Welche Bergpredigt und Seligpreisungen brauchen wir für die Zukunft?

Die Gesellschaft nimmt das Thema Glaube/Christen heute nur dann wahr, wenn es um den Tod geht oder wenn die Christen gegen etwas sind. Gegen Homosexualität, gegen den Islam, gegen Sex vor der Ehe. Dr. Andreas Walker ist Zukunftsforscher. Er berät Politiker und Wirtschaftsleute zu Fragen zukünftiger Chancen und Risiken. Im Rahmen des Community Weekend der Vineyard, am 8. April 17, warf er Fragen auf wie: „Können christliche Kirchen ihr „Kerngeschäft“ noch erklären in einer Sprache und mit Bildern, welche heute verstanden werden? Was ist christliche Hoffnung?“

Unter der Leitung von Dr. Andreas Walker und Dr. Andreas Krafft hat Swissfuture in Zusammenarbeit mit 20minuten und BILD dieses Jahr zum achten Mal eine Umfrage lanciert. Mit den Ergebnissen wurde das „Hoffnungsbarometer 2017“ erstellt – als hoffnungsvolle Antwort auf die seit über 40 Jahren publizierten «Sorgenbarometer» und «Angstbarometer». Die Fragen gingen in diese Richtung: „Was erwarten Sie vom kommenden Jahr? – Was wünschen Sie sich? Ihre grossen Hoffnungen 2017? Aktivitäten zur Erfüllung dieser Hoffnungen?“ Auf der Rangliste der Hoffnungen ganz zuoberst stehen bei Herr und Frau Schweizer die persönliche Gesundheit, gefolgt von der Hoffnung auf eine glückliche Ehe, Familie, Partnerschaft. Ganz zuunterst auf der Liste rangiert die Hoffnung darauf, religiöse und spirituelle Erfahrungen zu machen.

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Um sich Hoffnungen zu erfüllen, denken die Schweizer gern nach, analysieren Zusammenhänge, übernehmen Selbstverantwortung, sprechen mit Freunden darüber. Nur eine verschwindend kleine Minderheit der Schweizer, besucht eine Kirche, einen Tempel oder Kraftort, um Hoffnung zu schöpfen.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.32.jpegAuch als Hoffnungsträger besetzen Pfarrer/Pfarrerinnen, Priester, Geistliche, Mönche oder Nonnen den Schlussrang, noch hinter den Bankern, Finanz- und Versicherungsfachleuten. Als erste Hoffnungsträger werden Ehepartner oder Lebenspartner genannt. Als zweites setzen die Schweizer ihre Hoffnung auf sich selber.

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Die Umfrageergebnisse lassen den Schluss zu, dass die schweizerische Gesellschaft von uns Christen nichts erwartet. Man setzt keine Hoffnungen auf uns und das Thema Glaube interessiert nicht. Haben wir unseren Mitmenschen, der Schweizer Gesellschaft wirklich nichts zu geben als Christen?

Dr. Andreas Walker hat zusammen mit anderen Zukunftsforschern aus Wirtschaft und Politik festgestellt, dass folgende 4 Schwerpunkte uns in der nahen Zukunft herausfordern werden:

  • Angst/Hoffnung

Der Mensch hat noch nie so lange gelebt, wir haben noch nie soviel Geld gehabt wie heute, aber auch noch nie soviel Angst. Arbeitslosigkeit, Gewalt, Fake News, Attentate, IS, Rechtspopulismus, Angst davor, ob das AHV Geld für die eigene Rente reichen wird, flössen den Schweizern Angst ein. Die Welt verändert sich, aber der Durchschnittschweizer will um jeden Preis die Gegenwart festhalten und nichts verändern.

Dabei haben wir Christen eine Botschaft der Hoffnung. Die Bibel sagt in Johannes 16,33: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Wir müssen nichts bekämpfen, nicht jammernd gegen etwas sein, hingegen vielmehr überwinden. Als Christen sind wir herausgefordert, unseren Mitmenschen zuzuhören, zu erfahren, was ihre Ängste sind und tragen zu helfen. Die christliche Botschaft, welche wir den Menschen zu geben haben, lautet: „Du musst nicht alleine sein!“

Die Bibel sagt: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe“ 1. Korinther 13, 13 Christen haben in der Vergangenheit laut Aussage von Dr. Walker zu lange und zu rechthaberisch und aggressiv über theologische Unterschiede gestritten. Darüber, was „richtiger“ Glaube ist, wurde zu Genüge diskutiert. Das Thema Glaube ist wie das dritte Standbein eines Dreihöckers. Weil wir uns zu lange auf dieses Thema konzentrierten, sind wir Christen aus der Balance geraten.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.37.jpegDeshalb sollten wir uns in Zukunft stärker auf die Hoffnung und die Liebe konzentrieren, um die Balance wieder herzustellen. Die Hoffnung sagt, wir bleiben dran, wir stehen auf und gehen weiter. Geduld und Langmut sind Geschwister der Hoffnung. „Glaube an das Morgen, auch wenn das Heute dich überfordert“, sagt Walker. Dies ist die christliche Botschaft an unsere angstgeplagte Schweizer Mitbevölkerung.

  • Langlebigkeit

Zwischen 1880 bis heute hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen verdoppelt.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.41.jpegIm Jahr 2030 werden ein Drittel der Schweizer Bevölkerung 60 Jahre und älter sein. Sah ein Leben früher so aus, dass man 15 Jahre lang ein Kind war, dann bis 65 arbeitete und etwa 70 Lebensjahre zu erwarten hatte, sieht ein Lebenszyklus heute so aus: 30 Jahre bis der Mensch mit dem Studium fertig und bereit zur Elternschaft ist, 30 Jahre Berufs- und Familienleben und 30 Jahre lang ein fittes Alter geniessen. Dr. Walker meint, wir sollten für die Zukunft mehr Senioren- statt Jugendpastoren ausbilden, denn die Fragen, Sorgen, Bedürfnisse aber auch Möglichkeiten dieser Gesellschaftsmehrheit werde uns als Christen herausfordern.

  • Globale Migration

Dieses Thema fordert uns Christen heraus, Versöhnung zu leben. Trennendes soll überwunden werden. Es wird eine Globalisierung des Christentums geben, eine Herausbildung eines grenzsprengenden, überkonfessionell christlichen Milieus. Die Christengemeinschaft wird neu herausfinden müssen, was „christlich“ ist, ohne sich ausschliesslich in der „Dagegen-Form“ zu definieren. (Gegen den Koran, gegen…)

  • Digitalisierung

Die Digitalisierung ist sowohl Chance wie Auftrag für uns Christen. Die Frage: „Ist ein Roboter der bessere Mensch?“, stellt Christen vor eine Herausforderung. Was macht den Menschen zum Menschen, im Gegensatz zum Roboter? Was ist der Sinn des Lebens? Wer kennt und versteht mich? Was ist ein Gott? Was ist ein Herz – ich habe doch für alles meinen Computer? Was macht meine Identität aus? Warum sollte ich Gott brauchen, wenn doch der Computer alles für mich erledigen kann, wenn die „künstliche Intelligenz“ alles weiss – bis hin zur perfekten Partnerwahl?

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Die Abschlussfrage Walkers: „Wie schafft ihr „christliche Kompetenzen“ für gesellschaftsrelevante Zukunftsfragen?“ ist nicht so auf die Schnelle zu beantworten, sondern wird eine Knacknuss für die Zukunft sein.WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.46.jpeg

Zeitreise in die Vergangenheit

DSC_0026Vor rund 30 Jahren zog ich bei meinen Eltern aus. Ich nahm nicht viel mit, sondern liess das meiste meiner Besitztümer und Kindheitserinnerungen im Kinderzimmer zurück. Vor 28 Jahren heirateten Andy und ich. Meine Eltern zogen kurz darauf ins Elternhaus meines Vaters um. Dies war der Zeitpunkt, an dem ich, vieles aus meiner Kindheit in unseren ersten, gemeinsamen Keller verlagerte. Nach zwei Jahren wurde uns die Wohnung wegen Eigenbedarf gekündigt. Zur neuen Wohnung gehörte ein riesengrosser Estrich. Also zügelte ich meine in Schachteln gehorteten Kindheitserinnerungen ungesehen mit. 10 Tage vor der Geburt unseres Jüngsten zogen wir in eine grössere 5.5 Zimmerwohnung um und hatten noch einen geräumigeren Estrich (Dachboden) als bisher. So nahm ich wiederum alles ungesichtet mit. Nun müssen wir Ende März in eine 4.5 Zimmerwohnung umziehen – ohne Estrich, bloss mit einem Kellerabteil. Dies heisst für mich: das erste Mal in meinem Leben wirklich mal räumen und Abschied nehmen von Kindheitszeichnungen, Schulheften, Briefen meiner 6 Brieffreundinnen, Pokalen/Medaillen, Büchern, Zeitungen, Nippsachen, Puppen und Puppenkleider, Bastelsachen, Bildern, Wandbehängen, Instrumenten, Musiknoten, Chorlieder, Kassetten…..Zu meinen persönlichen Erinnerungsstücken gesellten sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten munter Bastelerzeugnisse unserer drei Kinder, Geschenke und Briefe von ihnen, Fotos, Videos, CD’s….

Was da alles zum Vorschein kommen und einen erstaunen kann beim Räumen und Entrümpeln, habe ich in einem Album festgehalten.

Hätte sich beim Entrümpeln noch vor ein paar Jahren bloss die Optionen wegwerfen, behalten, verschenken oder verkaufen geboten, kommt heutzutage zum Glück eine weitere hinzu: digitalisieren. So ist unser Junge stundenlang beschäftigt mit Videos, Schallplatten und Kassettendigitalisierung – mit den neusten Programmen und hat auch bereits von auswärts Zusatzaufträge erhalten. Und wir restlichen der Familie – vor allem ich – scannen ebenso stundenlang Briefe, Fotos, Dias, Zeichnungen und anderes, was uns erhaltenswert erscheint. Nach dem Scannen können wir diese Dinge getrost entsorgen und haben so weniger Zügelballast.

Stichwort Ballast: wir veranstalteten einen Garagenflohmarkt, an dem wir das, was wir nicht mehr mitzügeln können, günstig verkauften.

Garagenflohmarkt

So kamen an die Fr. 600.– zusammen. Freude hatte ich vor allem, dass für mein Rössli Hü, welches ich in der Haushaltungsschule selber gemacht hatte, ein neues Leben beginnen wird: es wird bei meiner Schwester Gästekinder erfreuen.

Rössli Hü

Am Tag nach dem Garagenflohmarkt, hatte ich das Gefühl, es befänden sich immer noch genau soviele Waren in den zwei Garagen wie vorher. Deshalb lud ich per Facebook und Twitter ein, sich gratis aus dem grossen, verbliebenen Rest zu bedienen. Viele Menschen kamen und füllten Autos voll mit Waren wie einer Spielküche aus Holz, welche mein Schwager für die Kinder selber hergestellt hatte, Haushaltungsgegenständen, Spielen, Bettwaren, CD’s etc. Wiederum einen Tag später fuhr ein Kleintransporter der Brockenstube Stans auf. Leider nahmen sie nur zwei grosse, gefüllte Kartonkisten, ein Heizöfeli und eine handvoll Kinderbücher mit. Zurück blieb immer noch eine grosse Menge an Waren, welche man im Alltag gut verwenden könnte. Ich gab nicht auf und schrieb noch ein paar Dinge wie Stelzen, Steckenpferde, Wecker mit Spielschiessfunktion, Massivholztisch, Pult, Bücher, Spiele zum Verkauf, bzw. zum Verschenken auf Facebook aus. Wiederum meldeten sich einige Leute, welche sich nochmals entweder gratis oder für ein paar Franken bedienen konnten. Gestaunt habe ich über zwei Frauen, welche den Weg per ÖV auf sich nahmen, um sich ein paar Bücher, welche dem Altpapier geweiht waren, zu erbarmen. 😉

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Verblieben sind nun noch ein paar Kleinmöbel, ca. 25 gefüllte Kisten mit diversen Waren, welche ich versuche, Mitte Mai dem Sperrgut zu übergeben. Mich reut es, gewisse Sachen wie intakte Vasen, DVD’s, Knieschoner für Kinder und anderes einfach dem Güsel zu übergeben. 6 Kisten vollgefüllt mit Büchern, werden wir versuchen, der Bücher Brocki Luzern zu übergeben. Morgen holt jemand gratis das Pult aus meiner Kindheit ab und mein Mann bringt heute einer Familie die zwei Steckenpferde und zwei Paar Stelzen vorbei. Vielleicht werde ich im Dorf mal Kinder auf diesen Spielgeräten herumtollen sehen – das wird meine Freude sein!

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Zudem füllten wir unzählige Abfallsäcke, eine Kiste, einen grossen Stoffsack und einen Koffer mit guterhaltenen Kleidern, Bett- und Frottéwäsche, Schuhen, Spielen, Plüschtieren und diversen Sporttaschen, Rucksäcken, Taschen. Dies alles werden wir Mitte April der Kleidersammlung für AVC übergeben. Wir spenden bereits seit Jahrzehnten Waren und Geld für dieses Werk, welche Menschen weltweit, aber vor allem in Osteuropa unterstützt. So eine grosse Menge kam aber bisher bei unserer Familie noch nie zusammen. 😉

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Stichwort Ballast zum Zweiten: das grosse Aufräumen, Entrümpeln, Sichten, Entsorgen, war für mich wie eine Zeitreise zurück in meine Kindheits- und Jugendzeit. Ich bin eine Frau, welche nicht gerne Fotos aus alten Zeiten anschaut. Sie wecken in mir eine Wehmut nach einer vergangenen Zeit und dabei möchte ich doch lieber mein Leben heute leben. Aber es war gut, sich bewusst mit der Vergangenheit konfrontieren zu müssen. Wir haben als Familie viel gelacht, wenn wir 20jährige Videos betrachteten, welche unser 14jähriger digitalisierte oder wenn meine Kinderstimme aus einer alten Kassettenaufnahme ertönte. 😉 Unser Sohn hat gesehen, wie seine 8 und 10 Jahre älteren Schwestern aussahen, klangen und sich bewegten, als sie klein waren oder so alt, wie er jetzt ist. Und etwas ganz Wichtiges ist in meinem Leben geschehen: durch das Lesen alter Briefe wurden meine bisherigen Erinnerungen an meine Kindheit in ein ganz anderes Licht gerückt. Ich wurde geheilt. Es gab Erlebnisse, welche ich meiner Familie im Rückblick ganz anders erzählte, als dass sie sich jetzt in meinen Tagebucheinträgen oder in Briefwechseln darstellen. Meine persönliche Vergangenheit konnte ich auf diese Weise aufarbeiten und das allein war der ganze Aufwand des Räumens wert!