Welche Bergpredigt und Seligpreisungen brauchen wir für die Zukunft?

Die Gesellschaft nimmt das Thema Glaube/Christen heute nur dann wahr, wenn es um den Tod geht oder wenn die Christen gegen etwas sind. Gegen Homosexualität, gegen den Islam, gegen Sex vor der Ehe. Dr. Andreas Walker ist Zukunftsforscher. Er berät Politiker und Wirtschaftsleute zu Fragen zukünftiger Chancen und Risiken. Im Rahmen des Community Weekend der Vineyard, am 8. April 17, warf er Fragen auf wie: „Können christliche Kirchen ihr „Kerngeschäft“ noch erklären in einer Sprache und mit Bildern, welche heute verstanden werden? Was ist christliche Hoffnung?“

Unter der Leitung von Dr. Andreas Walker und Dr. Andreas Krafft hat Swissfuture in Zusammenarbeit mit 20minuten und BILD dieses Jahr zum achten Mal eine Umfrage lanciert. Mit den Ergebnissen wurde das „Hoffnungsbarometer 2017“ erstellt – als hoffnungsvolle Antwort auf die seit über 40 Jahren publizierten «Sorgenbarometer» und «Angstbarometer». Die Fragen gingen in diese Richtung: „Was erwarten Sie vom kommenden Jahr? – Was wünschen Sie sich? Ihre grossen Hoffnungen 2017? Aktivitäten zur Erfüllung dieser Hoffnungen?“ Auf der Rangliste der Hoffnungen ganz zuoberst stehen bei Herr und Frau Schweizer die persönliche Gesundheit, gefolgt von der Hoffnung auf eine glückliche Ehe, Familie, Partnerschaft. Ganz zuunterst auf der Liste rangiert die Hoffnung darauf, religiöse und spirituelle Erfahrungen zu machen.

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Um sich Hoffnungen zu erfüllen, denken die Schweizer gern nach, analysieren Zusammenhänge, übernehmen Selbstverantwortung, sprechen mit Freunden darüber. Nur eine verschwindend kleine Minderheit der Schweizer, besucht eine Kirche, einen Tempel oder Kraftort, um Hoffnung zu schöpfen.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.32.jpegAuch als Hoffnungsträger besetzen Pfarrer/Pfarrerinnen, Priester, Geistliche, Mönche oder Nonnen den Schlussrang, noch hinter den Bankern, Finanz- und Versicherungsfachleuten. Als erste Hoffnungsträger werden Ehepartner oder Lebenspartner genannt. Als zweites setzen die Schweizer ihre Hoffnung auf sich selber.

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Die Umfrageergebnisse lassen den Schluss zu, dass die schweizerische Gesellschaft von uns Christen nichts erwartet. Man setzt keine Hoffnungen auf uns und das Thema Glaube interessiert nicht. Haben wir unseren Mitmenschen, der Schweizer Gesellschaft wirklich nichts zu geben als Christen?

Dr. Andreas Walker hat zusammen mit anderen Zukunftsforschern aus Wirtschaft und Politik festgestellt, dass folgende 4 Schwerpunkte uns in der nahen Zukunft herausfordern werden:

  • Angst/Hoffnung

Der Mensch hat noch nie so lange gelebt, wir haben noch nie soviel Geld gehabt wie heute, aber auch noch nie soviel Angst. Arbeitslosigkeit, Gewalt, Fake News, Attentate, IS, Rechtspopulismus, Angst davor, ob das AHV Geld für die eigene Rente reichen wird, flössen den Schweizern Angst ein. Die Welt verändert sich, aber der Durchschnittschweizer will um jeden Preis die Gegenwart festhalten und nichts verändern.

Dabei haben wir Christen eine Botschaft der Hoffnung. Die Bibel sagt in Johannes 16,33: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Wir müssen nichts bekämpfen, nicht jammernd gegen etwas sein, hingegen vielmehr überwinden. Als Christen sind wir herausgefordert, unseren Mitmenschen zuzuhören, zu erfahren, was ihre Ängste sind und tragen zu helfen. Die christliche Botschaft, welche wir den Menschen zu geben haben, lautet: „Du musst nicht alleine sein!“

Die Bibel sagt: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe“ 1. Korinther 13, 13 Christen haben in der Vergangenheit laut Aussage von Dr. Walker zu lange und zu rechthaberisch und aggressiv über theologische Unterschiede gestritten. Darüber, was „richtiger“ Glaube ist, wurde zu Genüge diskutiert. Das Thema Glaube ist wie das dritte Standbein eines Dreihöckers. Weil wir uns zu lange auf dieses Thema konzentrierten, sind wir Christen aus der Balance geraten.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.37.jpegDeshalb sollten wir uns in Zukunft stärker auf die Hoffnung und die Liebe konzentrieren, um die Balance wieder herzustellen. Die Hoffnung sagt, wir bleiben dran, wir stehen auf und gehen weiter. Geduld und Langmut sind Geschwister der Hoffnung. „Glaube an das Morgen, auch wenn das Heute dich überfordert“, sagt Walker. Dies ist die christliche Botschaft an unsere angstgeplagte Schweizer Mitbevölkerung.

  • Langlebigkeit

Zwischen 1880 bis heute hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen verdoppelt.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.41.jpegIm Jahr 2030 werden ein Drittel der Schweizer Bevölkerung 60 Jahre und älter sein. Sah ein Leben früher so aus, dass man 15 Jahre lang ein Kind war, dann bis 65 arbeitete und etwa 70 Lebensjahre zu erwarten hatte, sieht ein Lebenszyklus heute so aus: 30 Jahre bis der Mensch mit dem Studium fertig und bereit zur Elternschaft ist, 30 Jahre Berufs- und Familienleben und 30 Jahre lang ein fittes Alter geniessen. Dr. Walker meint, wir sollten für die Zukunft mehr Senioren- statt Jugendpastoren ausbilden, denn die Fragen, Sorgen, Bedürfnisse aber auch Möglichkeiten dieser Gesellschaftsmehrheit werde uns als Christen herausfordern.

  • Globale Migration

Dieses Thema fordert uns Christen heraus, Versöhnung zu leben. Trennendes soll überwunden werden. Es wird eine Globalisierung des Christentums geben, eine Herausbildung eines grenzsprengenden, überkonfessionell christlichen Milieus. Die Christengemeinschaft wird neu herausfinden müssen, was „christlich“ ist, ohne sich ausschliesslich in der „Dagegen-Form“ zu definieren. (Gegen den Koran, gegen…)

  • Digitalisierung

Die Digitalisierung ist sowohl Chance wie Auftrag für uns Christen. Die Frage: „Ist ein Roboter der bessere Mensch?“, stellt Christen vor eine Herausforderung. Was macht den Menschen zum Menschen, im Gegensatz zum Roboter? Was ist der Sinn des Lebens? Wer kennt und versteht mich? Was ist ein Gott? Was ist ein Herz – ich habe doch für alles meinen Computer? Was macht meine Identität aus? Warum sollte ich Gott brauchen, wenn doch der Computer alles für mich erledigen kann, wenn die „künstliche Intelligenz“ alles weiss – bis hin zur perfekten Partnerwahl?

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Die Abschlussfrage Walkers: „Wie schafft ihr „christliche Kompetenzen“ für gesellschaftsrelevante Zukunftsfragen?“ ist nicht so auf die Schnelle zu beantworten, sondern wird eine Knacknuss für die Zukunft sein.WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.46.jpeg

Wo ist Gott auf meiner Lebensreise?

Wo ist Gott auf meiner Lebensreise?

Gestern, 22. März, als ich die Nachricht hörte, dass im Bahnhof Luzern ein Zug entgleiste, wusste ich noch nicht, dass sich mein Bruder im umgekippten Waggon befand. Er ist Zugchef, seit 47 Jahren für die SBB tätig und wird Ende Monat pensioniert. Gott-sei-Dank gab es „nur“ 7 Leichtverletzte und mein Bruder kam mit einer leichten Ellbogenprellung davon. Er sagte mir, die Passagiere seien ruhig geblieben, hätten einfach eine Stunde lang in dieser unbequemen Schräglage ausharren müssen. Auf meine Frage, ob der Wagen nicht in Gefahr gewesen sei, ganz zu kippen, schickte er mir dieses Bild:

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Standbild eines Videos, Quelle Tamedia/SDA

Und er erklärte mir, was auf dem Bild gut ersichtlich ist, – nämlich, dass das vollständige Kippen verhindert worden sei, weil ein Fahrleitungsmasten genau am richtigen Ort stand und die Zugkomposition hielt.

Mir war es, wie wenn Gott durch dieses Bild zu mir reden würde. Da sitze ich in einer schwierigen Situation und klage Gott:“Wie schräg ist das denn!? Gott, du weisst doch, dass ich den Anschlusszug nun verpasse. Zudem habe ich mir eine Beule am Kopf zugezogen – siehst du – hier? Aua. Wie lange muss ich nun hier so unbequem ausharren? Mühsam, das Ganze.“ (Ist jetzt eine Metapher – ich sass nicht im Zug.) Ich sehe nicht das grosse Ganze dabei. Im Gegensatz zu Gott, der den Überblick hat. Er hält seine Hand so, dass der Wagen nicht ganz kippt. Er bewahrte alle Passagiere vor grösseren Verletzungen oder gar dem Tod. Zudem hat Gott dafür gesorgt, dass der Zugchef und ein weiterer Reisezugbegleiter sich auch grad im umgekippten Waggon befanden. Zufall? Sie hielten für die Passagiere die Verbindung zur Aussenwelt und zur SBB Konzernleitung. „Es wird alles getan für unsere Rettung. Es besteht keine Gefahr für uns.“ Wie gut, dass wir den Heiligen Geist in uns haben. Auf unserer Lebensreise ist er ein treuer Begleiter. Er teilt mir genau dieselbe Botschaft mit: „Gott ist mit dir in deiner schwierigen Situation. Ich weiss, wie unbequem sie ist und wiesehr deine Verletzung schmerzt. Hilfe naht. Du siehst es nicht, aber rundherum wird alles getan für deine Rettung. Es kommt gut. Sei getrost und ruhig.“

Wenn einem ein Unglück im Leben trifft, kann man sich schon fragen, warum Gott das zugelassen hat. Nur bringt einem diese Frage selten weiter. Hingegen die Frage: „Gott wo bist du in dieser Situation?“ schon eher. Sie kann einem die Augen öffnen, Trost, Halt und Zuversicht schenken.

Dies wünsche ich uns allen auf unserer Lebensreise.

Blogparade Dankbarkeit

Blogparade Dankbarkeit

Via Twitter wurde ich auf auf eine Blogparade zum Thema Dankbarkeit aufmerksam.

Ich bezeichne mich selber als dankbare Frau. Ich muss mich dazu nicht extra bemühen, sondern es ist seit langem mein Lebensstil. Und selbst in der schwierigen Zeit, in der wir aktuell stehen, gibt es viel Grund zur Dankbarkeit.

Ich bin Gott dankbar dafür, dass:

  • ich IHN (Gott) mit 18 Jahren kennenlernen durfte und seitdem ganz bewusst als sein Kind auf dem Lebensweg unterwegs sein darf. Er ist mein bester Freund, hält, trägt, tröstet, stärkt, ermutigt, fördert, berät und kennt mich.
  • mein Mann und ich in diesem Jahr unseren 30. Hochzeitstag feiern dürfen. Er ist mein Lieblingsmensch und ich hoffe, dass wir uns noch lange geniessen können.
  • Andy und ich drei gesunde, zwäge Kinder haben, welche alle einen guten Weg gehen.
  • wir so schön wohnen. Wir haben See- und Bergsicht, wohnen in einem ruhigen Quartier und pflegen gute und teilweise freundschaftliche Kontakte zu unseren Nachbarn. Im Sommer sind wir in 5 Gehminuten am See und können jeden Tag ein paarmal schwimmen. Im Winter erreichen wir die Talstation zum Hausberg der Klewenalp, wo man toll Wintersport ausüben kann, innert 10 Gehminuten.
  • unser Kater Minouch seit 5 Jahren zu unserer Familie gehört. Er entlockt uns hie und da ein herzliches Lachen oder ein „jöööö“.
  • wir so gute Jobs haben, welche wir gerne ausüben. Seit August 16 habe ich eine zweite Stelle als Freelancerin beim Nidwaldner Blitz (die erste beim SCM Bundes-Verlag Schweiz). Beim Blitz erhalte ich viele spannende Aufträge und das kommt unserem Familienbudget sehr zugute.
  • wir gute Freunde haben, welche in jeder Not für uns da sind, aber auch mit uns die schönen Seiten des Lebens teilen, denn „geteilte Not ist halbe Not, geteilte Freude ist doppelte Freude.“
  • er uns die Musik geschenkt hat. Wie oft stellt mich ein Lied auf und wie wohl tut das Singen. Bald startet zum Glück wieder das Ennetbürger Chorprojekt. Dieses Jahr zum Thema „Mundartlieder“.
  • ich über Facebook, Twitter, Blog und Co. soviele wertvolle Kontakte knüpfen konnte.
  • mir das danken nie ausgeht und ich hier noch zehntausend andere Gründe aufzählen könnte. Danke Gott, dass eine gute Perspektive gibt. Danken zieht nach „oben“. Deshalb habe ich das Beitragsbild gewählt: Wofür kann ich danken – dies zu fokussieren, ins Visier zu nehmen, tut gut.

Ich bin gespannt auf eure Dankbarkeitsberichte. Ich denke, es ist wie ein Ping-Pong-Spiel: wenn ich aufzähle, wofür ich dankbar bin, löst das beim Gegenüber auch Dankbarkeit aus. Es hilft, sein Leben nach Dankbarkeitsgründen zu durchforschen – und wenn man dies teilt, wirkt es ansteckend. Also: wofür bist du dankbar? Mach doch auch mit.

 

LIEBSTER BLOG AWARD

LIEBSTER BLOG AWARD

Schön, dass Zora mich für den Liebster Blog Award vorgeschlagen hat. Danke für die Nominierung!

Hier meine Antworten auf Zoras Fragen:

1. Warum hast du angefangen, diesen Blog zu schreiben?

Nachdem ich auf Facebook hie und da längere Texte oder Fotos postete, wurde ich ermutigt, doch alles mal zu „verbloggen“. Diese Ermutigungen stammten hauptsächlich von Zora und Karin Mayerhofer Dobler. Lange Zeit sträubte ich mich gegen diese Idee und dachte: „Ach, wer wird schon Interesse an meinem Blog haben?“ Irgendwann hatte ich genügend Schreibmaterial zusammen und startete, einfach nur für mich selber. Egal, ob es andere lesen würden… Heute ist es mir nicht immer egal, ob ich nur für mich selber schreibe. Es wäre schön, es würden ein paar mehr mitlesen.

2. Wie kommst du zu deinen Texten? Was inspiriert dich?

Ausflüge, Reisen, Wanderungen, Ferien mit der Familie, aussergewöhnliche Erlebnisse. Es kann aber auch vorkommen, dass mich was beschäftigt, das in der weltweiten Welt grad so abgeht, sei es politisch, religiös, weltanschaulich. Dann zwickt es mich in den Fingern, meine Meinung zu verbloggen.

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3. Würdest du gerne vom Schreiben leben? Oder, wenn dies bereits der Fall ist: was musstest du unternehmen, damit du vom Schreiben leben kannst?

Ich lebe zu einem Teil vom Schreiben. Aber nicht vom Blog. Das heisst, wir sind als Familie auf mein Einkommen angewiesen, welches ich als Freelancerin beim SCM Bundes-Verlag und dem Nidwaldner Blitz verdiene. Wir sind vor 1.5 Jahren umgezogen und ich habe die Stellen als Hundesitterin und Hauwarting dabei verloren. Die neue Miete beträgt aber Fr. 500.– mehr als vorher. Der Lohn, den ich bei beiden Stellen verdiene plus mein Engagement als Testkundin und als Kindergottesdienstmitarbeiterin der Reformierten Kirche decken in etwa diese Lücke.

Klar wäre es schön, auch mit dem Blogschreiben etwas zu verdienen. Ich könnte mir vorstellen, für die SBB oder andere Unternehmen gegen Bezahlung von unseren Reisen zu erzählen. Ich habe bei den zuständigen Stellen schon ein paarmal angeklopft deswegen. Wer weiss, vielleicht klappt es irgendwann? 😉

4. Wie sähe dein perfekter Tag aus?

Ich erlebe viele perfekte Tage. 😉 Ich bin zufrieden und glücklich, wenn meine Liebsten einschliesslich Katze Minouch und ich gesund sind, wenn ich das tun kann, was ich am liebsten mache: schreiben. Wenn meine Schreibergüsse dazu noch beachtet werden, ist mein Tag perfekt. Sahnehäubchen sind sonniges, warmes Wetter, eine tolle Unternehmung mit der Familie und interessante Fotosujets.

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5. Wer hat dich in deinem Leben massgeblich geprägt?

Meine Eltern. Sie haben mir viel an Werten mitgegeben. Später Predigten und das Leben in diversen Freikirchen. Sowohl im Positiven wie leider auch im Negativen. Auch das Leben mit eigenen Kindern hat mich geprägt. Ich lernte viel durch sie und mit ihnen zusammen. Vor allem lernte ich mich selber durch meine Kinder von einer anderen Seite her kennen.

6. An welches Erlebnis aus deiner Kindheit denkst du gerne zurück?

Ich denke viel und gern an gemeinsame Wanderferien in der Schweiz zurück. Mit meinen Eltern war ich nie im Ausland, lernte aber wohl jeden Ecken im eigenen Land kennen. Ich bedauerte zwar, dass meine 8 und 10 Jahre älteren Geschwister meistens nicht mit uns in die Ferien fuhren, hatte aber viel Spass mit meinen Eltern zusammen. An den Abenden lachten wir beim Spielen zusammen, bis uns die Bauchmuskeln schmerzten und die Augen tränten. Nie erlebte ich meine Eltern glücklicher als an solchen Ferienabenden.

7. Dürrenmatt oder Frisch?

Weder noch. Ich musste Werke von beiden in der Töchterhandelsschule Luzern lesen, konnte mich aber persönlich nie erwärmen – weder von der einen noch der anderen Literatur.

8. Welche Gegend magst du am liebsten und warum?

Ich mag die Schweiz und das Leben hier. Die abwechslungsreiche Landschaft und die ruhige, politische Lage, welche mir Sicherheit vermittelt.

Als wir als Familie in Australien waren, sagte ich an der Ostküste: „Falls Auswandern einmal ein Thema wäre, könnte ich mir ein Leben hier vorstellen.“ Dies, weil im Atherton Tableland sowohl Berge, Seen wie in der Schweiz vorkommen, aber auch Regenwald, Städte und das Meer. An ein und demselben Tag könnte man in den Bergen wandern und im Meer baden.

9. Wenn du nicht bloggen würdest (und es kein Internet gäbe), was würdest du dann tun?

Ich würde Tagebuch und Briefe schreiben. Die Wahrscheinlichkeit, ein Buch zu schreiben, wäre ohne Internetanschluss grösser, als es aktuell ist. Vielfach verbringe ich zu viel Zeit bei Facebook, Twitter, Instagram. Diese fehlt mir dann, um mich fantasievoll der Entwicklung einer Geschichte anzunehmen. Ich habe im Rahmen des Novemberschreibens einen Roman verfasst mit dem Titel „Die Liebe ist rot“, der aber leider keinen Verlag fand. Zudem ein Kinderbüchlein. Ein weiterer Roman liegt irgendwo unvollendet auf einer externen Speicherplatte.

Ich würde mich wahrscheinlich zudem vermehrt dem Fotografieren widmen und Kurse belegen.

10. Glaubst du an das Gute im Menschen? Falls ja, warum? Falls nein, warum nicht?

Ich bin ein naiver Typ. Wurde mir schon oft gesagt. Ich gehe immer davon aus, dass es mein Gegenüber gut mit mir meint. Ausschliesslich gut. Und falle dann halt vielfach auf die Nase. Dennoch möchte ich mir diese Art der Naivität nicht nehmen lassen, denn ich würde mir gleichzeitig viele schöne Erlebnisse mit völlig Unbekannten nehmen lassen.

Von meinem Glauben und persönlichen Lebenserfahrungen her weiss ich, dass jeder Mensch zum Egoismus tendiert. Doch weil ich mich selber mit Schwachheiten erlebe, bin ich grundsätzlich gnädig mit meinen Mitmenschen. Ich kann mich zwar schnell aufregen, teile dann das auch mit, vergebe und vergesse aber genauso schnell wieder.

11. Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der bloggen möchte? 

Probieren geht über studieren!

Ich habe mir kein Konzept erstellt, über was ich bloggen möchte, sondern einfach begonnen, von meinem Leben zu erzählen. Von dem, was ich tue und denke. Die Handhabung via WordPress war zu Beginn eine grosse Herausforderung. Ich habe einfach ausprobiert, nichts darüber gelesen, mich durchgeklickt – und es hat funktioniert. Ich mag es nicht, wenn ich für etwas, das ich tun möchte, zuerst Bedienungsanleitungen und Bücher studieren und wenn möglich noch Seminare besuchen muss. Wenn ich etwas tun möchte, dann muss es subito geschehen können. Nicht nur in dieser Beziehung bin ich ein ungeduldiger Mensch. 😉 Fang einfach an. Tu den ersten Schritt. Und bei konkreten Fragen bin ich für dich da.

Die Regeln, wenn ihr nominiert wurdet:

1. Bedankt euch bei der Person, die euch nominiert hat, und verlinkt sie auf eurer Seite.

2. Kopiert das Emblem oder holt euch ein zu euch passendes aus dem Netz und stellt es sichtbar auf die Award-Seite. (Ich sah keines bei meiner Vorgängerin und habe deshalb auch keines verwendet. Könnt diesen Punkt also streichen.)

3. Beantwortet die 11 Fragen, die euch gestellt wurden und veröffentlicht sie auf eurer Seite.

4. Denkt euch 11 neue Fragen für die Blogger aus, die ihr nominieren wollt und stellt die Fragen auf eurem Blog.

5. Kopiert die Regeln und stellt sie ebenfalls auf euren Blog, damit die Nominierten wissen, was sie zu tun haben.

6. Nominiert zwischen 2 und 11 neue Blogger, die ihr gerne weiter empfehlen wollt. Das sollten möglichst solche sein, die noch wenig bekannt sind, aber empfehlenswerte Inhalte bieten.

7. Stellt die neuen Nominierungen auf eurer Seite vor und gebt den jeweiligen Bloggern eure Nominierung persönlich bekannt.

Meine 11 Fragen an euch (die ihr gerne mittels Worten oder auch Bildern beantworten dürft)

  1. Wo siehst du den Vorteil eines Blogs gegenüber von Facebook oder anderen Social Medien?
  2. Würdest du deinen Blog auch dann weiter führen, sollte kein einziger Mensch ihn lesen?
  3. Was würdest du bei Gmerkigs gern lesen?
  4. Verdienst du mit deinem Blog Geld? Falls nein – wäre das dein Wunsch, strebst du es an? Falls ja: wie hast du das zustande gekriegt?
  5. Wann hast du mit deinem Blog gestartet? Gab es dafür einen bestimmten Grund?
  6. Gibt es etwas, das deinen Blog speziell macht, ihn abhebt von anderen mit ähnlichen Themen?
  7. Könntest du dir vorstellen, auszuwandern? Falls ja: wohin und weshalb dort hin? Falls nein: warum nicht?
  8. Liest du regelmässig andere Blogs, hie und da oder gar nicht?
  9. Bist du mit deinem Leben zufrieden? Oder was fehlt dir zum Glücklichsein?
  10. Wie häufig veröffentlichst du einen neuen Blogbeitrag?
  11. Welche Rolle spielt Gott in deinem Leben?

Hier die Blogger, die ich nominiere:

Karsten Socher, ein Fotograf, den ich über das Projekt der 99 ig Fotografen persönlich kennen gelernt habe. Heike und er haben uns schon ein paarmal besucht. Das Treffen zwischen Weihnachten und Neujahr entwickelt sich schon fast zu einer lieben Tradition. 😉

Am Twittertreffen mit SBB CEO Andreas Meyer, lernte ich Andreas Schweizer kennen. Er ist einer der SBB-Servicescouts und ich lese hauptsächlich sehr gerne über Twitter, was er alles zu erzählen hat.

Markus Schmid ist mein treuster Leser. Sei es auf Facebook, Twitter oder über diesen Blog. Er beachtet mich, kommentiert, interessiert sich. Dafür möchte ich dir, Markus einmal danke sagen.

Johannes Mairhofer war der Initiant der 99Fotografen. Ich habe dort mit Begeisterung mitgemacht und bin ihm dankbar für dieses Projekt. Denn erstens lernte ich enorm viel über die Fotografie und zweitens erweiterte sich mein Bekanntenkreis um einige interessante Persönlichkeiten.

Benno hat mich ermutigt, die alten Kameras, welche beim Zügeln zum Vorschein kamen, auszuprobieren. Es wäre schön, Benno, wenn du obige 11 Fragen beantworten und bei dieser Blogparade mitmachen würdest.

Andrea Jerger hat das SBB SOME organisiert, ist wie Andreas Schweizer, SBB Sevicescout und ich bin ihr sehr dankbar für das unvergessliche SBB Twittertreffen.

Auch Martin Rechsteiner lernte ich am SBB SOME kennen. Ich lese gerne mit, wenn er über seine Ausflüge mit der Familie berichtet. Vielleicht magst du zur Abwechslung obige 11 Fragen verbloggen?

Gaby Rudolf – ist dein Blog noch aktiv?

Gaby, Benno und Johannes Mairhofer lassen sich entschuldigen – keine Lust oder Zeit, hier mit zu machen. Vielleicht magst du, Sven? Bist der Erste und bisher Einzige Liker hier. 😉

Mein Griechenland-, Mazedonienabenteuer

Zuerst verbrachten wir einfach nur „normale“ Strandferien in der Nähe von Thessaloniki – Griechenland. Wir logierten zwischen dem 16. bis 30. Juli 16 in Hotel Marias House direkt am Meer. Per Mietauto erkundigten wir die drei „Finger“ Chalkidikis, genossen die Hitze nach unserem durchzogenen Schweizer Sommer, das Schwimmen im meist wellenlosen, türkisblauen, glasklaren Meer und planschten und spielten im Pool ausgelassen. Jeden Abend assen wir in einem anderen Restaurant. Die Küche Griechenlands ist wirklich fein. Was mich bei Erkundigungen etwas enttäuschte war, dass diese Gegend Griechenlands einen anderen Baustil hat, als das, was bei uns assoziiert wird mit griechischen Häusern. Mir gefallen halt die weissen Häuser mit blauen Kuppeln, welche ich von früheren Reisen aus Paros, Naxos, Mykonos und Santorini her kenne. Solche sah man hier nur auf Postkarten, welche in Souvenirläden wohl schon Jahre auf Käufer warten. Die Häuser Chalkidikis sind oft viereckige, schnörkellose Bauten, einige erinnerten mich an den mexikanischen Baustil oder auch an gewisse Tessinerhäuser. Wenn sie schön restauriert wären, wie die Beispiele auf dieser Seite, würde mir dieser Baustil gefallen. Aber man merkt es schon, dass die Griechen momentan nicht gerade finanzkräftig genug sind, Häuser und auch Strassen auszubessern. Strassen waren selbst in grösseren Orten oft in bedenkenswertem Zustand.

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Die zwei letzten Ferientage verbrachten wir zusammen mit einem Ehepaar, welches wir vom Café Pizzeria Piccadilly Buochs, unserem Nachbarort her kennen. Toni und Suzana konnten sich ein paar Tage Auszeit nehmen von ihrem strengen Beruf in der Gastromenie. Später trafen wir sie an der Hochzeitsfeier in Mazedonien, da sie mit den Familien des Bräutigams und der Braut befreundet sind.

Und das ist das Stichwort zu meinem eigentlichen Abenteuer – jedenfalls empfand ich das so. Ich glaube, mein Mann und unser Sohn empfanden es nicht ganz genau so aufregend wie ich.

Wir begaben uns am Samstag, 30. Juli auf unsere Reise von Griechenland nach Mazedonien, weil wir erstens die Familie des Freundes unserer Tochter besuchen wollten und weil wir zweitens zur Hochzeitsfeier des Bruders dieses Freundes eingeladen waren. Eine mazedonische Hochzeitsfeier! Ich freute mich bereits im Oktober 2015 darauf, als wir die Zivilhochzeit dieses Paares in der Rosenburg in Stans mitfeiern durften.

Das Abenteuer begann am Flughafen Thessaloniki, nachdem wir unser Mietauto abgegeben hatten. Wir sollten von einem Bekannten der Braut abgeholt und chauffiert werden. Im Vorfeld schilderten wir unser Aussehen der Mutter des Bräutigams, welche diesen Transport für uns organisierte und auch bezahlte. Der Chauffeur selber sollte ein Schild mit „Aeppli“ hochhalten. Abgemacht war, am Ausgang des Flughafens einander zu begegnen. Nur stellten wir dort fest, dass es 8 Ausgänge gab und dass auf der unteren Strassenzufahrt bloss offizielle Taxis ein Durchfahrtsrecht besitzen. Es gab ein paar aufgeregte Telefongespräche mit unserem zukünftigen Chauffeur, bei dem weder er noch ich wirklich etwas anderes verstanden als „Chauffeur“ – „Aeppli“ – „Wo?“ – „Problem“ oder so ähnlich. Nach einem Telefongespräch mit dem Bräutigam, klappte dann unser Zusammentreffen doch noch.

Es folgte ein spannendes 3.5 stündiges Unterwegs-Sein mit einem Chauffeur, welcher kaum ein Wort Englisch, sondern nur Mazedonisch sprechen konnte, uns aber als seine  Gäste so gut es ihm möglich war, verwöhnte. Er fragte, welchen Musikstil wir liebten, gab über die Gegend ein bisschen Auskunft, fragte, ob es mit der Temperatur im Auto ok sei, fuhr sehr regelmässig und angenehm, bezahlte bei einer Rast unsere Getränke – und half uns, als mein Mann ein bisschen Probleme am Zoll bekam, weil er zuerst seine abgelaufene ID zeigte, statt sofort den Notfallpass heraus zu kramen, welcher halt im Rucksack steckte. Mein Mann meinte, die würden bestimmt nicht so genau schauen. Denkste, der Zoll kontrollierte sehr genau. Zum Glück bescherte uns diese Bequemlichkeit nicht grösseren Ärger, sondern ging glimpflich aus. Unterwegs telefonierte unser Chauffeur ein paarmal mit der Braut, welche sich regelmässig erkundigte, wie es um unsere Fahrt stünde.

Als er bei der Familie des Bräutigams vorfuhr, wurde er zu seiner vollen Zufriedenheit bezahlt. Er verdiente wahrscheinlich an diesem Tag einen halben, dort üblichen Monatslohn. Und nun begann das Vorfest der Hochzeitsfeier: wir wurden anderen Gästen vorgestellt, welche Freunde des Bräutigams aus der Schweiz waren und der Familie und Verwandtschaft des Bräutigams. Auch unsere Tochter und ihr Freund begrüssten uns. Sie reisten ein paar Tage vorher nach Mazedonien an. Ein paar Schweizer Gäste kannten wir von der Zivilhochzeit in Stans her.Von der Familie des Bräutigams aber kannten wir bis dahin nur die Eltern und natürlich den Bräutigam selber. Wir wurden aufs herzlichste willkommen geheissen, bald wurde grilliert und ein paar typische mazedonische Tanzschritte eingeübt. Wann wir denn die Braut treffen würden, fragte ich. „Erst morgen, am Hochzeitstag selber“, erhielt ich zur Antwort.Am Abend vorher feiert die Braut mit Familie und Freunden bei ihrem Elternhaus und der Bräutigam mit seinen Gästen in seinem. Braut und Bräutigam dürfen sich erst am Hochzeitstag treffen. Unser Sohn meinte: „Dabei sind sie ja seit Oktober 2015 verheiratet.“ 😉 Aber sie wollten es halt alles so handhaben und feiern, wie es der Tradition ihres Volkes entspricht. Mit der einen Ausnahme: sie kürzten den Festablauf um einige Tage ab. 😉

Wir mussten uns übrigens noch persönlich bei der mazedonischen Polizei anmelden. Das ist scheinbar nicht allen bekannt, welche nicht in einem Hotel, sondern privat logieren. Wenn man sich nicht innert 48 Std. nach Ankunft bei der mazedonischen Polizei meldet, könnte es Probleme bei der Ausreise geben.

Mein Mann, unser Sohn und ich begaben uns im Verlauf des Abends auf einen Dorfrundgang. Viele Bewohner kamen auf uns zu und fragten uns freundlich, nach dem Woher- und Wohin. (Auf Mazedonisch, Englisch, Italienisch und sogar Deutsch) Wir entdeckten ein Schwyzer-Autonummernschild, kamen mit dem Besitzer ins Gespräch und erfuhren, dass er in der Schweiz arbeite und hier wie so viele im Sommer auf Besuch bei seiner Familie und Verwandtschaft wäre. Sofort wurden wir eingeladen an den Tisch im Garten. Wir lehnten dankend ab, waren wir doch schon zu Gast an einem anderen langen Festtisch.Bei dieser Gelegenheit will ich erwähnen, dass im Sommer in dieser Gegend jeden Tag mindestens ein Hochzeitsfest stattfindet. Weil dann jeweils alle Menschen, welche im Ausland arbeiten, in ihrem Heimatdorf zusammenkommen, also Nachbarn, Freunde, Verwandte, Bekannte sich treffen, werden auch die grossen Feste auf diese Jahreszeit verlegt. Am Vorabend des Hochzeitsfestes, zu dem wir eingeladen waren, war die Familie eigentlich noch zum Hochzeitsfest eines Verwandten (Bräutigams Cousin) eingeladen. Die Bräutigameltern verschwanden dann auch für ein paar Stunden, um dort wenigstens ein bisschen mitzufeiern. Jeden Tag während unseres Aufenthaltes hörte man Autogehupe, weil wieder eine Hochzeitsgesellschaft unterwegs war und das Restaurant, in dem wir am Abend feierten, war jeden Tag ausgebucht für Hochzeitsessen.

Der Tag des Hochzeitsfestes begann für die Brautleute und deren Gäste ebenfalls wie am Vorabend getrennt. Das heisst: sowohl im Elternhaus der Braut, wie im Elternhaus des Bräutigams wurde gebruncht. Viele der Hochzeitsgesellschaft im Hause des Bräutigams begaben sich über die Strasse zum Coiffeur (Frisör). Die Brautmutter bezahlte allen eine Festfrisur.

Ich kann nicht sagen, wie es bei der Braut war, aber im Bräutigamhaus wurde ab 9.30 Uhr ausgiebig per Liveblasmusik getanzt und vom herrlichen Buffet gekostet. Ich dachte, dass der Bräutigam seine ganze Energie bereits am Vormittag aufgebraucht hätte, derart gab er sich dem Tanz hin. Doch ich sollte mich täuschen – er war zu noch viel grösserer Tanzausdauer fähig. Und dies bei ca. 40 Grad Celsius!

Irgendwann begab sich die Festgesellschaft des Bräutigams zum Haus der Braut. Die Autos wurden parkiert und die letzten Meter tanzte man zum Elternhaus der Braut. Natürlich immer begleitet mit der Roma Blaskapelle. Allen voraus der Bräutigam mit seinen Eltern, welche Geschenke trugen. Apropos Blaskapelle: diese spielte zwischen 9.30 bis ca. 17 Uhr, unterbrochen nur während des orthodoxen Trauungsgottesdienstes. Die Leute tanzten die ganze Zeit – habe ich schon erwähnt, wie heiss es war? Wir Schweizer fielen im Schatten überhaupt nicht auf, denn alle Einheimischen waren in der prallen Sonne mit Tanzen beschäftigt. grins Die Musiker bespielten manchmal extra einen Gast, d.h. kamen ihm derart aufdringlich nah, bis dieser nachgab und ihm einen Geldschein auf die schweissnasse Stirn klatschte, oder einen Schein ins Musikinstrument steckte, wo es halt grad Platz fand. Ich fand es ja im Grunde genommen lustig, aber als sie einem Baby die Trompete ins Ohr bliesen, hatte ich doch meine Bedenken.

Wir hatten doch keine Ahnung! Eigentlich wären wir erst dann in den Vorhof der Braut eingelassen worden von den Brautjungfern, wenn wir einen Geldbetrag hinterlassen hätten. Doch wir Touristen erhielten die Anstecker umsonst und bemerkten erst im Nachhinein den Geldteller. Ich erinnerte mich an die Schilderungen unseres Reiseleiters in der Türkei. Er erzählte, wie eine türkische Hochzeit abläuft – und es kam mir genauso vor, was ich hier alles erlebte.

Mir kam während des Tages viel die Bibel in den Sinn und ich verstand einzelne Passagen besser:

Matthaeus 25:1-13 / LUT

Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. …

Die meisten Gäste wurden im Garten draussen bewirtet und tanzten dort. Wir aber erfuhren, dass wir zum engeren Kreis der Gäste gehörten, was uns vorher nicht bewusst war. Wir waren, wie es mein Sohn ausdrückte, VIP’s. 😉 Als diese wurden wir an den grossen Festtisch in der Stube geleitet, dort der Familie und den Eltern der Braut vorgestellt und verköstigt. Währenddem wir assen, erlebte unsere Tochter als Freundin des Brautführers etwas, was sich sonst allen Blicken entzog: der Bräutigam wurde ins Brautzimmer geführt, musste dort der Braut einen Kranz geben und dann wurden auch andere, symbolische Handlungen ausgeführt, welche ich vergessen habe, weil ich selber dort nicht dabei war.

An unserem Tisch sassen wir nicht lange, sondern als die Blasmusik eintrat, standen alle auf und tanzten, wie wenn es zum ersten Mal an diesem Tag und nicht derart stickig heiss im Raum gewesen wäre. Auch wir versuchten es natürlich darin. Hilfreich erwiesen sich den ganzen Tag über die Tücher, welche uns zu Tagesbeginn gereicht wurden. Sie dienten dazu, sie beim Tanzen rhythmisch zu schwenken, aber noch viel praktischer waren sie einsetzbar als Fächer und zum Schweiss abwischen.

Und plötzlich trat das Brautpaar ein und wir sahen zum ersten Mal die Braut! Auch das Brautpaar tanzte zuerst eine Weile ausgelassen und dann begann eine Reihe symbolischer Handlungen, deren Sinn wir erahnen konnten und teilweise erklärt bekamen vom Pate des Bräutigams, welcher wie er uns erklärte, die wichtigste Rolle an diesem Tag inne hatte, nebst dem Brautpaar natürlich. Vor allem war er der „Hauptsponsor“, wie er uns augenzwinkernd verriet. Er ist mazedonischer Herkunft, wohnt und arbeitet aber schon manche Jahre zusammen mit seiner Familie in München.

Brautvater- und Bräutigamvater tranken zusammen aus einer Schüssel Wein, in der die Eheringe des Brautpaares waren und bissen miteinander von einem grossen Stück Brot ab, welches uns allen dann gereicht wurde. Es kam mir wie ein Abendmahl vor, oder als Handlung der Verbrüderung. Dem Bräutigam wurde ein ganzes Poulet vorgesetzt, von dem er zuerst selber essen und dann seine Braut verköstigen musste. Er sei nun der Ernährer der Familie, wurde mir erklärt. (Obwohl die Braut selber ja studiert hat und auf eigenen Füssen stehen kann.) 😉 Die Braut verteilte ein paar Geschenke und jeder, welcher eines erhielt, drückte der Braut wiederum ein paar Geldscheine in die Hand. Wie gesagt: wir hatten keine Ahnung, auf was wir uns einliessen und wussten von daher nicht, dass auch unsere Tochter als Freundin des Brautführers beschenkt würde. Geld für ihr Geschenk erhielt sie von der Mutter ihres Freundes. 😉 Als weiter getanzt wurde und es war ziemlich laut dabei – wollten wir uns mal im Schatten draussen ausruhen. Kaum setzte ich mich erschöpft auf einen Plastikstuhl im Garten neben eine ältere Dame, dachte diese wohl, ich würde mich langweilen und forderte mich zu einem Tänzchen auf. Es wurde ein wunderschönes Erlebnis. Diese Frau war so herzlich zu mir und wir verstanden uns tanzend, ohne Worte. Mir wurde erklärt, sie sei die Schwester der Brautmutter.

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Irgendwann fuhren wir zur schön gelegenen Kirche und erlebten unseren ersten orthodoxen Gottesdienst. Der Pope sang, schwenkte Weihrauch und alle standen ums Brautpaar und die engsten Familienangehörigen herum. Es gab keine Sitzgelegenheiten, bzw. nur eine lange Bank, auf welche sofort ein paar junge Damen sassen. Später klagte mir eine Frau, sie hätte sich darüber gewundert, denn eigentlich dürften nur kranke oder alte Leute sitzen. Der Freund unserer Tochter musste sich bei der Braut einhängen und auch während des Gottesdienstes konnten wir viele Symbolhandlungen miterleben. So wurde um die Arme des Brautpaares zum Beispiel neue T-Shirts des Paares geschlungen (ich glaube, die wurden anschliessend der Kirche zum Weiterverkauf gespendet) Der Pate des Bräutigams erklärte mir später, dies bedeute, dass die zwei nun Zeit ihrer Lebtage miteinander verbunden seien. Ich beobachtete, wie die Braut langsam hin- und her zu schwanken begann und ihre Augen verdrehte. „Oh – oh, sie wird ohnmächtig, bei dieser Hitze“, dachte ich. Zum Glück erhielten sie in diesem Moment Brot und Wein des Abendmahls. Später gestand mir die Braut, das Abendmahl wäre ihre Rettung gewesen. 😉 Auch im orthodoxen Gottesdienst wird das „Jawort“ gegeben und die Ringe getauscht. Und dann wurde dreimal um den Altar gelaufen – währenddem das Brautpaar ihre Kronen, welche sie erhalten hatten, ein paarmal vor dem Altar zogen.

Nach der kirchlichen Trauuung wurde natürlich wieder getanzt, es gab Apéro und dann begab man sich zum Haus des Bräutigams. Die letzten paar Meter – ab dem Dorfplatz bis zum Haus – begleitete man die Braut tanzend zum Elternhaus ihres Mannes. Ihr am nächsten tanzten immer die Brautjungfern. Dann wurde die Braut über die Türschwelle des Elternhauses ihres Mannes getragen. Draussen wurde wieder gegessen und getrunken, die Musiker verabschiedeten sich. Und so nach und nach verabschiedete sich auch die Gästeschar. Endlich konnten wir duschen, uns umziehen und für die Abendfeier im Restaurant bereit machen. By the way: die Frisur hielt den ganzen Tag – und Abend! 😉

Am Abend standen unsere Tochter und ihr Freund etwa 1.5 Std. beim Eingang des Restaurants und nahmen die Geschenke fürs Brautpaar entgegen. Im Gegenzug zu ihrem Geschenk erhielten die Gäste ein Raffaello und wurden zusammen mit dem Brautpaar fotografiert. Oben wurden die Gäste von den Eltern beider Seiten begrüsst und man ass und trank bereits. Zu unserem Tisch gesellten sich Toni und Suzana – ihr erinnert euch – das Paar, welches wir von Buochs kennen und mit denen wir zwei Tage in Griechenland genossen. Als die Brautpaar eintrat, überraschte es alle Gäste mit einem wunderschön einstudierten Brauttanz. So romantisch! Und dann wurde getanzt, getanzt, getanzt. Ohne erwähnenswerten Unterbruch. Von ca. 20.30 Uhr bis um 1 Uhr früh! Und das Brautpaar feierte anschliessend mit ihren jugendlichen Freunden weiter bis um 6 Uhr! Ich muss gestehen: wir tanzten zwar auch viel – und die mazedonischen Tanzschritte wurden uns sehr gastfreundlich und geduldig gelehrt – learning by doing – aber wir pausierten auch oft. Im Gegensatz zum Brautpaar – dieses tanzte stuuuundenlaaang! Ich staune einfach heute noch darüber! Die Band, welche spielte und der Sänger der Gruppe sind in Mazedonien sehr bekannt. Im Verlauf des Abends wurde ich immer wieder mit Komplimenten bedacht, wie gut ich tanzen würde und oft gefragt, ob ich mich wohl fühlen würde, mir auch ja nichts fehle. Auch unsere ganze Familie wurde liebevoll ins Fest mit einbezogen.

Müde und voller Eindrücke gingen wir nach 1 Uhr schlafen. Anschliessend durften wir im Elternhaus des Bräutigams noch ein paar Tage ihre Gastfreundschaft geniessen. Der Brautvater chauffierte unsere Tochter, ihren Freund, meinen Mann, unseren Sohn und mich am Dienstag, 2. August nach Skopje an den Flughafen. Ein paar Tage später wütete in dieser Gegend ein heftiges Unwetter und es gab leider auch Tote. Wir haben die Gastfreundschaft dieser Menschen erlebt – ihre Herzlichkeit und deshalb ging mir diese Schreckensnachricht nah. Gerne kehre ich wieder mal nach Mazedonien zurück und ich möchte die Sprache lernen, um mich mit den Grosseltern und Verwandten dort unterhalten zu können.

 

 

 

Sammelleidenschaft

Sammelleidenschaft

Mein Vater war ein leidenschaftlicher Sammler. Hauptsächlich sammelte er Münzen und Briefmarken. Dies tat er eigenwillig individualistisch. Er hielt sich an keine in Sammelkreisen gültige Regel, welche besagt, dass man sich auf ein Thema konzentrieren soll und vor allem, dass sich in Briefmarkenalben ausschliesslich Briefmarken und in Münzalben gefälligst ausschliesslich Münzen versammeln dürften. 😉

Er sammelte sowohl bei Münzen wie Marken kreuz und quer jedes Thema. Aber wenn er mal ein Thema interessant fand, dann vertiefte er sich konzentriert darauf. Dann lag eine interessante Briefmarke neben einer Münze, unterlegt von einem Zeitungsausschnitt, einem Abziehbild, Abzeichen, Kaffeerahmdeckeli und einer Postkarte, welche wir als Familie ihm geschickt haben. Oder eine Kinderzeichnung von einem seiner Enkelkinder konnte durchaus neben einem Ersttagskuvert mit Ernibriefmarken und neben einer persönlichen Erni-Widmung liegen.

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Meine Mutter sichtet zur Zeit zusammen mit 5 Mitgliedern des Philatelistenvereins Solothurn die über 100 Bundesordner (!) meines im Herbst 2015 leider verstorbenen Vaters. Etwa 3 Abende à ca. 5 Stunden haben die Männer bisher konzentriert damit verbracht, das Lebenswerk meines Vaters zu zerlegen – noch ist diese Arbeit nicht abgeschlossen. (Nachtrag, 28.6.16 Meine Mutter schätzt, dass rund 40 Arbeitsstunden dafür investiert worden sind.)

Diese Herren seien schweigend an ihrer Arbeit gesessen, die Sammlung meines Vaters zu sichten und nach ihren Ordnungsprinzipien auseinander zu nehmen, erzählte meine Mutter. Nur ab und zu hätten Ausrufe des Erstaunens die konzentrierte Stille unterbrochen: „Jetzt schau dir mal diese Marke an!“ Oder: „Was für ein Mensch! – Das gibt es ja nicht! – Die Art, wie er sammelte, zeigt seine interessante, vielfältige Persönlichkeit. Auf diese Art sammelt sonst kein Mensch. – Sowas habe ich noch nie gesehen! – Unglaublich!“

Die Bibliothek meines Vaters enthielt ausser seiner Ordner und Fotoalben auch sehr viele verschiedene Bücher. Ich glaube, es gibt kein einziges Buch darin, das keine Briefmarke zum Thema und keinen Zeitungsartikel enthält.

Letzten Samstag habe ich selber 2 Stunden damit verbracht, verschiedene Beigen (Schweizerdeutsch für Stapel) zu erstellen

solche für Sammler:

  • Ersttagskuverts, schön gestempelt
  • Schöne alte Postkarten
  • Ungestempelte Briefmarken, welche man noch verwenden kann – zusammengestellt in Kuverts à je Fr. 100.– Nominalwert. Der Verein kauft sie uns für je Fr. 70.– ab. Es kamen einige solcher Kuverts zusammen
  • Gestempelte, schöne und teilweise wertvolle Briefmarken
  • Sammlerbriefmarken, nicht für den Gebrauch gedacht
  • Schöne, alte Postkarten
  • 200 Jahre alte Briefe oder noch ältere…

solche für die Brockenstube:

  • Abzeichen, Medaillen, Pins
  • noch gut erhaltene Ordner

und mehrere Abfallbeigen:

  • Sichtmäppchen en masse
  • weniger schöne Ordner
  • Zeitungsartikel, welche kaum mehr jemand interessieren wird im Zeitalter von Googel
  • Kalenderbilder

Die eigene Ordnung meines Vaters wird in eine andere, massentaugliche Ordnung gebracht. Mir hat es fast das Herz zerrissen, sein Lebenswerk auseinandernehmen zu müssen. Meine Mutter hat erzählt, mein Vater hätte jede freie Minute seines Lebens mit Ordnen, Sichten, Lesen, Sammeln und Neuordnen verbracht und manchmal kaum Zeit gehabt, in Ruhe die Zeitung zu lesen. Wenn wir miteinander plauderten, kam es sehr oft vor, dass er sagte, er hätte da was zum Thema. Er stand dann auf und griff zielsicher nach einem seiner über 100 Ordner, blätterte darin und zeigte uns einen Zeitungsausschnitt oder eine interessante, wertvolle Marke dazu und gab uns mit seinen Erzählungen einen Einblick in sein immens grosses, breites und tiefes Allgemeinwissen.

Er sammelte nicht in erster Linie, um ein Kapital anzuhäufen. Er betonte immer wieder den Sammlerwert seiner Marken und dass man zuerst einen Käufer finden müsste, wollte man eine seiner wertvollen Stücke veräussern. Er hätte wohl seine gesamte Sammlung gern weiterverschenkt, hätte er von einem Menschen gespürt, dass er diese lieben und schätzen würde, um der Sammlung und nicht des Geldes willen. Traurig für ihn war zu erleben, dass keines seiner Kinder oder Enkelkinder seine Leidenschaft weiterführen mochte.

Er wollte sich nie bloss auf ein einziges Sammelthema festlegen. Mir kommt manchmal mein Blog genauso vor. Ich habe das von ihm geerbt. Ich will nicht ausschliesslich einen Blog übers Wandern/Ausflüge, einen anderen zur Fotografie, einen dritten zum Line Dance, einen vierten zum Thema Christlicher Glaube, einen fünften zum Thema Familie, einen sechsten über meine Journalistischen Tätigkeiten verfassen und einen siebten darüber, wie ich meine Hochsensibilität im Alltag erlebe – sondern einen Einzigen: über mein Leben, das hoffentlich auch so vielfältig und bunt ist, wie es das Leben meines Vaters  war.

Meine mittlere Tochter war es, welche sagte: „Es ist so schade, dass das Lebenswerk meines Grossvaters derart zerpflückt wird. Man sollte wenigstens einen einzigen Ordner so aufbewahren, wie er gesammelt hat.“ Sie hat nun einen kleinen Ordner zur Würdigung des Lebenswerkes ihres Grossvaters geschenkt erhalten.

Mein Vater verschickte selber auch gerne Briefe und Postkarten. Immer waren sie mit seinen kreativen Basteleien versehen.

Er sammelte auch Poststempel. Oft hat er die Angestellten an Postschaltern in Verlegenheit gebracht, weil er Stempel auf alle möglichen Artikel wünschte – was im Grunde genommen gegen die Postgesetze verstiess. Die Männer des Philatelievereins staunten auch hie und da, auf was mein Vater überall einen Poststempel gedrückt erhielt. Er konnte sich jeweils lausbubenartig freuen, wenn ihm eine Schaltermitarbeiterin versicherte: „Nor, wöu Sie es send.“ („Nur weil Sie es sind.“) Er kannte mit der Zeit Poststellen, welche ihm gewünschte Stempel anbrachten. Dabei stimmte die Uhrzeit, der Ort, das Sujet mit dem überein, was er in seiner Sammlung ergänzen wollte.

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Wie ich meinen Vater kenne, hat der Löwe im Stempel die symbolische Bedeutung, dass Jesus der Löwe aus dem Stamm Juda ist. 😉

Niemand von unserer Familie kann über 100 Bundesordner in seiner Wohnung aufbewahren. Wir werden versuchen, soviel wie möglich zu verkaufen.

Die Reihen in den Gestellen bei meiner Mutter zuhause lichten sich. Zurück bleiben grosse Lücken. Mein Vater, dem ich immer nahestand und dem ich sehr ähnle, fehlt mir, er wird aber immer einen grossen Platz in meinem Herzen einnehmen.

 

 

Vor einem Jahr…

Vor einem Jahr…

Wie sich ein Leben in einem Jahr verändern kann!

Vor einem Jahr lebte mein Vater noch.

Wir waren zuversichtlich, dass er sich von seinem Schlaganfall, den er drei Monate zuvor erlitten hatte, noch besser erholen würde. Er trainierte hart, geduldig und mit dem Ziel vor Augen, wieder nach Hause zurückkehren zu können. Er stagnierte in seinen Fortschritten nicht, sondern machte wöchentlich Fortschritte. Noch konnte er zwar nur ein paar wenige Schritte an der Haltestange der Wand entlang humpeln und einzelne Worte wie „Adieu“, „Danke“, Hallo“ sagen, aber es konnte vorkommen, dass er uns plötzlich alle wieder mit einem neuen Wort überraschte. Wir kauften ihm ein iPad mit einem Sprachprogramm und ganz zögerlich setzte er es manchmal ein. Schade, dass sich das Pflegepersonal damals nicht mehr Mühe gab, ihn mit dieser Technik zu unterstützen. Aber sonst war die Pflege aufmerksam, das Zimmer überdurchschnittlich gross und hell  – und trotzdem  fühlte er sich dort nie zuhause. Ich besuchte ihn wöchentlich und mein Herz fühlte sich bei jedem Abschied an, als wolle es zerreissen. Er schluchzte jeweils, hielt mich fest und sass wie ein Häufchen Elend da. Er wollte einfach nur zurück in sein Heim gehen – zu seiner geliebten Frau – und tat alles in seiner Macht stehende dazu – aber es reichte nicht. Meine Mutter mit Jahrgang 1930, war gesundheitlich ausserstande, ihn zu pflegen. Eine Spitex kann auch nicht 24 Stunden und 7 Tage präsent sein – und diese Stunden, in denen sie allein mit meinem Vater gewesen wäre, bereiteten ihr zu grosse Sorgen und Ängste. Mein Bruder, meine Schwester und ich verstanden sie. Doch die Situation war für alle Beteiligten emotional sehr anstrengend.

Im Oktober 15 erlitt mein Vater einen zweiten Schlaganfall, war total gelähmt, konnte nicht mal mehr schlucken. Glücklicherweise hatte er uns eine Entscheidung per Patientenverfügung abgenommen, in der stand, dass er in so einem Fall keine lebensverlängernden Massnahmen mehr wünsche. Die Nachricht, dass mein Vater im Sterben lag, erreichte uns in Mailand, in einem Museum. Sofort fuhren wir ins Pflegeheim, um uns von ihm zu verabschieden. Es schmerzt mich heute noch, wenn ich daran denke. 😦 Mein Mann, meine Kinder samt Freunden, meine Mutter – wir standen um sein Bett, waren leise, streichelten ihn im Gesicht, sagten ihm, wiesehr wir ihn liebten und sprachen ihm zu, dass er „gehen“ dürfe. Dann bat ich meine ganze Familie, mich doch noch allein mit meinem Vater zu lassen. Und was dann folgte, erstaunt mich bis heute. Ich erzählte meinem Vater, wiesehr ich ihn liebe, erinnerte ihn an gemeinsam Erlebtes, sprach ihm Vergebung zu für Versäumtes, betete mit ihm, las ihm aus der Bibel Psalm 23 vor, küsste , streichelte ihn, verabschiedete mich ganz bewusst von ihm – und staunte bei allem über meine Kraft und Stärke. Mein Vater schaute mit seinen Augen liebevoll und aufmerksam, voll wach auf mich. Da war ein unausgesprochenes Verstehen zwischen uns. Nie mehr war er so präsent, wie nach meiner Zeit bei ihm…. Ich schluchzte und weinte nicht – und beobachtete dabei mich selber wie von aussen – war aber gleichzeitig total bei mir selber. Noch heute kommt es mir unglaublich vor, wie gefasst ich diese Verabschiedung meines geliebten Vaters so gestaltete. Als ich mich wieder zu meiner Familie gesellte, waren alle Augen auf mich gerichtet. Würde ich heulend aus dem Zimmer treten? Ich aber konnte zu ihnen sagen: „Es ist gut.“ Es war alles gesagt, es gibt nichts, was ich noch hätte klären müssen mit meinem Vater. Ich konnte mich im Frieden von ihm verabschieden. Die Trauer und die Tränen über den Verlust kamen erst später. In diesem Moment mochte ich ihm in allererster Linie gönnen, dass seine Schmerzen, sein Leiden ein Ende fanden. Sein Heimweh konnte Erfüllung finden, indem er in ein grösseres, schöneres Zuhause heimkehren konnte, wo er bereits liebevoll erwartet wurde, wie ich im zusagte. Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass ich in so einem Moment derart die Gesprächsführung übernehmen könnte und nicht weinend und schluchzend zusammenbrechen würde. Ich bin überzeugt davon, dass dies damals die Gegenwart und Hilfe Gottes war, welche mich und das ganze Zimmer erfüllte. Von mir aus hätte ich diese Kraft nie gehabt.

In den kommenden Tagen betete ich ein Gebet, das ich früher auch nie für möglich gehalten hätte: „Bitte Gott, lass meinen Vater bald sterben. Nimm ihn zu dir. Setz dem Leiden ein Ende.“  4 Tage kämpfte mein Vater – er war Zeit seines Lebens ein grosser Kämpfertyp. Es kam uns aber auch so vor, dass er meiner mittleren Tochter ihr Geburtstagsfest noch gönnen möchte und wartete mit seinem Abschied. Denn als sie ihm am Sterbebett erzählte, sie hätte bald Geburtstag, machte er grosse Augen. Er war Zeit seines Lebens immer da für andere und rücksichtsvoll. Ich bin überzeugt davon, dass er meiner Tochter nicht den Geburtstag damit verderben wollte, dass er in Zukunft mit seinem Todestag verknüpft gewesen wäre. Zwei Tage nach dem Geburtstag meiner Tochter, am 7. Oktober 2015 starb mein Vater, 88jährig.

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Ich vermisse ihn sehr. Ich denke so oft an ihn und wünschte, er könnte dieses oder jenes miterleben.

Ich leide mit der Einsamkeit meiner Mutter mit. Niemand kann ihr den geliebten Mann ersetzen, mit dem sie 63 Jahre treu durch Hohes und Tiefes ging. 63 Jahre – man stelle sich das vor!

Ich bin traurig. Und ich kann erst jetzt – ein halbes Jahr nach seinem Tod darüber schreiben. Es kostet mich viel in diesem Moment.

Vor einem Jahr war mein Handgelenk noch gesund

Im August 2015 erlitt ich einen Velounfall. Zwei Tage nach der Beerdigung meines Vaters wurde mein Handgelenk operiert. Es folgten viele, viele Arztbesuche, Therapien, die Spitex unterstützte mich im Haushalt. Es war eine turbulente Zeit, welche mich ganzheitlich herausforderte.

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Heute kann ich wieder den Wäschekorb tragen, kochen, mich pflegen, Wäsche zusammenfalten, Hände zur Begrüssung schütteln, mit Messer und Gabel essen, das 10 Fingersystem am Compi einsetzen, fotografieren (vorher war die Kamera zu schwer, ich konnte sie nicht halten), den Tisch abputzen (ich war nicht imstande, die Hand auf eine ebene Fläche zu halten und gleichzeitig Druck auszuüben), aber in Ordnung ist dieser Arm noch nicht. 😦 Bei gewissen Bewegungen bin ich eingeschränkt, spüre eine Art „Sperre“, bei einer Drehung des Unterarms knackt es dauernd störend und Schmerzen treten hie und da auch noch auf. Seit dem August 15 habe ich mich nicht wieder auf ein Velo gewagt. Diese innerliche Blockade möchte ich in nächster Zeit bestimmt mal überwinden. Sollte das Knacken im Unterarm bis im Juni nicht aufhören, müsste es erneut im Spital abgeklärt werden.

Vor einem Jahr waren wir grad umgezogen

Nach 14 Jahren glücklichem Wohnen in einem 100 jährigen Haus, mussten wir jenes Zuhause Ende März 2015 verlassen, weil der Vermieter einen Neubau plante.

Wir fanden eine neue Wohnung im selben Ort, so dass wir unsere Beziehungen nicht aufgeben und unser Sohn die Schule nicht für sein letztes Schuljahr wechseln musste. Die Wohnung ist mit ihren weissen Wänden heller als die vorherige, welche rundum mit Holz ausgekleidet war. Doch mir hat dieses Holz in der alten Wohnung sehr gut gefallen. Ich fand es heimelig und es war diese Art Wohnung, nach der ich mich in der Kindheit immer sehnte. Deshalb konnte ich auch nicht einstimmen in die überschwänglichen Rufe aller Besucher des neuen Zuhauses. Ausnahmslos jeder Gast meinte: „Hier habt ihr es doch viel schöner als am alten Ort. Die Wohnung dort war so dunkel. Diese ist hell und geräumig. Ihr habt einen guten Tausch gemacht!“ Wir wollten aber gar nie tauschen. Wir haben uns in der alten Wohnung rundum wohl gefühlt. Uns selber kam sie nie zu dunkel vor, die grosse Terrasse mit uneingeschränkter Seesicht, die ruhige Lage, die lieb gewonnenen Nachbarn – es brauchte Zeit, sich von all dem innerlich zu lösen.

Ja, die neue Wohnung gefiel mir ebenfalls auf Anhieb. Sie IST heller, sie bietet weiterhin einen Ausblick auf See und Berge, ist ruhig, aber gleichzeitig zentraler gelegen als die vorherige. Doch es dauerte mindestens ein halbes Jahr, bis ich sagen konnte: ich fühle mich nicht nur wie in den Ferien hier – es ist ein Heimkommen, wenn ich zur Haustüre hineintrete. Glücklicherweise begann der ehemalige Vermieter nicht sofort mit dem Abbriss des alten Hauses, so dass ich Zeit fand, mich langsam zu verabschieden. Jedesmal, wenn ich mit dem Postauto am alten Ausstiegsort vorbeifuhr, wendete sich mein Kopf automatisch, um einen Blick auf das alte Zuhause zu erhaschen und das Herz füllte sich mit Wehmut. Heute klafft am Standort unterhalb der Ridlikapelle ein grosses Loch – die Bauarbeiten zum grossen, modernsten Minergiehauses haben begonnen. Der Anblick schmerzt mich nicht mehr – es ist aber immer noch ein seltsames Gefühl.

Heute geniesse ich es, auf dem Küchenbalkon zu sitzen und meine Nachbarn so nahe zu haben, dass ich mit ihnen vom Balkon aus plaudern kann. Wir haben eine gute, herzliche, aber nicht zu nahe Beziehung untereinander. Balkone rund um die Wohnung geben uns die Möglichkeit, entweder an der Sonne oder dem Schatten zu sitzen, entweder Berg- oder Seesicht zu geniessen. Wie im alten Zuhause, so haben wir auch hier wieder einen Gartensitzplatz und drei Gartenbeete. Und seit diesem Winter sind wir frohe Chéminéebesitzer.

Unserer Katze Minouch geht es am neuen Ort besser. Vorher getraute sie sich bloss, die Katzentreppe runter zu laufen, aber nicht hoch. Heute läuft sie problemlos rauf- und runter, geht zur Katzentüre rein- und raus, wie es ihr beliebt. Die Strasse am neuen Ort ist im Gegensatz zu früheren, fast autofrei. Sie hat sich prima befreundet mit den anderen vielen Katzen der Nachbarschaft.

Vor einem Jahr wohnte unsere älteste Tochter noch bei uns

Mit dem Umzug in die neue Wohnung, verabschiedete sich unsere älteste Tochter von uns. Sie zog mit ihrem Freund in eine gemeinsame Wohnung. Zum Glück im Nachbardorf und lustigerweise ins Nachbarhaus unseres ehemaligen Zuhauses, in dem sie ihre ersten paar Lebensjahre verbrachte, bevor wir aufgrund der Geburt unseres Nachzüglers in das 100jährige Holzhaus umzogen, in dem wir eben 14 Jahre lang wohnten. Sie ist von der Wohnsituation zurückgekehrt zu den Wurzeln ihrer früheren Kindheit. 😉

Wir pflegen weiterhin guten Kontakt, aber es ist nicht mehr dasselbe, wie wenn sie zuhause wohnen würde. Sie lebt nun ein eigenständiges Leben, als junge, erwachsene Frau und ich bin als Mutter herausgefordert, sie wieder ein Stück mehr loszulassen.

Vieles hat sich zwischen dem April 15 bis April 16 verändert, das Thema „Abschied“ zog sich durch alles hindurch: Abschied von meinem geliebten Vater, der uneingeschränkten Gesundheit des Handgelenks, des Zuhauses, der Tochter, welche auszog – doch es ist gut so, wie es ist. Meine Familie und ich sind glücklich – samt Katze. Es gibt Neuanfänge – neue Kontakte in der Nachbarschaft zum Beispiel. Nur traurig und schade, dass mein Vater uns nicht besuchen kommen kann in der neuen Wohnung. Doch ich bin sicher, er schaut sie sich vom „Himmel“ aus an, geniesst aber dort sein eigenes, noch besseres und schöneres Zuhause und freut sich auf ein Wiedersehen mit seinen Lieben.