Welche Bergpredigt und Seligpreisungen brauchen wir für die Zukunft?

Die Gesellschaft nimmt das Thema Glaube/Christen heute nur dann wahr, wenn es um den Tod geht oder wenn die Christen gegen etwas sind. Gegen Homosexualität, gegen den Islam, gegen Sex vor der Ehe. Dr. Andreas Walker ist Zukunftsforscher. Er berät Politiker und Wirtschaftsleute zu Fragen zukünftiger Chancen und Risiken. Im Rahmen des Community Weekend der Vineyard, am 8. April 17, warf er Fragen auf wie: „Können christliche Kirchen ihr „Kerngeschäft“ noch erklären in einer Sprache und mit Bildern, welche heute verstanden werden? Was ist christliche Hoffnung?“

Unter der Leitung von Dr. Andreas Walker und Dr. Andreas Krafft hat Swissfuture in Zusammenarbeit mit 20minuten und BILD dieses Jahr zum achten Mal eine Umfrage lanciert. Mit den Ergebnissen wurde das „Hoffnungsbarometer 2017“ erstellt – als hoffnungsvolle Antwort auf die seit über 40 Jahren publizierten «Sorgenbarometer» und «Angstbarometer». Die Fragen gingen in diese Richtung: „Was erwarten Sie vom kommenden Jahr? – Was wünschen Sie sich? Ihre grossen Hoffnungen 2017? Aktivitäten zur Erfüllung dieser Hoffnungen?“ Auf der Rangliste der Hoffnungen ganz zuoberst stehen bei Herr und Frau Schweizer die persönliche Gesundheit, gefolgt von der Hoffnung auf eine glückliche Ehe, Familie, Partnerschaft. Ganz zuunterst auf der Liste rangiert die Hoffnung darauf, religiöse und spirituelle Erfahrungen zu machen.

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Um sich Hoffnungen zu erfüllen, denken die Schweizer gern nach, analysieren Zusammenhänge, übernehmen Selbstverantwortung, sprechen mit Freunden darüber. Nur eine verschwindend kleine Minderheit der Schweizer, besucht eine Kirche, einen Tempel oder Kraftort, um Hoffnung zu schöpfen.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.32.jpegAuch als Hoffnungsträger besetzen Pfarrer/Pfarrerinnen, Priester, Geistliche, Mönche oder Nonnen den Schlussrang, noch hinter den Bankern, Finanz- und Versicherungsfachleuten. Als erste Hoffnungsträger werden Ehepartner oder Lebenspartner genannt. Als zweites setzen die Schweizer ihre Hoffnung auf sich selber.

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Die Umfrageergebnisse lassen den Schluss zu, dass die schweizerische Gesellschaft von uns Christen nichts erwartet. Man setzt keine Hoffnungen auf uns und das Thema Glaube interessiert nicht. Haben wir unseren Mitmenschen, der Schweizer Gesellschaft wirklich nichts zu geben als Christen?

Dr. Andreas Walker hat zusammen mit anderen Zukunftsforschern aus Wirtschaft und Politik festgestellt, dass folgende 4 Schwerpunkte uns in der nahen Zukunft herausfordern werden:

  • Angst/Hoffnung

Der Mensch hat noch nie so lange gelebt, wir haben noch nie soviel Geld gehabt wie heute, aber auch noch nie soviel Angst. Arbeitslosigkeit, Gewalt, Fake News, Attentate, IS, Rechtspopulismus, Angst davor, ob das AHV Geld für die eigene Rente reichen wird, flössen den Schweizern Angst ein. Die Welt verändert sich, aber der Durchschnittschweizer will um jeden Preis die Gegenwart festhalten und nichts verändern.

Dabei haben wir Christen eine Botschaft der Hoffnung. Die Bibel sagt in Johannes 16,33: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Wir müssen nichts bekämpfen, nicht jammernd gegen etwas sein, hingegen vielmehr überwinden. Als Christen sind wir herausgefordert, unseren Mitmenschen zuzuhören, zu erfahren, was ihre Ängste sind und tragen zu helfen. Die christliche Botschaft, welche wir den Menschen zu geben haben, lautet: „Du musst nicht alleine sein!“

Die Bibel sagt: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe“ 1. Korinther 13, 13 Christen haben in der Vergangenheit laut Aussage von Dr. Walker zu lange und zu rechthaberisch und aggressiv über theologische Unterschiede gestritten. Darüber, was „richtiger“ Glaube ist, wurde zu Genüge diskutiert. Das Thema Glaube ist wie das dritte Standbein eines Dreihöckers. Weil wir uns zu lange auf dieses Thema konzentrierten, sind wir Christen aus der Balance geraten.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.37.jpegDeshalb sollten wir uns in Zukunft stärker auf die Hoffnung und die Liebe konzentrieren, um die Balance wieder herzustellen. Die Hoffnung sagt, wir bleiben dran, wir stehen auf und gehen weiter. Geduld und Langmut sind Geschwister der Hoffnung. „Glaube an das Morgen, auch wenn das Heute dich überfordert“, sagt Walker. Dies ist die christliche Botschaft an unsere angstgeplagte Schweizer Mitbevölkerung.

  • Langlebigkeit

Zwischen 1880 bis heute hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen verdoppelt.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.41.jpegIm Jahr 2030 werden ein Drittel der Schweizer Bevölkerung 60 Jahre und älter sein. Sah ein Leben früher so aus, dass man 15 Jahre lang ein Kind war, dann bis 65 arbeitete und etwa 70 Lebensjahre zu erwarten hatte, sieht ein Lebenszyklus heute so aus: 30 Jahre bis der Mensch mit dem Studium fertig und bereit zur Elternschaft ist, 30 Jahre Berufs- und Familienleben und 30 Jahre lang ein fittes Alter geniessen. Dr. Walker meint, wir sollten für die Zukunft mehr Senioren- statt Jugendpastoren ausbilden, denn die Fragen, Sorgen, Bedürfnisse aber auch Möglichkeiten dieser Gesellschaftsmehrheit werde uns als Christen herausfordern.

  • Globale Migration

Dieses Thema fordert uns Christen heraus, Versöhnung zu leben. Trennendes soll überwunden werden. Es wird eine Globalisierung des Christentums geben, eine Herausbildung eines grenzsprengenden, überkonfessionell christlichen Milieus. Die Christengemeinschaft wird neu herausfinden müssen, was „christlich“ ist, ohne sich ausschliesslich in der „Dagegen-Form“ zu definieren. (Gegen den Koran, gegen…)

  • Digitalisierung

Die Digitalisierung ist sowohl Chance wie Auftrag für uns Christen. Die Frage: „Ist ein Roboter der bessere Mensch?“, stellt Christen vor eine Herausforderung. Was macht den Menschen zum Menschen, im Gegensatz zum Roboter? Was ist der Sinn des Lebens? Wer kennt und versteht mich? Was ist ein Gott? Was ist ein Herz – ich habe doch für alles meinen Computer? Was macht meine Identität aus? Warum sollte ich Gott brauchen, wenn doch der Computer alles für mich erledigen kann, wenn die „künstliche Intelligenz“ alles weiss – bis hin zur perfekten Partnerwahl?

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Die Abschlussfrage Walkers: „Wie schafft ihr „christliche Kompetenzen“ für gesellschaftsrelevante Zukunftsfragen?“ ist nicht so auf die Schnelle zu beantworten, sondern wird eine Knacknuss für die Zukunft sein.WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.46.jpeg

Die Welt sollte still stehen – Am Morgen geschrieben, am Abend bebte die Erde

Ich höre Lachen vor unserer Wohnung. Menschen plaudern miteinander. Auch auf Twitter und Facebook tauschen sie sich aus, über Trump, Montage, Husten, den vergangenen Tatort und über die Basler Fasnacht. Die Welt dreht sich ganz normal weiter. Die Leute gehen ihrer Arbeit nach, kochen, putzen, fahren Auto oder ÖV, hören Musik – leben und lieben ihr Leben, ihre Beziehungen. Dabei sollte sie eigentlich still stehen, die Welt. Sie sollte sich aufhören zu drehen, langsam knirschend zum Stillstand kommen und mit mir zusammen seufzen.

Mein Mann beginnt heute die Chemo. Bisher schaffte ich es manchmal, die schlechten Blutwerte, welche ja nur auf Papier da stehen, zu ignorieren. Was haben uns schon Blutwerte zu sagen, wenn mein Mann zwar abnimmt und sich von einer Erkältung nicht erholt, aber dennoch noch Ski fahren und in die Turnstunde fahren mag? Wenn er weiterhin liebevoll und fürsorglich für mich und seine Familie da ist und wir keinerlei Veränderungen feststellen, Gott-sei-Dank? Aber der Therapiebeginn stellt uns, wie jeder vergangene Arztbesuch die Dramatik und den Schweregrad der Krankheit vor Augen. Einerseits habe ich das Gefühl: so – endlich geht was vorwärts und er kann gesund werden. Andererseits heisst „Chemo“ nicht, dass da einfach Wasser durch seine Adern gelassen wird. Eine unbehandelte Leukämie und eine, bei der alle Therapiemassnahmen versagen, ist todbringend.

Manchmal lag ich in der letzten Zeit am Boden – noch bevor die Behandlung begann. Mir verschlug die Diagnose buchstäblich den Atem. Ich ringe um Luft, wenn ich spazieren gehe und fühle mich auch sonst einfach nur erschlagen. Innerhalb einer Woche haben mein Mann und ich je 3 Kilo abgenommen. Nicht, weil ich nicht gut kochen würde – glaub, denn sonst würde unser Sohnemann nicht derart zuschlagen. 😉 Mein Mann nimmt krankheitsbedingt ab und ich vor lauter Mit-Leid. Ich kenne das von mir: wann immer jemand der Familie krank ist, kriege ich dieselben Symptome, aber meist, ohne wirklich an derselben Krankheit ernsthaft zu erkranken. Einfach aus Empathie… Mein Mann ist es, der mich jeweils ermutigt, mich versteht, verwöhnt, geduldig und vorwurfsfrei ist. Ich glaube, einen solch lieben Mann, wie er mir geschenkt wurde, gibt es nirgendwo sonst. Er ist ein Geschenk Gottes und ich möchte das Leben noch so lange Jahrzehnte mit ihm zusammen geniessen können.

Ich möchte noch so lange mit ihm zusammen lachen.. Mit ihm plaudern und beten. Mit ihm zusammen austauschen über Trump, Montage, Husten, den vergangenen Tatort und über die Basler Fasnacht. Ich möchte mit ihm zusammen die Welt entdecken, welche sich hoffentlich noch lange weiter dreht. Ich hoffe, dass wir die USA Reise antreten können, welche wir bereits gebucht haben, bevor uns die Diagnose traf. Jeder von uns soll seiner geliebten Arbeit nachgehen und wir werden uns weiterhin darüber austauschen – er wird mein Erstleser sein für meine Artikel und ich werde ihn ab und zu an der Arbeitsstelle besuchen, wie bisher. Wir werden zusammen den Haushalt schmeissen, Familienfeste feiern, miteinander Konzerte geniessen, Filme schauen und darüber austauschen, unsere 30ig jährige Ehe feiern. Hoffentlich.

Nachtrag: fast unheimlich: heute Abend stand die Welt zwar nicht still, aber die Erde hat gebebt. Bei uns war es so, wie wenn ein Riese kurz das ganze Haus hochheben , raus aus den Angeln, etwas hin- und herschütteln und dann wieder unsanft niedersetzen würde. Bücher fielen aus dem Regal. Dachte zuerst, es sei einfach ein heftiger Windstoss gewesen. Aber dann begann unser Familienchat heiss zu laufen, denn auch in den Nachbardörfern war es spürbar und andere fragten mich auch per Whatsapp, ob ich was gespürt hätte…


Ich habe mit gott geredet darüber und ich meine, ihn so gehört zu haben:
„egal welche ursache dieses erdbeben hatte, dir persönlich soll es erstens als symbolik dienen, dass ich für dich die erde anhalten würde, wäre dir damit wirklich gedient. Ich habe das universum für dich aus lauter liebe angehalten, als jesus für dich starb. Das ganze universum hielt die luft an. Aus liebe und wertschätzung für dich. Jetzt trifft dich die erkrankung andys wie ein erdbeben. Du wirst zutiefst erschüttert und durcheinander gebracht. Dadurch stürzen festungen ein (!!) aber sei gewiss, mich selber kann nichts erschüttern. Ich bin betroffen und fühle mit dir. Aber nichts hebt mein reich aus den angeln. Steh im erdbeben auf meinem fundament. Es zerfällt nicht. Es hält ALLEM stand. Du wirst keinen schaden nehmen.“

Mehr oder weniger ermutigend

Es ist schön, dass unsere Mitmenschen Anteil nehmen an der Krebsdiagnose meines Mannes. Viele bieten ihre Hilfe an. Noch wüsste ich nicht, worin sie helfen könnten – aber wer weiss. Bei Bedarf (vielleicht Fahrdienste?) komme ich gern darauf zurück. Mir helfen Einladungen zum Käffelen (Kaffee trinken) oder Spazieren gehen, um plaudern zu können. Kürzlich durfte ich bei einer guten Bekannten aufs Klangbett (Monochrom) liegen. Wie wohl mir das tat! Auch eine Ganzkörpermassage konnte ich kürzlich geniessen (ein Weihnachtsgeschenk meines Mannes) und das half, abzuschalten. Ja, ich weiss, es geht nicht um mich. Nicht ich bin betroffen von dieser fiesen Krankheit, aber doch irgendwie auch – als Angehörige. Ich höre von vielen Seiten: „nun musst du stark sein, du sollst ein Hoffnungsträger sein für deinen Mann.“ Lieb gemeint – aber es könnte mich unter Druck setzen. Tut es zum Glück nicht. Dennoch: etwas Wahres hat es – wenn ich hoffnungslos und am Boden zerstört bin, dann hilft das meinem Mann bestimmt nicht. Ich habe mir vorgenommen, während des kommenden halben Jahres (solange ist die Chemo geplant), immer wieder Oasen zum Auftanken für mich zu suchen. Gut getan haben mir natürlich auch die Ferien, welche wir Gott-sei-Dank letzte Woche als ganze Familie gemeinsam erleben durften. Wir konnten alle 5 so richtig Kraft tanken und den Zusammenhalt stärken, für die bestimmt harte, herausfordernde Zeit, welche uns bevorsteht.

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Was mir überhaupt nicht hilft, sind die vielen tragischen Filmbeiträge und Medienberichte, welche über Todesfälle bei Krebserkrankten berichten. So wie am Samstag bei Happy Day. Es ist mir klar, dass eine solche Sendung auf Tränendrüsen drücken muss – es ist ihr Konzept. Und es war ja auch total schön, wie dieser Familie geholfen wurde, welche grad zwei Todesfälle aufgrund der Krebskrankheit zu beklagen hatten. Nur – mir vermittelt es die Botschaft: an Krebs stirbt man. Man kann es nicht überleben. Auch mein Mann war nach dieser Sendung „duch“ (bedrückt). Ich getraue mich fast nicht mehr, den Fernseher einzuschalten, denn achtet euch mal selber: soviele Filme handeln davon, wie jemand auf tragische Weise einen geliebten Mitmenschen durch Krebs verliert. Kürzlich wollten wir uns als Familie etwas Besonderes gönnen und besuchten deshalb das Theater Buochs. Wir hörten, die „Kaländer Girls“ seien dieses Jahr eine besonders gelungene Inszenierung. Mein Mann, unser Sohn und ich aber standen in der Pause bloss bedrückt herum und fuhren nach dem Theaterabend schweigend heim. Wir wussten zwar, dass das Stück einen Krebstodesfall zum Inhalt hat. Wir meinten aber, das Stück starte mit dem Tod des Ehmanns und dann sei es nur noch lustig. Dass der tragische Zerfall des Erkrankten derart eindrücklich, emotional dargestellt wird und vor allem über so eine lange Strecke, das wussten wir nicht. Für uns Betroffene war es zu hart. Klar gab es auch lustige Szenen, aber das Dramatische und Tieftraurige der Krebserkrankung und des Todesfalles überwog. Wir wünschten uns, wir hätten diesen Abend zuhause verbracht bei einem lustigen Gesellschaftsspiel. Ich hätte es geschätzt im Vorfeld zu hören: „sei dir bewusst, der Kampf mit der Krebserkrankung, das langsame Sterben und der Tod, nehmen einen grossen Teil des Theaterstücks ein.“ Stattdessen hörten wir: „geht doch dorthin, es wird euch gut tun, einen Abend lang lachen zu können. Die Schauspieler sind zum Schiessen lustig, waren noch nie so gut…“ Ich glaube, sovieles ist Nichtbetroffenen überhaupt nicht bewusst und deshalb hier diese Zeilen. Gut gemeint, aber es war nicht hilfreich.

Glaubt mir, es hilft mir auch nicht, wenn ihr mir von Bekannten, Verwandten erzählt, welche ebenfalls an Krebs gestorben sind. Vielleicht sehe ich so stark aus, dass man meint, ich könne nun noch ausführliche Schilderungen ertragen von Verlusten, welche ihr erlitten habt. Aber ich bin es nicht. Ich ertrage es ihm Moment nicht. Meine Haut ist dünnhäutig. Wenn ihr mir einen Gefallen tun wollt, dann erzählt von Menschen, welche durch die Chemo vom Krebs geheilt wurden. Denn ich höre wirklich fast ausschliesslich, dass der Krebs über das Leben siegte. Eine einzige Blognachricht erreichte mich mit einer positiven, mutmachenden Erfahrungsgeschichte. Danke Soja Koala. „Ja aber Chemo“, sagt man uns, „das ist dann nicht das Allerweltheilmittel. Dein Mann sollte das Produkt XY nehmen. Keines ist so gut wie das und es hilft und heilt wirklich von Krebs. Und eine Ernährungsumstellung muss auch zwingend sein.“ Lasst euch sagen: wenn wir einen Rat brauchen, dann fragen wir euch oder Google. Die vielen Ratschläge verunsichern uns und das Abklären, ob das Produkt XY nicht doch helfen könnte oder lieber das andere, welches auch als das einzig wahre angepriesen wird, nämlich das YZ, nicht doch wirksamer wäre, zerrt an Kraft und ist aufwändig.

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Wir sind gut abgedeckt an ärztlicher Betreuung. Da ist unser gemeinsamer Hausarzt, dann der Facharzt am Kantonsspital Luzern und zusätzlich sind wir bei Paramed. Mein Mann wird hochwertige Vitamine und Mineralstoffe erhalten, zur Unterstützung der Chemotherapie. Ob wir dies oder jenes tun oder anderes lassen – wir sind der festen Überzeugung, dass unsere Leben in Gottes Hand sind. Wir lassen uns von IHM leiten – und ER könnte sofort heilen – auch ohne Chemo und all das. Wir nehmen in Anspruch, was an ärztlicher Hilfe da ist. Aber ich glaube kaum, dass Gott so fies wäre, meinen Mann zu sich zu nehmen, nur weil wir keine Ernährungsumstellung vorgenommen hätten oder mein Mann das eine, einzig wirksame Präparat einzunehmen verpasste. 

Schön sind Zeilen der Anteilnahme, welche uns über Whatsapp, Facebook, Twitter oder per Post erreichen. Zum Beispiel das hier:

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Jede Zeile zeigt, dass sich ein Mensch, der doch bestimmt selber genügend herausgefordert ist mit seinem persönlichen Leben, sich Zeit genommen hat und sich überlegt hat, wie er uns ermutigen könnte. Telefonate mag ich nach wie vor nicht. Danke fürs Verständnis. 😉 Was mir immer ganz speziell gut tut, ist, wenn jemand ganz einfach bei einer persönlichen Begegnung fragt: „Wie geht es dir in dieser Situation – erzähl mal.“ Und was mir persönlich auch gut tut, sind Links zu ermutigenden Lobpreisliedern und Gebetsunterstützungen.

Sowas zum Beispiel, tut mir gut:

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Aber auf derselben Seite stand ein Zitat, dass es Sünde sei und sich okkult belaste, wenn man Homöopathie verwende. Dazu möchte ich sagen, dass ich es mit der Meinung der Vereinigung Christlicher Heilpraktiker halte.

Auf einer anderen Facebookseite steht, dass es Sünde sei, wenn man jammere. Also meine Mitchristen ermutigen mich manchmal und handkehrum können sie einem das Leben schwer machen. 😉

Vor ein paar Tagen überfielen mich plötzlich Ängste, weil ich statistische Zahlen zur Komplettheilung negativ auswertete. Ich fragte meinen Hausarzt, der mich seit 30 Jahren rundum betreut und im selben Tennisclub wie mein Mann und daher mit ihm per Du ist. Hier ist seine so wohltuende Antwort:

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Danke, dass ihr uns nicht vergesst in all euren Freuden des Alltags. Am 6. März startet nun die Chemo für meinen Mann….

Eines Tages sterben wir – aber an allen anderen Tagen nicht.

Eines Tages sterben wir – aber an allen anderen Tagen nicht.

Kurz vor Weihnachten erhielt mein Mann die Diagnose CLL. Altersleukämie. Nach dem ersten Schock erholten wir uns, denn wenn man googelt, ist der 1. Treffer Köbi Kuhn, welcher Entwarnung gibt. Er lebt seit 3 Jahren gut mit dieser Diagnose. Viele Menschen in unserem Umfeld, welche von der Diagnose meines Mannes hörten, beruhigten uns dann auch in diese Richtung. Lieb gemeint. Nur ist erstens Köbi Kuhn 20 Jahre älter als mein Mann und fällt somit in die Statistik, nach dem die CLL hauptsächlich Männer ab 70 ig trifft. Wenn dann solche Menschen noch 10 oder vielleicht ein paar Jahre länger leben können, ist das für sie ein Glück. Wenn mein Mann das Glück hat, noch 10 Jahre leben zu können, hätte er noch nicht mal das Pensionsalter erreicht. Zweitens verläuft die Krankheit bei meinem Mann aggressiver. Die CLL wird in die Stufen A, B, C eingeteilt. Nach der ersten Untersuchung im Spital Stans, hiess es, er sei in der Stufe A. Wir atmeten auf. Denn dies hätte bedeutet, dass über Jahre bloss die Blutwerte hätten kontrolliert werden müssen – ohne Therapiebedarf. Am 6. Januar 2017 hatten wir unser erstes Gespräch und Untersuch im Kantonsspital Luzern. Dort hiess es, mein Mann sei in der Stufe B. Ein Schock. Denn das bedeutet, dass ein Therapiebedarf in nächster Zeit gegeben sein könnte. Doch es kam schlimmer – ein weiterer Schlag: im Arztbericht des Spezialisten an den Hausarzt schrieb er mehrfach von Stufe C. Wir konnten es irgendwie gar nicht glauben – aber es ist Tatsache. Das heisst, die Krankheit verläuft aktiv, die Blutwerte verschlechtern sich drastisch. Deshalb ist eine Chemo- und eine Antikörpertherapie ab März nun unumgänglich. Zusätzlich hoffen wir auf eine Unterstützung per Komplementärmedizin und sind bei Paramed angemeldet. Wie das finanziell mit unserer Versicherung aussehen wird. wissen wir noch nicht.

Was bewirkt diese Situation in uns? Mein Mann, der Betroffene, ist seit Diagnosestellung in einer Ruhe, Gelassenheit und Zuversicht. Er meint, es bringe nichts, sich Sorgen zu machen, sondern wir sollen das Leben nun erst recht geniessen, solange wir das könnten. Ein Wunder ist, dass er ausser schlechten Blutwerten, keine Beschwerden hat. Ok – zur Zeit leidet er zwar unter Husten. Aber er kann skifahren, wandern, in die Turnstunden gehen – ohne Einschränkung. Rabenau in der heutigen Zeitung

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trifft es also. Was die Chemo angeht, macht er sich im voraus keine Gedanken. Er lässt es auf sich zukommen und nimmt Tag für Tag. Ich habe ein Bild von Snoopy gesehen und wollte es posten, aber ich weiss nicht, ob dessen Verwendung auf meinem Blog legal ist. Deshalb hier einfach ein Link dazu. Mein Mann ist wie der Snoopy – und ich wie Charlie Brown. An manchen Tagen bin ich zuversichtlich, fühle mich getragen – oder verdränge erfolgreich die Situation. An anderen Tagen bin ich sorgenvoll, fühle mich einsam und tieftraurig. Ich möchte doch noch soviele Jahre mit meinem geliebten Mann zusammen verbringen! Noch soviel mit ihm entdecken. Wir sind ein derart tolles Team. Ohne ihn kann ich mir das Leben gar nicht vorstellen. 😦 Dieses Jahr feiern wir unseren 30 igsten Hochzeitstag… Im Grunde genommen wollten wir uns deshalb eine USA Reise gönnen, welche wir schon lange gebucht haben… 😦 Mir hilft in tieftraurigen, einsamen Momenten, das Wissen, dass viele Menschen für uns beten, die Zuflucht zu Gott im Gebet, Bibellesen und Lobpreislieder singen und auch Postkarten, Besuche von lieben Menschen oder Einladungen zu Freunden, sind Lichtblicke. Kein Mensch kann rund um die Uhr für mich da sein, auch wenn mir viele Menschen im Umfeld versichert haben, sie seien für mich/uns da. So gibt es dennoch Momente der Einsamkeit, in denen ich froh bin, meine Traurigkeit und meine Ängste zu Gott bringen zu können. Denn ER kann das, was kein Mensch kann: rund um die Uhr da sein für mich. Er schläft und schlummert nicht. Seine Sprechstundenzeit ist immer JETZT.

Das Gebetsanliegen, welches mir zur Zeit am nächsten liegt ist, dass wir als Familie unsere Ferien in Oesterreich antreten könnten. (Ende Februar) Wir haben vor etwa einem halben Jahr gebucht. Ob mein Mann reisefähig sein wird, entscheidet der Arzt 3 Tage vor Ferienbeginn. :-O

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Ich versuche es – diese Zuversicht und dieses Vertrauen festzuhalten….

Danke allen, welche uns in irgend einer Form mittragen.

 

Zu Weihnachten gibts Diagnose Krebs

Zu Weihnachten gibts Diagnose Krebs

Krebs, das war für mich schon immer ein Schreckenswort.

Meine damals 18 jährige Cousine starb innert Tagen an Leukämie. Das war damals ein Riesenschock für mich.
Als ich ein Teenie war, erkrankte meine Mutter an Krebs. Wir wussten nicht, ob sie’s überlebt. Meine Schulleistungen gingen den Bach runter und niemand fragte nach dem Grund. Meine Lehrerin fand, bei mir seien „Hopfen und Malz verloren“, als ich eine einfache Geometriaufgabe an der Tafel nicht lösen konnte und stattdessen vor der gesamten Klasse in Schluchzen ausbrach. Meine Mutter wurde geheilt. Für uns ein Wunder. Aber vorher war es wochenlang eine ganz schlimme Zeit der Ungewissheit. Und ich war als Kind allein mit allen Ängsten.
Mein Schwiegervater hatte Magenkrebs – ihm musste der gesamte Magen entfernt werden.
In unserer Familie ist Hautkrebs seit Jahrzehnten ein Thema. Wir kennen sämtliche Hautkrebsarten aus eigenen Erfahrungen, gut- und bösartige Flecken, welche aber bisher gut entfernt werden konnten. Meine Mutter hatte mal ein Melanom der ganz schlimmsten Art – und wurde wieder geheilt. Meinem Vater (verstorben im Oktober 15) musste ein grosser, bösartiger Tumor am Kiefer entfernt werden. Damit begann seine grosse Leidenszeit.
Mit einer lieben Bekannten fieberten wir über Jahre nach der ersten Brust-OP aufgrund von Brustkrebs. Sie verlor den Kampf leider.
Ein befreundeter Jugendpastor kämpft ebenfalls seit Jahren mit diesem Ungetüm. Er hat alle düsteren Prognosen der Ärzte überlebt. Sein Zustand ist momentan stabil, aber geheilt ist er nicht.

Und nun das: mein geliebter Mann hat am 19. Dezember die Diagnose Leukämie erhalten. Pünktlich auf die Weihnachtszeit, wenn man sich auf „oh du Fröhliche“ einstimmen möchte. Ein Schock. Es klingt so unreal und ist doch brutale Realität. Dabei wollten wir zusammen alt und grau werden. Mindestens 90ig. Und wir haben für den Juli 2017 eine dreiwöchige USA Reise gebucht. Zu unserem 30. Hochzeitstag, der nächstes Jahr stattfindet. Auf einen Schlag in die Magengrube ist alles ungewiss. Werden wir den 30. Hochzeitstag noch miteinander feiern können? Falls ja: wie wird der Gesundheitszustand meines Mannes dann sein? Können wir noch irgendwelche Pläne miteinander machen? Uns noch auf etwas freuen, das in der Zukunft liegt? Ich wollte die Reise annullieren, aber mein Mann sagte: „Jetzt erst recht. Wir feiern und geniessen das Leben und die Liebe, solange es geht.“

Er ist derjenige, der von dieser fiesen Krankheit betroffen ist und bleibt gelassen. Manchmal ist er etwas „duuuch“, aber das kann auch nur die Müdigkeit sein, welche vielleicht aufgrund der Krankheit vermehrt spürbar ist. Sonst spürt er noch keine Beschwerden. Wir hoffen, dass dies möglichst lange so bleibt. Die Altersleukämie betrifft laut Statistik vor allem Männer ab 70. Wie fies für einen 54 jährigen. Sie verläuft nicht so aggressiv wie in jungen Jahren. Köbi Kuhn, welcher seit 3 Jahren mit dieser Krankheit lebt, schenkt mir Hoffnung. Doch genaue Prognosen über die zu erwartende Lebenszeit und über den Krankheitsverlauf, kann niemand geben, zumal das Infektionsrisiko aufgrund der zu grossen Menge an weissen Blutkörperchen erhöht ist.

Ich weiss, dass unsere Leben in Gottes Hand liegen. Manchmal aber überkommt mich eine riesengrosse Angst. Ich will meinen Mann nicht verlieren. Wir lieben uns, sind glücklich verheiratet. Gerade in den letzten paar Monaten verspürten wir die Dankbarkeit über unsere Beziehung vermehrt. Mein Mann deckte mich mit Zärtlichkeiten ein und versicherte mir, wie hübsch ich sei. Wir kennen einander durch und durch. Müssen einander fast nicht mal mehr anschauen, um zu spüren, wie es dem anderen geht, geschweige denn etwas sagen – wir wissen es so oder so. Ich habe vor ein paar Wochen bereits Veränderungen an A. festgestellt und ihn gefragt, ob er sich fiebrig oder sonst krank fühle. Auch unser Kater lag in letzter Zeit vermehrt ganz laut schnurrend bei ihm. Ich möchte nie ohne meinen Liebsten leben. Die Angst vermischt sich mit einer grossen Traurigkeit. Vorgestern liefen mir im Postauto auf einmal Tränen die Wangen runter. Ich konnte sie nicht stoppen. Ich glaube, es hat niemand von den anderen Fahrgästen was bemerkt.

Was wird auf uns zukommen? Ich weiss nicht, ob ich das jetzt überhaupt wissen möchte. Lieber jetzt jeden Tag für sich allein nehmen. Die gegenseitige Liebe geniessen. Aber das ist leichter gesagt, als getan – mit dem Damoklesschwert der Krankheit und des Todes über uns. Klar, jeder weiss, dass er mal gehen muss von dieser Erde. Aber 54 Jahre – das ist doch noch kein Alter, oder? Wir glauben, dass Gott heilen kann – nur wird er es tun, will er es tun? Ich bitte an dieser Stelle, uns von geistlichen Belehrungen zu verschonen. Unser Glaube ist stark und das theologische Wissen gross. Zudem sind wir gut betreut durch die Vineyard Luzern.

Das genaue Ausmass des Krankheitsbefalls wissen wir übrigens noch nicht genau. Mein Mann hat eine Untersuchung beim Hausarzt und zwei im Kantonsspital Stans hinter sich. Wir warten als nächstes auf ein Aufgebot zu einer noch genaueren Untersuchung in der Onkologie des Kantonsspitals Luzern.Diese sollte nächste Woche statt finden.

Wir werden Weihnachten feiern. Denn sie mag vielleicht nicht so unbeschwert sein wie früher, aber der Sinn von Weihnachten wird durch die Krankheit nicht genommen. Das Licht kam in die grösste Dunkelheit. Ohne Jesus wäre alles nichts.

Advent und Weihnachten ist wie ein Schlüsselloch, durch das auf unsren dunklen Erdenweg ein Schein aus der Heimat fällt.
Friedrich von Bodelschwingh
deutscher Pastor und Theologe
* 06.03.1831, † 02.04.1910

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Dieses Bild entstand im Februar dieses Jahres. Es zeigt Seifenblasen auf der Hand meines Mannes. Mein Beitrag wurde im Buch von Fatima Vidal „Dieser Moment“ veröffentlicht.