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Als er diese zwei Briefe schrieb, war er mitten im Englischstudium und 58 Jahre alt.

Am Tag seiner Pension, schrieb er – auch das habe ich in einem Ordner entdeckt: „Am Abend fragt die Frau: wie war’s? Und du hörst dich selber sagen: es war eigentlich noch ganz schön.“ So war er mein Vater: trotz allem positiv gestimmt, humorvoll und bis zu seinem Lebensende stolz auf seinen Arbeitgeber. Er ging jeweils voll Freude zu den Veranstaltungen der Pensionierten.

Diesen Brief schrieb er, als er längstens pensioniert war. Heute kommt er mir vor wie ein Gruss aus dem Himmel:

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Ich vermisse meinen Vater. 😦

Chorprojekt Ennetbürgen – Konzerte MundArt

Chorprojekt Ennetbürgen – Konzerte MundArt

Den folgenden Artikel habe ich für den Nidwaldner Blitz verfasst. Er erschien am 30. August 17.

„S’Chorprojekt vo Ännetbiirge, tipplet uf em Gotthardpass…“ Der Chor ist nicht wirklich auf einer Gotthardpasswanderung, dafür umso mehr in gesanglicher Art unterwegs. Sie „luegid vo Bärge ond Tal“, schwärmen vom „Louenesee“, besingen das „Heimweh“ und wagen das Jodeln im „Nidwaldner Tanzliedli“.

Beim Chorprojekt Ennetbürgen handelt es sich nicht um einen Chor in fester Zusammensetzung, sondern wie es der Name ausdrückt, finden Singbegeisterte immer wieder neu für ein „Projekt“ zusammen. War das Thema letztes Jahr „It’s Movie Time“ (Filmmusik), so üben seit Ende Januar dieses Jahres rund 80 motivierte Sängerinnen und Sänger „Mund-Art“ Lieder von früheren Zeiten (Artur Beul), bis hin zu Ohrwürmern der neueren Zeit (Patent Ochsner/Büne Huber). Schalklieder, wie Dodo Hugs „Dr Ätti“ oder Mani Matters „Zündhölzli“, wechseln sich ab mit herzlich-sehnsüchtigeren Tönen. Als Beispiel sei das wohl älteste bekannte Volkslied aus dem Jahr 1741 „S’isch äbe n’e Mönsch uf Ärde“ genannt.

In 8-monatiger Probezeit zur Konzertreife

Seit vielen Jahren versteht es Daniela Paganini, mit Humor, Einfühlungsvermögen und Kompetenz, das Beste aus jedem einzelnen Laiensänger und jeder noch so schüchternen Sängerin, heraus zu holen und Freude am vierstimmigen Chorgesang zu wecken. „Alli schnufed, alli schwitzed und de ganzi Chor isch nass!“ ein Auszug des bereits eingangs erwähnten Liedes „Übere Gotthard flüged d’Bräme“ (Artur Beul) in einer Chorversion von Armin Würsch, wurde bei heissen Sommertemperaturen an manchen Probeabenden leibhaftig erlebt. Das Publikum darf auf die vielfältige musikalische Begleitung gespannt sein. Die Ad Hoc Band setzt sich zusammen aus den Brüdern Markus Bircher am Akkordeon und Lukas Bircher am Kontrabass, Sebastian Schwarz an der Gitarre und dem Schlagzeuger Roli Würsch. Freuen Sie sich auf einen Querschnitt durch verschiedene Jahrzehnte der Schweizer Musikszene.

Regula Aeppli-Fankhauser (Chormitglied)

P.S. Die Bild- und Tontechnik liegt in der Verantwortung meines 16 jährigen Sohnes, Tobias Aeppli, aeppli-production

Konzerte:

Samstag, 9. September, 20 Uhr

Sonntag, 10. September, 17 Uhr

Türöffnung eine halbe Stunde vor Konzertbeginn

Konzertkasse 60 Minuten vor Konzertbeginn

Erwachsene CHF 20.00, Jugendliche bis 18 Jahre CHF 10.00

Kein Vorverkauf

Geplant: Romantikweekend zu Zweit – Erlebt: Spezialwochenende in Grossfamilie, 1. bis 3. Sept. 17

Geplant: Romantikweekend zu Zweit – Erlebt: Spezialwochenende in Grossfamilie, 1. bis 3. Sept. 17

Erstens kommt es oft anders und zweitens, als man denkt. 😉 (Redensart) Am Freitag schrieb ich auf FacebookBildschirmfoto 2017-09-04 um 17.40.08.png

Das Geschenk bestand aus einer Wonderbox. Man kann da aus mehreren Angeboten eines auswählen. Unsere Favoriten wären Übernachtungen in einer mongolischen Jurte, einem Baumhaus oder einem Nostalgiewagen gewesen. Für solche Angebote zogen wir ein warmes Sommerwochenende vor. Während des Sommers aber waren diese Angebote an den Wochenenden immer ausgebucht. Unter der Woche, hätte es noch freie Plätze gehabt, doch Andy wollte nicht extra frei nehmen. Also wählten wir eine Schweizer Region, welche wir noch nicht so gut kannten: das Wadtland und buchten, bevor der Gutschein (nach einem Jahr) ablief, ein Romantikweekend.
Ich wollte schon immer gern mal in einem Himmelbett übernachten und so wählten wir dieses Angebot aus. Es handelte sich bei diesem Übernachtungsplatz nicht um ein Hotel, sondern um ein Bed and Breakast.
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„Lustig“ war, dass wir sofort Part der dortigen Grossfamilie waren. Ich meine, wir haben weltweit schon verschiedene B&B’s erlebt. Meistens ist man als Gast in einem separaten Trakt, hat ein eigenes Bad/WC und einen eigenen Frühstücksraum, so wie in einem Hotel. Es gab einzelne Fälle, da waren wir auch am selben Frühstückstisch, wie die Gastgeber, aber nie zusammen mit ihnen, sondern immer zu einer eigenen Zeit. Und das Bad/WC haben unsere älteste Tochter und ich, an einem Mutter-Tochter-Weekend im Tessin, ein einziges Mal mit der Gastgeberin des B&B geteilt. Sonst ist das nicht üblich. Ok, ich habe mich im Internet im Nachhinein schlau gemacht und erfahren, dass die Vorschriften, ein B&B zu führen, von Kanton zu Kanton in der Schweiz unterschiedlich sind. Wie halt so vieles in der Schweiz. 😉  Nun – jedenfalls: die Familie hat 7 Kinder!! Also sie zählt 9 Mitglieder, dazu kamen noch andere Gäste, welche wir aber nie sahen. Und wir alle benutzten dasselbe Bad/WC. Es gab zwar für die Familie noch ein anderes, auf einer anderen Etage. Trotzdem – es war hie und da besetzt, wenn wir es aufsuchen wollten. Auch von der Katze wurde es benutzt, wie uns unsere Riechorgane bestätigten.
Das Zimmer sah schon so aus wie auf der Ausschreibung. Aber das Bett war höchstens 1 Meter 20 breit. Ich glaube, im Camper unserer USA Reise, hatten wir sogar mehr Platz…. Auf dem Nachttisch lagen Bibeln, in und auf der Kommode waren christliche Traktate zu finden, in der Wohnung überall irgendwas mit „Jesus“.
Es war unübersehbar: die Familie sind überzeugte Christen. Sind wir ja auch. Nur vielleicht optisch nicht grad so offensichtlich. Wir erfuhren, dass sie zur Brüdergemeinde gehören. Da Andy und ich seit über 30 Jahren in freikirchlichen Kreisen aktiv sind, war uns das ein Begriff. Wir glauben ja an denselben Gott, aber die einzelnen Freikirchen unterscheiden sich schon untereinander. So sind die Brüdergemeinden im Vergleich mit anderen Freikirchen eher konservativ, die Frauen haben, wie es der Name vermuten lässt, in den Gottesdiensten nicht viel zu sagen, sollten Kleider nicht Hosen tragen, keinen Schmuck. Gesungen wird ohne Instrumente – um ein paar Äusserlichkeiten zu erwähnen.
Dennoch war es schön zu spüren, dass wir innerlich auf eine Art „verbunden“ waren durch den gemeinsamen Glauben. Das ist sowieso immer wieder – weltweit – ein schönes Phänomen. Unterschiede spielen nicht so eine grosse Rolle… Vor den Mahlzeiten beteten wir zusammen…. Auf den Sonntagsgottesdienst, der im selben Haus stattfand, luden sie uns ein. Wir verzichteten dankend, da wir vermuteten, es könnte eher langweilig werden, wenn alles auf Französisch sein würde und konservative Lieder gesungen würden. Zudem hatte ich kein Kleid eingepackt. Sie hätten es mir als Gast bestimmt tolerant durchgehen lassen, aber wenn man sich nicht an kulturelle Gepflogenheiten hält, fällt man dennoch unbequem auf.
Ja eben – im Grunde genommen war eine Auszeit geplant, fernab der Familie. Einfach mal unter uns sein. Haha – und dann wird einem ein sabberndes, aber glückselig glucksendes Baby in die Arme gedrückt und man sitzt staunend inmitten einer sehr aktiven, lauten Gesellschaft. 😂 Aber die Familie war sehr, sehr herzlich. Zum Angebot gehörte ein Racletteessen und die Familie verwöhnte uns dabei mit allerlei Extrabeilagen und wir konnten anschliessend aus mehreren Desserts eines auswählen. Wir plauderten zusammen und dann geschah ein „Wunder“: ich konnte fast fliessend Französisch sprechen. Das war mir in Frankreich und im Schweizer Jura bisher nie möglich, weil ich immer offensichtlich ausgelacht wurde aufgrund meiner mangelhaften Französischkenntnissen. Ich konnte schon mal fliessend französisch sprechen als Jugendliche, aber ich vergass es, weil ich es lange Zeit nicht mehr praktizierte. Bei dieser Familie erinnerte ich mich verschütteter Wörter und Formulierungen. Einfach, weil sie mir Zeit liessen, Sätze liebevoll ergänzten oder auf Deutsch nachhalfen. Ihr Deutsch war auch mangelhaft, also mussten wir uns ja voneinander nicht schämen. 😉 Das habe ich „so“ wirklich noch nie erlebt und staunte über mich selber. Wir empfehlen dieses B&B, aber es wäre gut zu wissen, dass man sich inmitten einer Grossfamilie befindet, wenn man dort übernachtet und auch, dass es eine Katze gibt (für Allergiker). Dies alles liest man auf der Ausschreibung nicht und deshalb kommuniziere ich es hier – für allfällig Interessierte. Die anderen Gäste haben die untere Küche benutzt und wir sahen sie nie. Das wäre also auch möglich, wenn man dem Familienbetrieb ausweichen möchte. Wie gesagt: die Familienmitglieder sind überzeugte, aber nicht aufdringliche Christen. Zum Abschied schenkte mir das Familienoberhaupt eine CD mit christlicher Rockmusik! Ich weiss nicht, ob sie die selber nie hören würden – aber irgendwie schien es mir doch von ❤ en zu kommen, dieses Geschenk.
Am Samstag besuchten wir Aigle mit dem Schloss und gingen ins Thermalbad Bains-Lavey. Ein sehr schönes Bad. Am Sonntag besichtigten wir zuerst Rougement und die uralte Kirche (im Jahre 1080 erbaut!),
Rossinière und Château-d’Oex. Anschliessend fuhren wir nach Gstaad, das ganz in der Nähe liegt, nahmen die Gondelbahn nach Wispelen und wanderten in 3 Stunden zum Lauenensee. (Übrigens: lustige Idee) Ich musste doch sehen, was wir in einer Woche als Chor besingen werden. 😜 Bildschirmfoto 2017-08-07 um 10.29.22
Ja, so war das ein ereignisvolles Weekend und nun geniesse ich die Ruhe. 😂 haha.
„Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“ Kurt Tucholsky

„Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“ Kurt Tucholsky

Die Mitmenschen meinen es gut mit uns. Seit Andy, mein Mann die Diagnose CLL erhalten hat und in der Chemotherapie ist, drücken sie es auf vielfältige Weise aus – dieses „gut gemeint“. Aber gut gemeint, ist nicht immer sehr hilfreich. Manchmal sogar – im Gegenteil…. Ich habe im Februar, also vor einem halben Jahr schon mal was darüber geschrieben und mittlerweile noch mehr Erfahrungen gesammelt. Vielleicht helfen diese Zeilen jemanden von euch, wenn er sich fragt: wie kann ich meinem Mitmenschen in seiner schwierigen Zeit helfen?

Mir hilft es nach wie vor nicht, wenn Mitmenschen von ihren Krebserfahrungen und Todesfällen in ihren Familien erzählen.

Warum sollte es mich ermutigen? Wahrscheinlich ist der Sinn dahinter, Empathie zu zeigen. Man will ausdrücken, dass man die Problematik durchaus kennt. Aber auch wenn ein Mensch schon mehrere schwierige Situationen in seinem Leben gemeistert hat – nichts ist vergleichbar mit unserer herausfordernden Zeit. Denn wir sind wir. Ganz individuell. Mit unseren Vorgeschichten, mit unseren eigenen leidvollen Erfahrungen (auch wir haben Todesfälle aufgrund von Krebserkrankungen in unseren Familien und im Freundeskreis erlebt) und mit unseren Resourcen. Nichts lässt sich mit dem vergleichen, was wir erleben und niemand kann uns schlussendlich unser Schicksal abnehmen, ausser Gott. Jedenfalls wird es uns nicht leichter gemacht, indem man uns von anderen Schicksalsschlägen erzählt. Vor allem nicht, von solchen, welche im Tod endeten.

Gesundheitstipps helfen auch nicht weiter

Danke, wir haben selber eine gute Internetsuchmaschine, viele Bibliotheken in der Umgebung, beratende Ärzte und könnten bei Bedarf fragen. Wir haben viele Bücher gewälzt und wissen bestens Bescheid, welche Nahrungsmittel und auch Medikamente in der Krebstherapie helfen. Jeder Mensch hat seine Spezialmitteli und absolut unfehlbaren Heilerfahrungen, welche er halt gern weitergeben möchte. Verständlich. Und „gut gemeint“. Nur – zuviel ist zuviel. Wir sind gar nicht fähig, alles auszuprobieren – können uns aber wie gesagt, selber informieren und hin- und her abwägen. Ungefragte Tipps sind wie kalte Waschlappen links und rechts um die Ohren geklatscht. Auch wenn es furchtbar hart klingen mag: es ist schwer genug – wir brauchen keine ungebetenen Ratschläge.

Horrorszenarien helfen auch nicht

Kaum zu glauben, gell? Aber es hilft mir tatsächlich nicht, wenn mir Leute sagen (heute grad zweimal, von verschiedenen Menschen erlebt und deshalb dieser Blogbeitrag): „bist du dir sicher, dass dein Mann „nur“ eine Sommergrippe hat? Vielleicht verschweigen die Ärzte euch was und sie lassen ihn zum Sterben nach Hause kommen? Oder dein Mann verschweigt dir, was die Ärzte gesagt haben?“ :-O

Schweigen und ignorieren, Kontakt abbrechen hilft auch nicht

Es gibt Menschen, mit denen ich vor der Krebsdiagnose meines Mannes befreundet war und welche sich aus eigener Betroffenheit nicht mehr bei uns melden. Ihnen geht die Krankheit zu nah, sie fühlen sich überfordert, so lautet die Erklärung. Andere besuchen ihn deswegen nicht im Spital, haben aber sonst noch Kontakt zu uns. Bei allem Verständnis für das „triggern“ – mir hilft es nicht, wenn liebe Mitmenschen mich ignorieren, meiden, als ob wir die Pest hätten. Es wäre schön, wenn sich der eine oder andere Mitmensch uns zuliebe überwinden könnte, wieder etwas mit zu fühlen. Das Leben teilt jedem ab und zu hart aus. Soll nun jeder deswegen nur noch für sich selber schauen? Auch Menschen, welche selber Schweres durch Krebserkrankungen erlebt haben, können ihren Mitmenschen durch Kleinigkeiten gut tun.

Was mir persönlich hilft sind

Gebetsunterstützungen, ein einfaches Nachfragen, wie es gehe – und zwar ist es schön, wenn dabei auch ich gefragt werde, wie es mir gehe mit der ganzen Situation – ein Zuhören, Verständnis signalisieren, Nacken-Massagen, praktische Angebote fürs Staubsaugen, Wäsche machen, Fahrdienste zum Spital und hoffentlich auch immer wieder nach Hause, Postkarten mit einem einfachen „Ich denke an euch“, Links zu Lobpreisliedern… Einmal hat eine Nachbarin einen selbstgebackenen Butterzopf in den Briefkasten gelegt. DAS ist Liebe und Unterstützung pur!

 

 

 

 

Aareschlucht

Als Kind und Jugendliche war ich in Klassen- und Ferienlagern ein paarmal in der Aareschlucht und auch unseren Kindern haben wir sie ein mehr als einmal „gezeigt“. Sie ist immer wieder einen Besuch wert. Meine Töchter fragten mich letzten Sonntag (20.8.17) spontan , ob wir sie wieder mal aufsuchen könnten.

Die Brünigbahn brachte uns nach Meiringen und die Meiringen-Innertkirchen Bahn (MIB) zum Eingang West der Aareschlucht. Langsam schlenderten wir durch die Tunnels und Stege der imposanten Schlucht. Fotohalte inklusive, benötigten wir für die Strecke bis zum Ausgang Ost ungefähr 45 Minuten. Die faszinierendsten Stellen befinden sich schon bald nach dem Eingang West, weil die Schlucht dort enorm schmal ist.

Die Wege sind gut begehbar, aber geschlossenes Schuhwerk und eine Jacke ist empfehlenswert, weil es erstens etwas kühl ist in der Schlucht, aber auch, weil es doch öfters von Felsen tropft. Kinder können auf dem Weg nach versteckten Drachen, bzw. Tatzelwürmern Ausschau halten.

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Zum Eingang der MIB Bahn führt uns ein Wanderweg ab dem Eingang Aareschlucht Ost, zwei Gehminuten den Wald hinunter, dann über eine Hängebrücke und zur Tunnelhaltestelle, welche ein ganz besonderer Ort zum Warten ist, denn wir befinden uns dort inmitten einer natürlichen Gletschermühle.

Wir drücken einen Knopf „Halt auf Verlangen“ und warten vor dem Tunneltor – und wirklich „Sesam öffne dich“ – die Türe öffnet sich bei Zugeinfahrt und wir begeben uns auf die Heimfahrt.

Warum für uns die 4-Seen-Wanderung eine 8-Seen-Wanderung ist.

Warum für uns die 4-Seen-Wanderung eine 8-Seen-Wanderung ist.

Unsere mittlere Tochter, mein Mann Andy und ich, entschliessen uns, an Maria Himmelfahrt, Feiertag in Nidwalden, die 4-Seen-Wanderung unter die Füsse zu nehmen. Sie ist für uns aber eine 8-Seen-Wanderung.

  1. See – Vierwaldstättersee
    Wir starten am Ufer unseres schönen Vierwaldstättersees. Das heisst, zuhause ab der Postautostation Beckenried Hungacher unsere Tour und fahren per Poschi nach Stans. Dort lösen wir ein spezielles RailAwayangebot mit 20 Prozent. Wir können uns entscheiden, ob wir im Preis inbegriffen, die Sesselbahn auf den Jochpass oder die Sesselbahn vom Jochpass zum Engstlensee hinunter benutzen möchten und . wählen die Bergfahrt auf den Jochpass. Die Zentralbahn führt uns zusammen mit vielen Indern nach Engelberg. Seitdem die Bahn durch den Tunnel fährt und nicht mehr ein Zahnrad einhängen muss, sind wir noch nie mit der Bahn nach Engelberg gefahren. Schade für das tolle Erlebnis mit dem Einhängen des Zahnrads, dem steilen Zugwaggon, in dem man einen Rucksack von „oben nach unten“ rollen lassen konnte und um die schöne Aussicht – welches jetzt nur noch Erinnerung ist. Doch die Touristen wollen halt immer schneller von A nach B kommen, das Unterwegssein als Erlebnis, ist nicht mehr so wichtig. Am Bahnhof in Engelberg müssen wir das RailAwayticket umwechseln in Tickets für die Gondelfahrt nach Trübsee. Auch hier bei der Talstation der Bergbahnen merken wir, dass wir schon lange nicht mehr hier zu Gast waren, obwohl wir ja keinen langen Anfahrtsweg haben. Die Station wurde in den letzten Jahren stark modernisiert. Beim Verlassen der Talstation, mit einem Blick zurück, staunen wir über die grosse Anzahl an parkierten Cars. Diese Massen an Menschen sind alle da oben? Wow!
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    Und noch etwas sehen wir im Blick nach unten:
  2. See – Eugenisee
    Der Eugenisee liegt mitten in Engelberg. Aber klar – die Wanderung hat ja noch nicht wirklich begonnen und so ist es für uns klar, dass dieser kleine, härzige See nicht zur 4-Seen-Wanderung hinzugezählt wird.
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  3. See – Trübsee
    Wir verlassen die Gondeln auf Trübsee und bewundern diesen See, wie wenn wir ihn das erste Mal in unserem Leben sehen würden. Er ist einfach jedes Mal eine Augenweide. So malerisch gelegen. Eine Postkartenidylle. Wir folgen dem See bis zur Talstation der Sesselbahn auf den Jochpass . Ein paar kurze Gehminuten, um uns einzuwärmen. 😉
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    Während der Sesselbahnfahrt beobachten wir die Bauarbeiten zu einer neuen Mountainbikeroute.

    Als wir die Sesselbahn verlassen, fragen wir uns, warum das Jochseeli nicht offiziell zur 4-Seen-Wanderung gezählt wird.

  4. See – Jochseeli
    Ein kleines, härziges Seeli. Wir sehen Kinder, welche dort Rutschbahn fahren können.
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    Unser Weg führt uns nun bergab und schon von weitem sehen wir ihn: den
  5. See – Engstlensee
    Der Weg ist teilweise etwas steil, aber gut begehbar und man erreicht den Engstlensee in kurzer Zeit.

    Wir picknicken an seinem Ufer, entdecken ein Murmeltier, freuen uns über den Besuch eines Bläulings
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    und staunen nicht schlecht, weil wir zufällig die Eltern meines Gottenkindes treffen. Schade, fährt ein Auto mit ausländischem Kennzeichen, dessen Fahrerin wohl unsere Signalisationen nicht kennt, dem See entlang. Jeder Wanderer wundert sich – nur die Fahrerin und deren Insassen nicht. Der Parkplatz wäre nicht so weit entfernt. Übrigens befindet sich dort auch eine Postautohaltestelle. Es gäbe die Möglichkeit, hier mit dem Postauto nach Innertkirchen zu fahren. Die Häuser der Engstlenalp sind sehr malerisch.

     

    Nun steigt der Weg etwas an und wird kurz eine klitzekleine Herausforderung für mich, denn auf einer Seite ist er ein bisschen abschüssig. Aber ihr merkt es: klitzeklein und ein bisschen…. Er ist immer mindestens 40 Zentimeter, ja teilweise bis über einen Meter breit und so ist er auch für mich ganz gut zu bewältigen.

     

    Im Restaurant der Tannalp gönnen wir uns etwas zu Trinken und einen feinen Meringue-Glacételler! Zu dritt schaffen wir diese grosse Portion. 😉

  6. See – Tannensee

    In etwa 20 Minuten Wanderzeit erreichen wir den Damm des Tannensees und besteigen dort für 3 Stationen den gut besetzten Fruttli-Zug. (Tannendamm bis Distelboden – 3 Stationen Fr. 6.–/Person. Die ganze Strecke wäre Fr. 10.–)
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    Doch wir möchten nicht die gesamte Strecke fahren, sondern auch den letzten See zu Fuss erreichen: den

  7. See – Melchsee
    Auch hier staunen wir über die Neubauten und merken, wie lange wir nicht mehr da waren, an diesem uns im Grunde genommen, gut bekannten Ort. Wir fragen uns, ob man etwas bezahlen muss für die Liftfahrt beim imposanten Gebäude. Nein, sie ist gratis. Der Blick oben über den Melchsee ist wunderschön.

    Die Gondelbahn bringt uns hinunter auf die Stöckalp. Auch diese runde Gondelbahn war für uns neu – wir kannten nur die alten Gondelis. Sie sind zwar rund, drehen aber entgegen unserer Erwartungen nicht, während der Fahrt. Per Postauto fahren wir nach Kerns und erblicken auf der Fahrt einen weiteren See.
  8. See – Sarnersee
    In Kerns wollen wir umsteigen auf ein weiteres Postauto, das uns über Ennetmoos nach Stans bringen soll. Aber wir haben den Fahrplan falsch studiert, denn dieser Kurs fährt am Feiertag vom 15.8. leider nicht. So müssen wir eine halbe Stunde aufs weitere Poschi warten, das uns an den Sarner Bahnhof fährt und dort einen Aufpreis bezahlen, um via Hergiswil nach Stans mit der Zentralbahn zu fahren. Im Zug bestaunen wir den schönen Alpnachersee, der ja aber ein Teil des Vierwaldstättersees ist. 😉 Das Postauto in Stans bringt uns wieder nach Hause und beendet unsere tolle Rundtour.Die reine Wanderzeit, ohne Abkürzungen mit Bahnen würde 6.5 Stunden betragen. Wir selber wanderten so wie beschrieben etwa 2 Std. 45 Minuten. Wenn man die Sesselbahn zum Engstlensee und die gesamte Strecke des Fruttli Zugs benutzen würde, würde die Wanderzeit vielleicht noch etwa 1 Std. 45 Minuten betragen. Statt mit der Gondelbahn nach Stöckalp, könnte man auch Trottinette mieten. Dies haben wir ein anderes Mal ausprobiert, aber ich fand damals, dass die Strecke per Trotti nicht ganz ungefährlich sei, aufgrund von Kieselsteinen auf dem Asphalt…..
Auf der ungewohnt anderen Seite des Schächentals

Auf der ungewohnt anderen Seite des Schächentals

Seit Jahren gehört es zum Herbst, dass wir eine Wanderung auf dem Schächentaler Höhenweg (Kanton Uri) unternehmen und diese wunderschöne Baumgruppe in Urigen jedes Jahr fotografieren. Sie fasziniert einfach immer wieder aufs Neue und das findet dann auch unsere Nidwaldner Zeitung, welche das Leserbild gern Jahr für Jahr abdruckt. 😉

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Wir haben diese Talseite schon auf diversen Abschnitten bewandert und Bahnfahrten in kleinen und einmal sogar einer offenen Kabine gewagt. Auch im Winter ist die Begehung dieses sonnigen Hangs mit Schneeschuhen ein empfehlenswerter Tipp. Denn die Winterlandschaft ist fernab jeglichen Massentourismus herrlich ruhig. Und immer haben wir auf die gegenüberliegende Talseite geguckt. Sie lag jeweils im Schatten und wirkte rauh, gar „gfürchig“ (furchteinflössend). Ob man „da drüben“ auch wandern kann?

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Früheres Bild von einer Herbstwanderung. Blick auf die gegenüberliegende, dunkle Talseite. 😉

Gestern wagten wir es. Denn die Talseite wirkt ja im Herbst/Winter dunkel. Im Sommer ist sie bestimmt auch sonnenbeschienen, nahmen wir an und das sollte sich als richtige Annahme heraus stellen.

Weil die Parkplatzmöglichkeiten in Flüelen manchmal etwas schwierig sind, parkieren wir als Ausgangspunkt unserer Wanderungen meistens beim Parkplatz der Ruogigbahn, Brügg (Bürglen). Dort stiegen wir auch dieses Mal wieder ins Postauto, das uns bis zum Hotel Balm kutschierte. Hier pausierte es fahrplanmässig eine Stunde und deshalb nahmen wir den etwa 30 minüten Aufstieg zum Klausenpass (1948 Meter über Meer) zu Fuss in Angriff. Da ich stark erkältet bin, musste ich unterwegs einmal inhalieren. Dieser Weg ist leider nicht sehr interessant, folgt unterhalb der Haupstrasse mehr oder weniger auf einem ausgetretenen Kuhpfad. Auf der Klausenpasshöhe fand gerade ein Käsemarkt statt. Wir deckten uns mit Fleisch, Käse und Yoghurt ein und begannen die eigentliche Wanderung auf dem „naturkundlichen Höhenweg Schächental“ auf der anderen, für uns ungewohnten Talseite. Bis zur Chammlialp führte uns der Weg auf einem bequemen, breiten leicht ansteigenden Wanderweg bergaufwärts.

Die Wanderroute ist abwechslungsreich, führt sie doch an vielen Alpen vorbei, an Felswänden, buschigem Gebiet, kleinen Seen, Bächen, Brücken.

Immer wieder lockt die tolle Fernsicht, einen Fotohalt einzulegen. Dieses Mal auf die uns bekannte Seite des Schächentaler Höhenwegs und in die Tiefe. Wir staunen über die Häuser, welche auf der gesamten Hanglänge verstreut liegen, wie wenn sie von der Hand eines Riesen hingeworfen worden wären.

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Während unseres Zvierihalts, bei dem wir den währschaften Käse und die anderen feinen Sachen, welche wir auf der Klausenpasshöhre gekauft hatten, genossen, hörten wir Murmeltierpfiffe und meinten, sie auch gesehen zu haben (sind uns aber nicht ganz sicher). Nebst Kühen begegneten uns auch zwei Esel.

Ab Chammlialp gings dann stetig bergab und geradeaus bis Wannelen.

Auf diesem Link steht, die Tour sei leicht. Geübte Tourenführer, welche solche Schwierigkeitsgrade angeben, haben es aber wohl nie mit Menschen wie mir zu tun, denen es ab und zu schwindlig wird, wenn sie auf einem Weg laufen, der entweder auf der einen oder gar auf beiden Seiten steil abfällt. Wir wandern viel, meiden aber aus Rücksicht auf mich, Gratwanderungen oder sehr schmale Wanderwege, sprich solche, welche weniger als zwei Fuss breit sind und ungesichert auf einer Seite steil abfallen. Diese Tour hier schaffte ich ohne Angstattacken. Aber sie war an ein, zwei Stellen grenzwertig. Also ich persönlich bezeichne sie deshalb nicht als „leicht“, sondern als „mittelschwer“. Nur aus dem einen Grund, weil sie ein paar wenige Stellen enthält, auf denen der Weg etwas ausgesetzt ist. Auf der Webseite besagtem Links steht, man benötige 3 Std. für die Tour. Wir liefen zügig, hatten aber zusammen mit dem Aufstieg zur Klausenpasshöhe insgesamt 3.5 Std.

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In Wannelen führte uns eine Bahn (ohne Stützmasten – spektakulär) nach Ribi und das Postauto an unseren Ausgangspunkt Brügg/Bürglen zurück.

Bestimmt ist dies auch für Kinder eine tolle Wanderung. Dort wo der Weg schmaler und steiler wird, würde ich sie ermahnen, nicht zu rennen – oder sie gar an die Hand nehmen. Aber ansonsten ist sie mit gutem Schuhwerk auch für Familien geeignet. Viel Wanderspass!