Non arrivederci Italia – nicht Aufwiedersehen Italien

Non arrivederci Italia – nicht Aufwiedersehen Italien

Es sollten gemütliche Ostertage werden in Olgiate Olona, Italien für uns als fünfköpfige Familie plus dem Freund der mittleren Tochter. Es wurde ein Alptraum, der uns 6 zum Schluss kommen liess: nie mehr Italien!

„Warum um Himmels willen, verreist ihr über die Ostertage in den Süden?“ fragten uns Verwandte und Bekannte. Von wegen Stau und so. Es war der Wunsch meines Mannes, den Comersee zu erleben. Er suchte ein auf booking.com gut bewertetes Hotel geographisch in der Mitte zwischen Como und Mailand gelegen aus.

Um den Osterstau in den Süden zu umfahren, starteten wir am Karfreitag früh mit zwei Autos um 5.30 Uhr. Vor Erstfeld verliessen wir die Autobahn und genossen unsere Pässefahrt über den Oberalp und Lukmanier. Die ersten Sonnenstrahlen auf den Bergen, die Natur – alles war traumhaft. Nur mein Mann neben mir musste sich noch von der letzten Chemoeinheit erholen. Es war ihm etwas übel – aber nicht mehr so stark wie am Gründonnerstag und er war sehr müde.

Im Hotel angekommen, waren wir zu früh dran mit Einchecken. Die Zimmer waren noch nicht bezugsbereit. Die Dame an der Rezeption empfahl uns, per Park and Rail ins Zentrum von Milano/Mailand zu fahren. Lampugnano hiess der empfohlene Parkplatz. Er war günstig und überwacht per Kamera, Schranke und Parkdienstmitarbeitern vor Ort. Im Zentrum von Milano angekommen, hielten wir uns nur in der Viktor – Emanuel – Passage und dem Domplatz auf, wo wir etwas zu Mittag assen. Mein Mann schlief dabei ein und wir entschlossen, zu Zweit das Hotel aufzusuchen, wo man mittlerweile einchecken konnten. Die anderen 4 wollten noch etwas in Milano verbleiben. Auf dem Parkplatz angekommen, fielen uns sofort alkoholisierte, verwahrloste Menschen auf. Einer drängte sich uns auf als „Hilfe“ beim Parkticket bezahlen, gegen Almosen. Beim Auto angekommen, sahen wir die „Bescherung“: die Autoscheibe war eingeschlagen und unser grosser Koffer fehlte.

WhatsApp Image 2017-04-14 at 19.59.55.jpeg

Seltsamerweise haben die Diebe nicht alles mitgenommen. So lagen noch Sandwiches, die Nackenrolle meines Mannes, seine Medikamente (!!), das Badezeugs (Tücher und Badebekleidung) im Auto. Auch das fahrlässig zurückgelassene iPad unseres Sohnes übersahen sie, wahrscheinlich, weil es in einem unscheinbaren Stoffsack verpackt war. Es musste wohl schnell gehen bei denen, denn ein T-Shirt unseres Sohnes lag noch vor dem Auto draussen herum. Dasselbe mit eingeschlagener Scheibe war auch bei unserem zweiten Auto der Fall. Ich dachte in diesem Moment nur noch: „Schnell weg hier, der Ort ist mir zu ungeheuer und mein Mann soll sich im Hotelzimmer ausruhen können. Unser Hotel ist ein 4 Sternhotel, da wird man sich vollumfänglich um uns kümmern. Die Polizei rufen, uns beraten wegen dem Autoschaden. Sich um seine Gäste zu kümmern, das gehört sich doch für ein 4 Sternhotel.“ So dachte ich jedenfalls. Damals.

Unterwegs telefonierte ich unseren Kindern und schilderte ihnen den Vorfall. Sie machten es mir später zum Vorwurf, dass wir nicht zusammen das weitere Vorgehen besprochen hatten und miteinander die Polizei und eine Garage aufgesucht hatten. So musste jede Partei dies selber erledigen. Ich handelte im Schockzustand und mein Mann war gesundheitlich eh angeschlagen.

Im Hotel angekommen, lächelte der Rezeptionist bloss die ganze Zeit, als wir ihm unser Schreckerlebnis erzählten. Selbst als ich ihn darauf ansprach, dass es nichts zum Lachen gäbe, lächelte er weiter. Ich glaube, der ist so trainiert, auf dieses Dauersmiley. Er teilte uns mit, dass die Carabinieri in Italien nie, aber auch wirklich nie an den Ort eines Geschehens komme, sondern wir müssten eine Polizeiposten aufsuchen. Nochmals 15 Minuten Autofahrt – und mein Mann wäre gern einfach aufs Bett gelegen, zeigte dies aber leider nicht vor dem Rezeptionisten. Ich wäre beharrlicher gewesen, dass Hilfe zu uns hätte kommen sollen. Oder zumindest, dass das Hotel einen Dolmetscher für uns aufgeboten hätte. Denn der lächelnde Herr am Hotelempfang beschied uns, dass auf dem Polizeiposten wohl ausschliesslich Italienisch gesprochen werde. Ich sagte ihm, dass ich zwar un pochettino (ein kleines Bisschen) Italiano verstehe und noch weniger sprechen würde, aber dass meine Sprachkenntnisse niemals ausreichen würden, um so ein Geschehen zu schildern. Seine Antwort? Ihr errät es: ein Lächeln. Er gab uns die Adresse des Carabinieripostens bekannt – das war dann seine ganze Hilfe. Dort auf dem Posten war man zwar nett zu uns, aber es war gleichzeitig auch eine Katastrophe. Der Computer dieser Carabinieri war wohl seit Tagen oder gar Wochen nicht aufgeschaltet worden, denn nach dem Starten (!) waren eine Reihe an Updates dran. Dieser Prozedere brach der freundliche Carabinieri nach etwa 5 Minuten ab und begann mit zwei Fingern den Rapport zu tippen. Zwischendurch zeigte er mir ganz stolz ein Stoffabzeichen. Dies hätte er sich verdient, weil er im Tessin einen Englischkurs belegte. Er war der einzige der Belegschaft, der un pochettino Englisch sprach. Wo die nächste Garage sei, welche uns das Fenster provisorisch abdecken könne, konnte er uns nicht sagen. Er verstand die Frage auch beim fünften Mal auf jede erdenkliche Variante gestellt, nicht. Wir fanden dann selber eine und das Fenster wurde gegen 80 Euro sehr gut provisorisch mit Plexiglas gedeckt.

Der ganze Aufwand kostete uns 3 Stunden Zeit und Nerven. Den anderen Familienmitgliedern 4 Stunden und noch mehr Nerven. Denn auf dem Polizeiposten, welchen sie aufsuchten, konnte niemand auch nur ein bisschen Englisch sprechen. Alles Verständigen geschah via Google Translator. Wirklich Hilfe erfuhren sie bloss, indem sie der Schweizer Polizei anriefen. Das gibt eine teure Telefonrechnung. Wie kann es sein, dass die Polizei in Italien keine Fremdsprache beherrscht? Bei uns muss für so einen Posten Mehrsprachigkeit vorgewiesen werden.

Mittlerweile wurde es spät. Aber das Hotelpersonal fragte nicht, ob sie uns mit Zahnbürsten und dem Nötigsten für eine Nacht aushelfen könnten. Als wir ihnen schilderten, wie es uns auf der Polizei und Garage ergangen war und nochmals unser Verständnis darüber ausdrückten, dass die Polizei nicht an den Ort des Geschehens ausrückte, meinte der Angestellte bloss, Italien habe ganz andere Probleme. Mag sein. Aber wenn sie sich nicht um die Probleme ihrer Gäste kümmern können, haben sie keine Touristen verdient.

Die Nacht war laut. Auf dem Flur unterhielten sich italienische Familien mit kleinen Kindern lautstark bis weit nach Mitternacht hinaus. Erst als ich „Silenzio per favore!“ (Ruhe!) in den Gang schrie, klappte es plötzlich mit der Ruhe. Nur, um 7 Uhr wieder mit demselben Palaver zu starten. Es ist mir ein Rätsel, warum man den Flur nicht benutzt, um einfach schnell in sein Zimmer zu kommen und nicht daran denkt, dass andere vielleicht schlafen möchten.

Das Frühstücksbuffet hatte bis 10.30 Uhr offen. Eine Stunde vorher mussten wir uns etwas zusammenkramen aus den unappetitlichen Resten. Kein Brot, keine Rühreier, keine Gläser für Orangensaft waren vorhanden.

Als wir zwei Tische zusammenstellten, damit wir 6 beisammen sitzen konnten und das weitere Vorgehen besprechen konnten, schnauzte uns ein Kellner an. Doch diese zwei Tische behinderten überhaupt niemanden. Jeder konnte problemlos an uns vorbeikommen. Der Kellner schmiss uns das Besteck hässig auf den Tisch. Ich konnte es kaum glauben! „Wir sind hier in einem 4 Sternhotel?“ fragte ich ihn. Er bejahte. „Nein, das sind wir nicht“, antwortete ich. Von da an ignorierte er mich komplett.

Wir waren auch sonst nicht rundum zufrieden mit dem Hotel. Eine ausführliche Bewertung findet ihr mittlerweile auf Tripadvisor, Booking.com, Google, Facebook und holidaycheck. Das Kommentieren und Bewerten auf Social Media wollten mir Damen von der Rezeption verbieten!

An diesem ersten Morgen verliess uns der Freund unserer Tochter. Ihm war das Ganze verleidet. Wir als Kernfamilie verblieben. Denn wir wussten, dass in der Schweiz Dauerregen herrschte. Unser Zeugs war weg, daran liess sich nichts ändern. Wir wollten das Beste aus der Lage machen und versuchen, die südliche Sonne zu geniessen. Deshalb nahmen wir uns ein grosses Taxi und liessen uns nach Como transportieren. Unser Auto konnten wir ja nicht brauchen, denn die Scheibe hätte sich leicht eindrücken lassen und wer weiss: weitere Diebe hätten noch das Autoradio ausbauen können oder die Sitze aufschlitzen aus Wut darüber, dass wir kein Gepäck dabei hatten. Wir kauften in Como Zahnpasta, Zahnbürsten, Unterwäsche, Pijamas, T-Shirts, Jeans etc. ein und erlebten in einem Café leider nochmals die italienische Mentalität eher nicht so positiv.

Wenigstens klappte der Taxidienst hervorragend. Zurück im Hotel erlebten wir den Paukenschlag: mein Sohn hat vom Raub aus den Autos grad noch eine neue Jogginghose und einen teuren Bademantel übrig gehabt. Die wurden nicht geklaut. Dafür aber von jemandem des Hotelpersonals. Aus dem Hotelzimmer! Ich meine – das Zimmer war leer – da befanden sich keine anderen Kleider und Habseligkeiten unseres Sohnes. Es gab mit einer einzigen Hose und einem Bademantel kein unübersichtliches Teeniechaos im Zimmer. Er wusste genau, dass er beides über die Sofalehne gelegt hatte. Sie waren weg! Doch uns wurde nicht geglaubt am Hotelempfang. Was das Schlimmste ist für ein Hotel, nämlich Diebstahl aus dem Zimmer, darf nicht sein und folgedessen findet es ganz einfach nicht statt. Wer sowas behauptet, ist ein Lügner! Wir vermuteten, es könnte ein Angestellter gewesen sein, der ins Zimmer treten musste, um den Safe zu reparieren, welcher nicht funktionierte. Dieser wurde übrigens nicht repariert, obwohl die Mitarbeiter behaupteten, er sei repariert worden. Es war kein Strom drauf. Unser Sohn ist Stromerlehrling und versteht was davon. Die Mitarbeiter seien befragt worden, hiess es und keiner habe etwas entwendet. „Ja natürlich würden die sofort einen Diebstahl zugeben“, war meine ironische Antwort. Wir müssten den Diebstahl beweisen. „Also, dann wertet die Überwachungskameras aus“, forderte unser Sohn. Nein, das würden sie nicht tun. Ok – wie sonst können wir den Diebstahl beweisen? Die Polizei hätte natürlich kommen müssen, aber uns wurde ja vorher mehrmals versichert, dass die nie kommen werde, denn sie hätten grössere Probleme im Land.

Nun fühlten wir uns nicht mehr sicher. Es war zu spät, um in die Schweiz zu fahren und so übernachteten wir nochmals dort. Doch am Sonntag verliessen wir diese ungastliche Stätte. Eine Nacht vor der geplanten Abreise. Zuerst wollten sie uns diese Nacht nicht vergüten, später taten sie es doch. Nur, um uns noch später ein Mail zu schicken, mit dem doppelten Betrag, den wir vorher bestätigt bekamen. Unsere Verwirrung war komplett und wir werden die Kreditkartenabrechnung genau checken. Notfalls haben wir einen Rechtsschutz.

Fazit: wir haben so übergenug von der italienischen Mentalität von: uns ist es so egal, wie es euch geht, denn es geht euch immer noch besser als uns. Und davon, dass die wenigsten Englisch beherrschen. Und von den Langfingern in Italien. Und davon, dass die italienische Polizei nicht da ist, wenn man Hilfe vor Ort benötigt. Sich dafür lieber um Musiker kümmern und sie wegweisen, wenn sie schön in Como auf einem Platz spielen. Ein Raub aus dem Auto kann überall passieren. Das ist das eine. Das könnte man verkraften. Aber dass dann niemand da ist, der Interesse hat, zu helfen, das gibt einem ein Gefühl der Hilflosigkeit und Wut. Ein Gefühl der Sicherheit zu haben, ist das grundlegendste, menschliche Bedürfnis. Dies wurde uns entzogen. Gefolgt vom Grundbedürfnis nach menschlicher Zuwendung. Auch dies wurde uns nicht gewährt. Auch die menschlichen Grundbedürfnisse für eine Nacht wurden vom Hotel nicht abgedeckt. Und dann noch nicht mal das Grundbedürfnis nach Nahrung so wirklich. Krümel liessen sie uns grosszügigerweise. Aber wie gesagt: es war ein 4 Sternhotel. Wie es zu den guten Bewertungen gekommen ist, weiss nur die Hotelleitung. Ok – Italiener sind natürlich mit einem Espresso zum Frühstück zufrieden. Nein – nie mehr Italien.Wir haben genug. Basta!

Auch auf eine Intervention von booking.com hin, gab das Hotel dieselbe Antwort, welche mich nicht überrascht:

Bildschirmfoto 2017-04-19 um 21.03.28.png

An dieser Stelle ein Tipp für den menschlichen Umgang: es hilft einem in dieser Situation nicht, wenn man uns in irgend einer Weise belehrt. Es hilft auch nicht, zu hören: „dann verreist doch nicht mehr und baut euch eine Mauer rund um euch, dann seid ihr in Sicherheit. Lasst sie euch von den Nachbarn bezahlen.“ Es hilft nicht, Italien verteidigt zu bekommen. Wir haben es nun mal so erlebt, wie wir es erlebt haben und möchten uns nicht mehr dieser Gefahr und dem Gefühl der Unsicherheit aussetzen und dem Wissen, dass einem bei einem schlimmen Erlebnis nicht geholfen wird. Solche Kommentare benötigt man in diesem Moment einfach nicht. Sie wirken verletzend. Nicht gedacht, hm? Dann habt auch ihr was zum Zwischenmenschlichen gelernt. Was einem hilft in so einer Situation ist zu hören: och, das war mühsam für euch, wir verstehen eure Wut. Ganz einfach nur das. Mehr braucht man nicht an Reaktion. Ausser ein bisschen Verständnis.

Nachtrag, 5.5.17: Habe nochmals auf Google nachgeschaut, ob sich bei den Bewertungen was Neues ergeben hat beim MO.OM Hotel. Und was sehe ich da? Bereits vor 10 Monaten schrieb jemand was von Diebstahl aus dem Zimmer! Das war also nicht das erste Mal bei uns.

Bildschirmfoto 2017-05-05 um 10.22.12.png

Welche Bergpredigt und Seligpreisungen brauchen wir für die Zukunft?

Die Gesellschaft nimmt das Thema Glaube/Christen heute nur dann wahr, wenn es um den Tod geht oder wenn die Christen gegen etwas sind. Gegen Homosexualität, gegen den Islam, gegen Sex vor der Ehe. Dr. Andreas Walker ist Zukunftsforscher. Er berät Politiker und Wirtschaftsleute zu Fragen zukünftiger Chancen und Risiken. Im Rahmen des Community Weekend der Vineyard, am 8. April 17, warf er Fragen auf wie: „Können christliche Kirchen ihr „Kerngeschäft“ noch erklären in einer Sprache und mit Bildern, welche heute verstanden werden? Was ist christliche Hoffnung?“

Unter der Leitung von Dr. Andreas Walker und Dr. Andreas Krafft hat Swissfuture in Zusammenarbeit mit 20minuten und BILD dieses Jahr zum achten Mal eine Umfrage lanciert. Mit den Ergebnissen wurde das „Hoffnungsbarometer 2017“ erstellt – als hoffnungsvolle Antwort auf die seit über 40 Jahren publizierten «Sorgenbarometer» und «Angstbarometer». Die Fragen gingen in diese Richtung: „Was erwarten Sie vom kommenden Jahr? – Was wünschen Sie sich? Ihre grossen Hoffnungen 2017? Aktivitäten zur Erfüllung dieser Hoffnungen?“ Auf der Rangliste der Hoffnungen ganz zuoberst stehen bei Herr und Frau Schweizer die persönliche Gesundheit, gefolgt von der Hoffnung auf eine glückliche Ehe, Familie, Partnerschaft. Ganz zuunterst auf der Liste rangiert die Hoffnung darauf, religiöse und spirituelle Erfahrungen zu machen.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.27.jpeg

Um sich Hoffnungen zu erfüllen, denken die Schweizer gern nach, analysieren Zusammenhänge, übernehmen Selbstverantwortung, sprechen mit Freunden darüber. Nur eine verschwindend kleine Minderheit der Schweizer, besucht eine Kirche, einen Tempel oder Kraftort, um Hoffnung zu schöpfen.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.32.jpegAuch als Hoffnungsträger besetzen Pfarrer/Pfarrerinnen, Priester, Geistliche, Mönche oder Nonnen den Schlussrang, noch hinter den Bankern, Finanz- und Versicherungsfachleuten. Als erste Hoffnungsträger werden Ehepartner oder Lebenspartner genannt. Als zweites setzen die Schweizer ihre Hoffnung auf sich selber.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.34.jpeg

Die Umfrageergebnisse lassen den Schluss zu, dass die schweizerische Gesellschaft von uns Christen nichts erwartet. Man setzt keine Hoffnungen auf uns und das Thema Glaube interessiert nicht. Haben wir unseren Mitmenschen, der Schweizer Gesellschaft wirklich nichts zu geben als Christen?

Dr. Andreas Walker hat zusammen mit anderen Zukunftsforschern aus Wirtschaft und Politik festgestellt, dass folgende 4 Schwerpunkte uns in der nahen Zukunft herausfordern werden:

  • Angst/Hoffnung

Der Mensch hat noch nie so lange gelebt, wir haben noch nie soviel Geld gehabt wie heute, aber auch noch nie soviel Angst. Arbeitslosigkeit, Gewalt, Fake News, Attentate, IS, Rechtspopulismus, Angst davor, ob das AHV Geld für die eigene Rente reichen wird, flössen den Schweizern Angst ein. Die Welt verändert sich, aber der Durchschnittschweizer will um jeden Preis die Gegenwart festhalten und nichts verändern.

Dabei haben wir Christen eine Botschaft der Hoffnung. Die Bibel sagt in Johannes 16,33: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Wir müssen nichts bekämpfen, nicht jammernd gegen etwas sein, hingegen vielmehr überwinden. Als Christen sind wir herausgefordert, unseren Mitmenschen zuzuhören, zu erfahren, was ihre Ängste sind und tragen zu helfen. Die christliche Botschaft, welche wir den Menschen zu geben haben, lautet: „Du musst nicht alleine sein!“

Die Bibel sagt: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe“ 1. Korinther 13, 13 Christen haben in der Vergangenheit laut Aussage von Dr. Walker zu lange und zu rechthaberisch und aggressiv über theologische Unterschiede gestritten. Darüber, was „richtiger“ Glaube ist, wurde zu Genüge diskutiert. Das Thema Glaube ist wie das dritte Standbein eines Dreihöckers. Weil wir uns zu lange auf dieses Thema konzentrierten, sind wir Christen aus der Balance geraten.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.37.jpegDeshalb sollten wir uns in Zukunft stärker auf die Hoffnung und die Liebe konzentrieren, um die Balance wieder herzustellen. Die Hoffnung sagt, wir bleiben dran, wir stehen auf und gehen weiter. Geduld und Langmut sind Geschwister der Hoffnung. „Glaube an das Morgen, auch wenn das Heute dich überfordert“, sagt Walker. Dies ist die christliche Botschaft an unsere angstgeplagte Schweizer Mitbevölkerung.

  • Langlebigkeit

Zwischen 1880 bis heute hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen verdoppelt.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.41.jpegIm Jahr 2030 werden ein Drittel der Schweizer Bevölkerung 60 Jahre und älter sein. Sah ein Leben früher so aus, dass man 15 Jahre lang ein Kind war, dann bis 65 arbeitete und etwa 70 Lebensjahre zu erwarten hatte, sieht ein Lebenszyklus heute so aus: 30 Jahre bis der Mensch mit dem Studium fertig und bereit zur Elternschaft ist, 30 Jahre Berufs- und Familienleben und 30 Jahre lang ein fittes Alter geniessen. Dr. Walker meint, wir sollten für die Zukunft mehr Senioren- statt Jugendpastoren ausbilden, denn die Fragen, Sorgen, Bedürfnisse aber auch Möglichkeiten dieser Gesellschaftsmehrheit werde uns als Christen herausfordern.

  • Globale Migration

Dieses Thema fordert uns Christen heraus, Versöhnung zu leben. Trennendes soll überwunden werden. Es wird eine Globalisierung des Christentums geben, eine Herausbildung eines grenzsprengenden, überkonfessionell christlichen Milieus. Die Christengemeinschaft wird neu herausfinden müssen, was „christlich“ ist, ohne sich ausschliesslich in der „Dagegen-Form“ zu definieren. (Gegen den Koran, gegen…)

  • Digitalisierung

Die Digitalisierung ist sowohl Chance wie Auftrag für uns Christen. Die Frage: „Ist ein Roboter der bessere Mensch?“, stellt Christen vor eine Herausforderung. Was macht den Menschen zum Menschen, im Gegensatz zum Roboter? Was ist der Sinn des Lebens? Wer kennt und versteht mich? Was ist ein Gott? Was ist ein Herz – ich habe doch für alles meinen Computer? Was macht meine Identität aus? Warum sollte ich Gott brauchen, wenn doch der Computer alles für mich erledigen kann, wenn die „künstliche Intelligenz“ alles weiss – bis hin zur perfekten Partnerwahl?

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.39.jpeg

Die Abschlussfrage Walkers: „Wie schafft ihr „christliche Kompetenzen“ für gesellschaftsrelevante Zukunftsfragen?“ ist nicht so auf die Schnelle zu beantworten, sondern wird eine Knacknuss für die Zukunft sein.WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.46.jpeg

Wo ist Gott auf meiner Lebensreise?

Wo ist Gott auf meiner Lebensreise?

Gestern, 22. März, als ich die Nachricht hörte, dass im Bahnhof Luzern ein Zug entgleiste, wusste ich noch nicht, dass sich mein Bruder im umgekippten Waggon befand. Er ist Zugchef, seit 47 Jahren für die SBB tätig und wird Ende Monat pensioniert. Gott-sei-Dank gab es „nur“ 7 Leichtverletzte und mein Bruder kam mit einer leichten Ellbogenprellung davon. Er sagte mir, die Passagiere seien ruhig geblieben, hätten einfach eine Stunde lang in dieser unbequemen Schräglage ausharren müssen. Auf meine Frage, ob der Wagen nicht in Gefahr gewesen sei, ganz zu kippen, schickte er mir dieses Bild:

WhatsApp Image 2017-03-22 at 23.17.11.jpeg

Standbild eines Videos, Quelle Tamedia/SDA

Und er erklärte mir, was auf dem Bild gut ersichtlich ist, – nämlich, dass das vollständige Kippen verhindert worden sei, weil ein Fahrleitungsmasten genau am richtigen Ort stand und die Zugkomposition hielt.

Mir war es, wie wenn Gott durch dieses Bild zu mir reden würde. Da sitze ich in einer schwierigen Situation und klage Gott:“Wie schräg ist das denn!? Gott, du weisst doch, dass ich den Anschlusszug nun verpasse. Zudem habe ich mir eine Beule am Kopf zugezogen – siehst du – hier? Aua. Wie lange muss ich nun hier so unbequem ausharren? Mühsam, das Ganze.“ (Ist jetzt eine Metapher – ich sass nicht im Zug.) Ich sehe nicht das grosse Ganze dabei. Im Gegensatz zu Gott, der den Überblick hat. Er hält seine Hand so, dass der Wagen nicht ganz kippt. Er bewahrte alle Passagiere vor grösseren Verletzungen oder gar dem Tod. Zudem hat Gott dafür gesorgt, dass der Zugchef und ein weiterer Reisezugbegleiter sich auch grad im umgekippten Waggon befanden. Zufall? Sie hielten für die Passagiere die Verbindung zur Aussenwelt und zur SBB Konzernleitung. „Es wird alles getan für unsere Rettung. Es besteht keine Gefahr für uns.“ Wie gut, dass wir den Heiligen Geist in uns haben. Auf unserer Lebensreise ist er ein treuer Begleiter. Er teilt mir genau dieselbe Botschaft mit: „Gott ist mit dir in deiner schwierigen Situation. Ich weiss, wie unbequem sie ist und wiesehr deine Verletzung schmerzt. Hilfe naht. Du siehst es nicht, aber rundherum wird alles getan für deine Rettung. Es kommt gut. Sei getrost und ruhig.“

Wenn einem ein Unglück im Leben trifft, kann man sich schon fragen, warum Gott das zugelassen hat. Nur bringt einem diese Frage selten weiter. Hingegen die Frage: „Gott wo bist du in dieser Situation?“ schon eher. Sie kann einem die Augen öffnen, Trost, Halt und Zuversicht schenken.

Dies wünsche ich uns allen auf unserer Lebensreise.

#SchweizImHerzen Fotowettbewerb von Schweizer Radio und Fernsehen SRF

#SchweizImHerzen Fotowettbewerb von Schweizer Radio und Fernsehen SRF

Bildschirmfoto 2017-03-17 um 10.11.25.png

Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF schrieb im Herbst auf Twitter einen Fotowettbewerb aus. Gesucht waren Fotos von schönen Orten in der Schweiz. Bilder, welche von Herzen kommen und zeigen, wie wir die Schweiz im Herzen haben.

6 Teilnehmer haben gewonnen – und mein Foto, aufgenommen auf dem Bürgenstock war dabei. Als Preis gab es am Freitag, 17. März 2017 eine Führung durchs Fernseh- und Radiostudio, und ein feines Apéro.

Bildschirmfoto 2017-03-19 um 13.25.53

Jeder von uns Gewinnern durfte bis zu zwei Begleitpersonen mitnehmen. Zum Glück konnten mein Mann und Sohnemann an der Arbeit frei nehmen.

Bildschirmfoto 2017-03-19 um 13.25.02.png

Foto von Karin Mayerhofer Dobler

Geplant gewesen wäre ein Treffen mit Nick Hartmann. Doch der Pechvogel liegt im Spital. An dieser Stelle: gute Besserung. Im Fernsehstudio trafen wir Sandra Boner und Thomas Bucheli von Meteo.

Bildschirmfoto 2017-03-18 um 11.10.37.png

Bildschirmfoto 2017-03-19 um 13.28.37

Bildschirmfoto 2017-03-18 um 11.12.45

Foto von SRF

Bildschirmfoto 2017-03-19 um 13.29.54

DSC_0033

Bildschirmfoto 2017-03-18 um 11.13.47

Bildschirmfoto 2017-03-19 um 13.27.18

Als wir im Radiostudio eintrafen, beendete Bernhard Schär grad ein Telefonat mit Roger Federer und teilte uns die „Breaking News“ mit: Roger Federer ist eine Runde weiter, weil sein Gegner Kyrgios aufgrund einer Magenverstimmung aufgeben muss. Man lerne daraus: iss nie dasselbe Menü wie dein sportlicher Gegner. 😉

Bildschirmfoto 2017-03-19 um 13.36.30.pngIm Radiostudio durften wir Livesendungen moderiert von  Joschi Kühne, Bernhard Schär, Mario Torriani und Marco Thomann mit erleben.

Bildschirmfoto 2017-03-19 um 13.40.49

Zwischen den Ansagen gab es ab und zu ein paar freie Minuten, während denen wir die SRF Mitarbeiter mit Fragen löchern konnten. Zudem stiegen wir ins tiefste Archiv hinunter,

Bildschirmfoto 2017-03-19 um 13.38.00

sahen einen Schallplattenreiniger

Bildschirmfoto 2017-03-19 um 13.38.52

und auch das Hörspielstudio. Das einzige Studio schweizweit, in dem für ein Radio Hörspiele live aufgenommen werden. Die Geräusche stammen nicht alle aus „digitalen Konserven“, sondern werden auch heute noch oft selber produziert. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn das, was der Schauspieler spricht, mit einem Geräusch untermalt wird. Zum Beispiel bei Schritten im Schnee während eines Gesprächs. Dieses Studio kann übrigens gemietet werden.

Bildschirmfoto 2017-03-19 um 13.39.47

Während der Führung erfuhren wir ein paar interessante Fakts über SRF:

  • Pro Monat erreichen ca. 10’000 schriftliche Feedbacks die Redaktion von SRF. Sie alle wollen möglichst schnell und kompetent beantwortet werden.
  • Die Moderatoren werden nicht geschminkt, um vor die Kamera zu treten, sondern weil das TV HD-Qualität zeigt und bei normaler Theaterschminke immer noch Hautunreinheiten sichtbar werden, erhält das Gesicht mit einem Airbrush das perfekt geeignete Erscheinungsbild. Die Schminke wird also ganz fein aufgesprüht.
  • Die Moderatoren tragen nicht ihre Privatkleider im Fernsehstudio oder auf dem Meteodach, sondern werden von Profis eingekleidet.
  • Für Fr. 1.20 pro Tag kann jeder Bewohner der Schweiz rund um die Uhr 17 Radio- und 7 Fernsehsender, sowie das Onlineangebot von SRF benutzen.Dies ergibt einen jährlichen Betrag von 451 Franken an Gebühren pro Person.
  • Eine solche Führung, wie wir sie erleben durften, kann jeder buchen. 23’000 Menschen blicken jedes Jahr auf Studioführungen hinter die Kulissen von SRF. Es ist auch möglich, im Publikum Sendungen vor Ort mit zu verfolgen. Diese Möglichkeit nutzen 24’000 Menschen pro Jahr.

Mein Mann, Sohn und ich danken SRF für diesen interessanten Einblick, welchen wir an diesem Tag geniessen durften.

Intensive Chemowoche

Intensive Chemowoche

Die 1. Chemoeinheit liegt hinter „uns“. Es war eine emotional und körperlich anstrengende Zeit. Jetzt wissen wir etwas besser, was Chemo heisst. Bisher konnte ich persönlich mir nie so recht ein Bild machen, wie genau so eine Therapie vor sich geht. Und so sieht Chemo also nun aus:

17191902_10208786560402613_6849303063736484623_o

Während ein paar Stunden tröpfeln verschiedene Medikamente in den Körper des Patienten. Im Kantonsspital Luzern ist es so, dass entweder Zweierzimmer oder eine Art Lounge für die Tagesklinikpatienten zur Verfügung stehen.

Unsere Woche sah so aus:
Am Montag, 6. März 17 fährt mein Mann per ÖV auf 8 Uhr ins Kantonsspital und erhält über 9.5 Stunden eine Immuntherapie, als Vorbereitung auf die Chemo. Diese erträgt er ohne Nebenwirkungen. Als ich ihn um 17.30 Uhr per Auto abhole, wirkt er ziemlich fit. Für mich ist es eine Herausforderung, das Auto durch den Stadtverkehr zu lenken, bin ich doch nicht eine wirklich geübte Autofahrerin.

Dienstag, 7. März: mein Mann und ich fahren auf 8 Uhr per Postauto, Zug und Bus ins Kantonsspital. Der Grund, warum wir nicht per Auto fahren ist, dass wir das Auto nicht über so lange Stunden im Parkhaus stehen lassen wollen. Wir rechneten mit hohen Gebühren. Erst am Abend erfahren wir, dass ab 3 Std. Aufenthalt der Patient das Ticket auf der Tagesklinikstation umtauschen kann und dann nur noch 5.– bezahlen muss. Manchmal wäre man froh, man hätte gewisse Infos im Vorfeld. Ich bin mir diese Informationspolitik eigentlich nicht gewohnt vom Kantonsspital Luzern. Wenn ich mal was hatte, habe ich immer einen Zettel mit allem Wissenswerten im voraus erhalten. Wir nahmen zum Beispiel auch an, dass wir per Auto nicht direkt vor den Haupteingang fahren dürften. Denn vor der Schranke ist ein allgemeines Fahrverbot und zusätzlich heisst es: „Nur für Notfälle“. Also, jemand abzuholen, ist für mich kein Notfall. Und dennoch fuhren soviele Autofahrer durch diese Schranke hindurch? Alles akute Notfälle? Ich hatte mich am Montagabend nicht dafür, meinen Mann dort abzuholen und wartete auf ihn bei der Einfahrt der Mitarbeiterparkplätze. Die Dame am Infoschalter aber klärte mich dann auf meine Frage hin auf: doch für ca. 15 Min. darf man vor dem Haupteingang und dem Platz rundherum parkieren, um jemand auszuladen oder abzuholen. Warum wird einem das nicht vorher gesagt?
Ich leiste meinem Mann bis nach dem Mittagessen Gesellschaft. Es sollte das letzte volle Menü sein, dass er und ich für längere Zeit geniessen können. Doch das ahnen wir da noch nicht. Ich erhalte das komplette Menü mit Getränk als Angehörige eines Patienten gratis. Sehr grosszügig!
Nach dem Mittagessen versuche ich mich ein wenig abzulenken, indem ich in die nahe Stadt etwas lädelen gehe. Mein Mann hält ein Nickerchen.
Später geniessen wir unser Zusammensein trotz allen widrigen Umständen und werden um 17.30 Uhr von unserer lieben Nachbarin per Auto abgeholt. Auch an diesem Tag klagt mein Mann über keine negativen Nebenwirkungen der Chemo.

Mittwoch, 8. März: die Chemo dauert an diesem Tag nur am Vormittag. Die letzten zwei Tage lag mein Mann dazu in einem Zweierzimmer. Heute wird er gefragt, ob er bereit wäre, das Bett mit einer Art bequemem Fernsehsessel in einer Tageskliniklounge zu tauschen. Er findet es grad so bequem und kurzweilig, wie im Zweierbettzimmer. Auf mich wirkt diese „Lounge“ futuristisch. Es kommt mir so vor wie ein Blick in die Zukunft: da liegen Menschen ganz bequem und lassen sich per Infusion das Nötige einflössen. Vielleicht in der Zukunft Vitamine, Mineralstoffe oder gar Nahrungsmittel? :-O Dieser Teil der Tagesklinik wirkt für mich nicht wie ein Spital. Aber der Besucherstuhl ist unbequem. Am Abend habe ich derart Nackenschmerzen, dass ich eine Schmerztablette benötigte. Bequemere Sitzgelegenheiten für Angehörige, wären kein Luxus. Dort stundenlang zu sitzen, hängt mit der Zeit an.
Zuhause kann es vorkommen, dass ich ausser meiner Familie keinen einzigen Menschen sehe. Ein Kantonsspital ist ein Ort, an dem ein Riesenbetrieb herrscht. Als hochsensible Persönlichkeit (HSP) prasseln diverse Gerüche (Desinfektionsmittel? Medi? Menschen, Essens- und Teegerüche), Geräusche, aber auch wahrgenommene Emotionen meiner Mitmenschen ungefiltert auf mich ein. Ich stehe vor der Caféteria und beobachte medizinisches Personal. Sie tauschen miteinander aus. Was besprechen sie? Sie sehen so seriös aus. Gehen ihnen die Schicksale ihrer Patienten zu Herzen oder nicht? Dort sitzt eine Frau, sehr bekümmert. Besucht sie jemanden? Hat sie eine schlechte Diagnose erhalten? Plötzlich ein Notfall in der Caféteria: ein Senior bricht zusammen und eine handvoll Ärzte sind sofort zur Stelle. Der Mann wird mit wachsfarbenem Gesicht auf eine Caféteriabank gelegt. Oh nein! Wie tut mir dieser arme „Grossdädi“ leid. Hoffentlich überlebt er dies schadlos. Auf der Station meines Mannes liegen ein Manager, der während der Infusion am Laptop arbeitet, mit der Sekretärin telefoniert und was wegen „Codierungen“ abmacht. Vis-à-vis liegt ein Jugendlicher, der seine Schularbeiten erledigt und der medizinischen Pflegefachkraft erzählt, am Nachmittag gehe er arbeiten (ist wohl ein Lehrling). Weiter hinten im Raum erklärt ein Arzt einer älteren Patientin, dass die Chemo ganz sicher, aber eine Operation vielleicht auch noch nötig sei. Alle Schicksale berühren mich. Die Krankheit Krebs macht vor keinem Status, keinem Alter Halt. Sie kann jeden treffen. Was ich in diesem Abschnitt geschrieben habe, geht mir in Minutenbruchteilen durch den Kopf und durchs Herz. Am Ende der Woche bin ich erschöpft. Weil ich innerlich mitleide mit meinem Mann – und auch den anderen Patienten, weil ich soviel aufnehme mit allen Sinnen und weil ich jeden Tag den für mich ungewohnten und zudem enorm dichten Verkehr per Auto bewältige. Aber zudem auch noch, weil zuhause unterdessen alles liegenbleibt. Zudem habe ich grad zur Zeit enorm viele Schreibaufträge.

WhatsApp Image 2017-03-07 at 16.55.44.jpeg

Aussicht vom 11. Stockwerk. Tagesklinik Kantonsspital Luzern. Im Bild der Rotsee.

Zurück zum Mittwoch: am Mittag darf ich meinen Mann heim chauffieren und zuhause grad sofort an den Herd stehen, um für uns als Familie zu kochen. Am späteren Nachmittag gehts an eine Redaktionssitzung.

Donnerstag, 9. März: meinem Mann ist es wie angerührt schlecht. Geplant wäre gewesen, dass er per ÖV am Mittag ins Spital anreisen und ich ihn am Abend abholen würde. Doch es ist ihm so übel, dass ich ihn sowohl hin- wie auch retour fahre. Der Verkehr ist derart überlastet und das Parkhaus überbelegt, so dass wir für einen Autoweg, der innert 20 Minuten bewältigt werden könnte, eine geschlagene Stunde benötigen. Deshalb tue ich mir das nicht an, diesen Weg mehr als nötig unter die Räder zu nehmen und bleibe lieber im Spital. Ich habe den Laptop von zuhause mitgenommen und der Plan ist, dass ich an einem Schreibauftrag im Spital arbeiten könnte. Doch der „cheiben“ Laptop lässt sich nicht starten. Eine Pflegefachkraft bemüht sich, mein Problem zu bewältigen. Ich drücke meine Dankbarkeit aus, aber auch, dass sie ja bestimmt andere Aufgaben zu erledigen hätte, als ausgerechnet noch bei meinem Laptopproblem eingreifen zu müssen. Sie verlässt, sich einverstanden erklärend, das Zimmer und ich beginne zu schluchzen. Meinen Mann so elend zu sehen, ist der Hauptgrund. Dass der Laptop nicht läuft und zuhause die Arbeit liegen bleibt, sind die Tropfen, welche das Fass zum überlaufen bringen. Meinem Mann geht es nach einer Tablette schnell besser und auch der Laptop startet doch noch.

WhatsApp Image 2017-03-09 at 15.45.05.jpeg

Vor einer Minute noch weinte ich, wie wenn die Welt untergehen würde. Mobiler Arbeitsplatz im Kantonsspital Luzern. Mein Mann hat mich vom Bett aus fotografiert.

Ich darf wissen: meine liebe Nachbarin kümmert sich ja wenigstens ums Zusammenfalten unserer Wäsche. Doch zuhause angekommen, erwartet uns eine grosse Überraschung: nicht nur die Wäsche ist zusammengefaltet, auch alle Böden sind staubgesaugt, feucht aufgenommen und das Parket glänzt, weil die Nachbarin es mit Parkettpflegemittel bearbeitet hat. Es ist so schön, von so lieben Mitmenschen umgeben zu sein.

Freitag, 10. März: meinem Mann ist es trotz Medis gegen Übelkeit immer noch schlecht. Wir schaffen es, wenigstens einen Spaziergang ins Dorfcafé zu machen und treffen eine liebe Bekannte. Ich fahre ihn zum Coiffeur zu einer anderen Bekannten im Nachbardorf. Auch das geht ihm gut, trotz flauem Magen. Ich nehme einen Interviewtermin wahr. Heute ist zum Glück chemofrei. Die erste Woche ist geschafft. Jetzt gibt es drei Wochen Pause und dann werden wieder 3 Tage Chemoeinheiten dran sein. Dieser Rhythmus wird bis September unseren Alltag prägen.

Samstag, 11. März: noch immer ist es meinem Mann übel. Seit Donnerstag mag niemand von unserer Familie richtig essen. Keiner hat wirklichen Appetit. Mein Mann hat 6 kg abgenommen und das ist nicht so ideal. Wir erholen uns alle etwas an der Sonne auf dem Balkon. Ich pflanze Primeln in Kistchen und hoffe, dass ihre Farben auch uns etwas Lebensfreude bringen. Unsere älteste Tochter macht ein Krankenbsüechli bei ihrem Vater.

Sonntag, 12. März: meinem Mann geht es etwas besser. Die andere Tochter besucht uns. WhatsApp Image 2017-03-12 at 12.04.54Wir schaffen es in den Nachmittagsgottesdienst unserer Freikirche, wo wir immer viel Liebe erfahren und auftanken können.

Montag, 13. März: mein Mann nimmt die Arbeit wieder auf, nachdem er letzte Woche krank geschrieben war. Es geht ihm „ordeli“ (ordentlich/zufriedenstellend). Noch haben wir alle nicht denselben Appetit wie sonst, aber es kommt glaub langsam wieder besser.

Wir sind von vielen lieben Menschen umgeben welche sagen: wenn ihr was braucht, meldet euch. Wir sind gern für euch da. Ihr seid nicht alleine. Was für ein Glück!
Aber es ist schon eine Ausnahmesituation, in der wir stehen. Das Ganze trägt für meine Empfindungen was Surreales. Ich wähne mich manchmal einfach im falschen Film. Nicht als Zuschauerin, sondern mit meinem Mann zusammen als Schauspieler. Das was hier passiert, ist doch nicht wirklich real, oder? Leider aber schon. Die Leukämie und der Kampf gegen sie, ist brutale Realität.

Mascha Kaleko
„Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
und lass mich willig in das Dunkel treibe…
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr –
und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andren muss man leben!“

Die Welt sollte still stehen – Am Morgen geschrieben, am Abend bebte die Erde

Ich höre Lachen vor unserer Wohnung. Menschen plaudern miteinander. Auch auf Twitter und Facebook tauschen sie sich aus, über Trump, Montage, Husten, den vergangenen Tatort und über die Basler Fasnacht. Die Welt dreht sich ganz normal weiter. Die Leute gehen ihrer Arbeit nach, kochen, putzen, fahren Auto oder ÖV, hören Musik – leben und lieben ihr Leben, ihre Beziehungen. Dabei sollte sie eigentlich still stehen, die Welt. Sie sollte sich aufhören zu drehen, langsam knirschend zum Stillstand kommen und mit mir zusammen seufzen.

Mein Mann beginnt heute die Chemo. Bisher schaffte ich es manchmal, die schlechten Blutwerte, welche ja nur auf Papier da stehen, zu ignorieren. Was haben uns schon Blutwerte zu sagen, wenn mein Mann zwar abnimmt und sich von einer Erkältung nicht erholt, aber dennoch noch Ski fahren und in die Turnstunde fahren mag? Wenn er weiterhin liebevoll und fürsorglich für mich und seine Familie da ist und wir keinerlei Veränderungen feststellen, Gott-sei-Dank? Aber der Therapiebeginn stellt uns, wie jeder vergangene Arztbesuch die Dramatik und den Schweregrad der Krankheit vor Augen. Einerseits habe ich das Gefühl: so – endlich geht was vorwärts und er kann gesund werden. Andererseits heisst „Chemo“ nicht, dass da einfach Wasser durch seine Adern gelassen wird. Eine unbehandelte Leukämie und eine, bei der alle Therapiemassnahmen versagen, ist todbringend.

Manchmal lag ich in der letzten Zeit am Boden – noch bevor die Behandlung begann. Mir verschlug die Diagnose buchstäblich den Atem. Ich ringe um Luft, wenn ich spazieren gehe und fühle mich auch sonst einfach nur erschlagen. Innerhalb einer Woche haben mein Mann und ich je 3 Kilo abgenommen. Nicht, weil ich nicht gut kochen würde – glaub, denn sonst würde unser Sohnemann nicht derart zuschlagen. 😉 Mein Mann nimmt krankheitsbedingt ab und ich vor lauter Mit-Leid. Ich kenne das von mir: wann immer jemand der Familie krank ist, kriege ich dieselben Symptome, aber meist, ohne wirklich an derselben Krankheit ernsthaft zu erkranken. Einfach aus Empathie… Mein Mann ist es, der mich jeweils ermutigt, mich versteht, verwöhnt, geduldig und vorwurfsfrei ist. Ich glaube, einen solch lieben Mann, wie er mir geschenkt wurde, gibt es nirgendwo sonst. Er ist ein Geschenk Gottes und ich möchte das Leben noch so lange Jahrzehnte mit ihm zusammen geniessen können.

Ich möchte noch so lange mit ihm zusammen lachen.. Mit ihm plaudern und beten. Mit ihm zusammen austauschen über Trump, Montage, Husten, den vergangenen Tatort und über die Basler Fasnacht. Ich möchte mit ihm zusammen die Welt entdecken, welche sich hoffentlich noch lange weiter dreht. Ich hoffe, dass wir die USA Reise antreten können, welche wir bereits gebucht haben, bevor uns die Diagnose traf. Jeder von uns soll seiner geliebten Arbeit nachgehen und wir werden uns weiterhin darüber austauschen – er wird mein Erstleser sein für meine Artikel und ich werde ihn ab und zu an der Arbeitsstelle besuchen, wie bisher. Wir werden zusammen den Haushalt schmeissen, Familienfeste feiern, miteinander Konzerte geniessen, Filme schauen und darüber austauschen, unsere 30ig jährige Ehe feiern. Hoffentlich.

Nachtrag: fast unheimlich: heute Abend stand die Welt zwar nicht still, aber die Erde hat gebebt. Bei uns war es so, wie wenn ein Riese kurz das ganze Haus hochheben , raus aus den Angeln, etwas hin- und herschütteln und dann wieder unsanft niedersetzen würde. Bücher fielen aus dem Regal. Dachte zuerst, es sei einfach ein heftiger Windstoss gewesen. Aber dann begann unser Familienchat heiss zu laufen, denn auch in den Nachbardörfern war es spürbar und andere fragten mich auch per Whatsapp, ob ich was gespürt hätte…


Ich habe mit gott geredet darüber und ich meine, ihn so gehört zu haben:
„egal welche ursache dieses erdbeben hatte, dir persönlich soll es erstens als symbolik dienen, dass ich für dich die erde anhalten würde, wäre dir damit wirklich gedient. Ich habe das universum für dich aus lauter liebe angehalten, als jesus für dich starb. Das ganze universum hielt die luft an. Aus liebe und wertschätzung für dich. Jetzt trifft dich die erkrankung andys wie ein erdbeben. Du wirst zutiefst erschüttert und durcheinander gebracht. Dadurch stürzen festungen ein (!!) aber sei gewiss, mich selber kann nichts erschüttern. Ich bin betroffen und fühle mit dir. Aber nichts hebt mein reich aus den angeln. Steh im erdbeben auf meinem fundament. Es zerfällt nicht. Es hält ALLEM stand. Du wirst keinen schaden nehmen.“

Wettbewerbsgewinn: Neustyling Badezimmer bei Tchibo Schweiz

Wettbewerbsgewinn: Neustyling Badezimmer bei Tchibo Schweiz

4 Wochen dauert die Adventszeit, 4 Wochen habe ich meine Freunde auf das Ergebnis des Neustylings unseres Badezimmers warten lassen. Jetzt ist es soweit: unsere Badezimmertüre öffnet sich. Und so präsentiert sich der Tchibo Schweiz Blog darüber:

Bildschirmfoto 2017-01-24 um 10.22.36.png

Dieser Link führt euch zum Tchibo Blog.

Der Wettbewerbsgewinn in unsere grad etwas herausfordernde Lebensphase ist ein schöner Liebesbeweis Gottes. Konkret erhielten wir:

  • einen Bademantel (59.95)
  • ein XL Frottierbadetuch (34.95)
  • 4 Frottier-Handtücher (4 x 19.95 = 79.80)
  • 2  Gästehandtücher (2 x 7.95 = 15.90)
  • 1 Badewannenkissen (14.95)
  • 1 XL-Hamantuch (29.95)
  • 2 Duschvorleger (2 x 14.95 = 29.90)
  • 1 Paar Hausschuhe (14.95)
  • 1 Saugnapf-Doppelhaken (7.95)
  • 1 Saugnapf-Handtuchhalter (7.95)
  • 1 Kosmetikspiegel (11.95)
  • 1 Beauty-Dispenser (11.95)
  • 1 Peeling-Seife (8.95)
  • 1 WC-Bürste (22.95)
  • 2 Schachteln Badesalz (2 x 11.95= 23.90)
  • 2 Deko-Schalen (2 x 9.95 = 19.90)
  • 1 Duschhängeregal (24.95)
  • 1 Multifunktionsduschkopf (22.95)
  • 1 Duschwanneneinlage (14.95)
  • 1 Badewanneneinlage (12.95)
  • 1 Bluetooth-Badlautsprecher (29.95)
  • 1 Badewannenuhr mit Thermometer (22.95)
  • 1 Badwischer (19.95)
  • 1 WC-Sitz mit Absenkautomatik (39.95)

Das Badezimmer wurde nicht umgebaut und auf den ersten Blick sieht man deshalb vielleicht nicht, dass mir so ein stolzer Betrag von Fr. 584.45 geschenkt wurde!

Wir geniessen unser „neues“ Badezimmer, es ist wirklich eine Wohlfühloase. Jeder Gang ins Badezimmer freut uns. Es ist immer noch fast so, wie wenn wir auf Besuch wären. Der Duft der Peeling-Seife erfüllt angenehm den Raum. Vor allem schätzen wir das Duschradio, das manchmal den ganzen Tag leise läuft. Ich höre es in der ganzen Wohnung und es ist besser, als mein bisheriges DAB+ Radio in der Küche. Ich trage nicht nur im Badezimmer, sondern immer tagsüber, die wärmenden und doch leichten Haussschuhe. Meinem Mann passt der Bademantel super. Der Gesamteindruck des Badezimmers ist im Vergleich zu vorher leichter, luftiger, heller, geräumiger und ruhiger, weil bloss zwei Farbtöne vorherrschen. Vorher war unser Badezimmer ein buntes Allerlei und das Auge fand keine Ruhe.

Vermisst und noch zusätzlich gekauft, haben wir einen WC Ersatzrollenhalter. Und mit der Post ist aktuell unterwegs diese Badematte, welche ich nun noch selber kaufe. Ich vermisste etwas Flauschiges unter den Füssen vor dem Lavabo und nach dem Ausstieg aus der Badewanne:

Bildschirmfoto 2017-01-24 um 11.00.47.png

Gestern war ich ganz enttäuscht, als nach der Wäsche die türkisfarbenen Badevorlagen ein bisschen einen Blaustich erhielten. Und das Gästehandtuch ist um mehrere Zentimeter eingegangen. Keine Ahnung, warum das beim Waschen mit 60 Grad passiert ist, denn die Waschanleitung zeigt, dass man es bei dieser Temperatur waschen darf. Und vorher habe ich es bereits 3 Mal problemlos so gewaschen. 😦 Ich empfehle also, höchstens mit 40 Grad zu waschen.

Übrigens – die Uhr und das Duschradio fielen nach ein paar Stunden von der Wand. Dies, obwohl die Saugnäpfe so angebracht wurden, wie es empfohlen wird – sogar noch mit einem Pad drunter. Nun hängt die Uhr an der Duschwand aussen, neben dem Hängeregal und das Duschradio innerhalb der Dusche (wir achten darauf, dass es keinen direkten Wasserstrahl erhält). So hören wir es während dem Duschen eh besser. Noch zum Radio: es lässt sich via Bluetooth mit dem Handy verbinden. Tolle Sache!

So – schnell duschen gehen unter der grossen, neuen Duschbrause und dabei Radio hören. Herrlich!

16176661_1841859329426438_270890430_n